Frisch getrennt - Gedanken an die Zukunft

BlueTiger

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Hallo liebe Herschmerzgemeinde,

vor nicht einmal 7 Tagen hat sich meine Freundin von mir getrennt und ist bei mir ausgezogen. Der Verlust und die Lücke in meinem Leben schmerzen sehr. Dank der gut gemeinten Tipps meiner Freunde & Familie, habe ich die erste Trauer ganz gut überwunden. Besonders helfen mir Sport, Wandern, alte Freunde anrufen und Nachdenken... Mein Zustand schwankt dabei täglich mehrmals von Tränen bis hin zum Akzeptieren.

Zum Hintergrund.

Ich war mit meiner Ex 2 Jahre und 2 Monate zusammen. Als es vor einem halben Jahr so richtig zu kriseln begann, war meine hitzköpfige Art das Hauptthema. Sie war gerade bei mir eingezogen und mit dem Zweitstudium begann für sie auch ein neuer Lebensabschnitt. Wir hatten Fernziele für unsere gemeinsame Zukunft, aber die verliebte Stimmung war nach 1,5 Jahren Beziehung verflogen. Trotzdem war sie meine Herzensdame und so arbeite ich an mir hart. Natürlich gab es mehrere Gespräche, Feedback von ihr und ich habe viele Stunden über mein Problem gelesen. Je mehr ich mich in den darauffolgenden Wochen änderte, desto unangenehmer wurde sie wiederrum. Ein gemeinsamer Tanzkurs hatte ebenso wenig einen positiven Effekt wie eine gemeinsame Anmeldung für einen Segelführerschein (ihre Leidenschaft).
So hatte ich es mir im Nachhinein nicht vorgestellt und auch sie merkte, dass etwas nicht stimmte. Wir hatten daraufhin weitere Krisengespräche, verbrachten Weihnachten separat und haben uns nun im Guten getrennt. Dabei ging die Trennung von ihr aus, denn ich hätte es weiter versucht und wäre mit ihr in eine Paartherapie gegangen. Ihre Entscheidung akzeptiere ich.

Jetzt schaue ich in den Spiegel...

Ich bin Anfang 30 und das ist nun meine vierte Beziehung, die nach weniger als 2,5 Jahren zerbricht. Jemand mit schwarzem Humor könnte jetzt von "Routine" sprechen. Ein anderer könnte meinen, dass ich mit meiner Art hätte erst mehr an mir arbeiten sollen, bevor ich mich wieder auf eine Beziehung einlasse.
Eines meiner Lebensziele war (und ist) es eine glückliche Beziehung zu führen und irgendwann eine Familie zu gründen. Besonders jetzt bin ich hin und her gerissen, denn ich möchte nicht immer wieder nach so kurzer Zeit vor dem Aus stehen. Eigentlich möchte ich das NIE wieder, aber wer kann mir das schon versprechen und wem kann ich dieses Versprechen geben?

Meine letzten beiden Freundinnen (und ein paar Bekanntschaften dazwischen) habe ich über das Internet kennengelernt. Natürlich gab es auch Bekanntschaften über den realen Freundeskreis etc., aber die digitalen hatten auch ihren Reiz. U.a. füllten sie die einsamen Abende.
Als ich jetzt einem guten Freund von der neusten Trennung erzählte, riet er mir ziemlich eindringlich davon ab, dass ich mich jetzt und auch in nächster Zeit auf solche Dates einlasse. Ich solle es möglichst locker angehen lassen. Leicht gesagt, aber wenn sich bei mir leichte Torschlusspanik breit macht? Der Grund für seinen Rat mag daran liegen, dass zwischen meinen beiden letzten Beziehungen nur ein halbes Jahr lag. Ich akzeptiere, dass ich definitiv eine Weile verdauen muss, um über die gescheiterte Beziehung nachzudenken. Aber wie lange?

Jetzt seid Ihr, liebe Gemeinde, an der Reihe.

Habe ich meine letzte Beziehung sabotiert, indem ich zu schnell auf etwas eingelassen habe? Legt man sich Steine in den Weg, wenn man nicht alle Stufen der Trennung "auskostet"? Wenn ich mich in zwei Monaten nicht mehr verletzt fühle, stimmt dann etwas nicht mit mir? Oder war meine Liebe einfach nicht stark genug?
Ich bin schon länger am Überlegen, ob ich die Hilfe eines Therapeuten aufsuchen soll. Ich vertraue erst einmal auf die Hilfe des Kollektivs - also Euch.

Ich bin gespannt auf Eure Antworten.

PS: Morgen werde ich eine der goldenen Regeln bei Trennungen brechen: wir gehen beide in denselben Segelkurs. Und das noch bis Ende April. Meine Gefühle dazu sind gemischt. Je nachdem wie ich mich morgen dabei fühle, entscheide ich, ob ich weiter damit mache.

14.02.2016 23:46 • #1


Miss Jul

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Hallo Blue Tiger
Es tut mir leid das du dich grad in dieser Situation befindest !
Mir geht es grad etwas ähnlich. Nur das mich mein Freund vor einer Woche aus heiterem Himmel verlassen hat, ohne vorherige Krise !
Ich war auch nur ca. Ein halbes Jahr Single bevor ich mich auf die neue Beziehung eingelassen habe ! Aber für mich war das der richtige Zeitpunkt.. Ich wollte garnicht länger alleine sein ! Denke da gibt es keine Zeitspanne wie lange man Single sein muss. Es muss sich für einen einfach richtig anfühlen !
Ich denke auch, wenn man vielleicht nicht megalang trauert, dann bedeutet das nicht das man den Menschen nicht genug geliebt hat! Es zeigt vielleicht das man die Hoffnung doch noch nicht aufgegeben hat!
Mir fällt das momentan auch sehr schwer zu glauben, da ich wirklich gedacht hatte den Partner fürs Leben gefunden zu haben!
Ich wünsche dir viel Kraft !

15.02.2016 00:06 • #2


SilentOne78

SilentOne78

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Hallo Blue Tiger,

Zitat:
Trotzdem war sie meine Herzensdame und so arbeite ich an mir hart. Natürlich gab es mehrere Gespräche, Feedback von ihr und ich habe viele Stunden über mein Problem gelesen.


Was konkret ist Dein Problem? Meinst Du die "Hitzköpfigkeit" von der Du oben geschrieben hast? Und wie äussert sich die bei Dir?

Zitat:
Je mehr ich mich in den darauffolgenden Wochen änderte, desto unangenehmer wurde sie wiederrum


Kannst Du da mal Beispiele nennen? Was hast Du anders gemacht als sonst, und wie hat sie darauf reagiert? "Unangenehm" kann ja vieles sein... abweisend, agressiv, kalt, aufdringlich...?

Zitat:
Ich bin Anfang 30 und das ist nun meine vierte Beziehung, die nach weniger als 2,5 Jahren zerbricht. Jemand mit schwarzem Humor könnte jetzt von "Routine" sprechen..


Naja, meine ersten drei Beziehungen haben auch "nur" zwischen 2 und 2,5 Jahren gedauert... Die nächste dann 12 Jahre, davon 9 Jahren verheiratet. Und mit meinem derzeitigen Partner bin ich jetzt seit etwas über 1 Jahr zusammen. Und jede Prognose, wie lang es diesmal hält, wäre reines "Glaskugellesen". Aus der Dauer der vorherigen Beziehungen kann man es zumindest meiner Ansicht nach nicht ableiten. Da spielen einfach auch noch zu viele andere Faktoren eine Rolle. Und wie Du selbst sagst:

Zitat:
ich möchte nicht immer wieder nach so kurzer Zeit vor dem Aus stehen. Eigentlich möchte ich das NIE wieder, aber wer kann mir das schon versprechen und wem kann ich dieses Versprechen geben?


Eine Garantie kann einem da keiner geben... das seh ich auch so.

Zitat:
Ein anderer könnte meinen, dass ich mit meiner Art hätte erst mehr an mir arbeiten sollen, bevor ich mich wieder auf eine Beziehung einlasse.


Grundsätzlich spricht absolut nichts dagegen, an sich selbst zu arbeiten. Den Augenmerk würde ich da aber auf die Verhaltens- und Denkweisen legen, die DICH an Dir stören und mit denen Du unzufrieden bist, um Deiner selbst willen, und nicht im Hinblick darauf, woran sich eine potentielle Partnerin vielleicht stören könnte. Die Motivation und der Erfolg sind meist größer, wenn man etwas sich selbst zuliebe tut als wenn man sich anderen zuliebe "verbiegt".

Und was den Zeitpunkt angeht... an sich arbeiten kann man immer, egal ob Single oder in einer Beziehung. In einer Beziehung ist es halt eher "learning by doing" oder "training on the job" , sprich man hat das "wahre Leben" als Übungsfeld und den Beziehungspartner als "Sparring Partner". Vorteil ist der "Praxisbezug", Nachteil ist, dass die Geduld des Partners irgendwo ihre Grenzen haben wird...

Naja, jedenfalls seh ich keinen Grund Dich einer neuen Partnerschaft zu verschließen, nur weil es Dinge gibt, an denen Du noch arbeiten willst. "Fertig" ist man da doch sowiso nie...

Zitat:
Meine letzten beiden Freundinnen (und ein paar Bekanntschaften dazwischen) habe ich über das Internet kennengelernt. Natürlich gab es auch Bekanntschaften über den realen Freundeskreis etc., aber die digitalen hatten auch ihren Reiz. U.a. füllten sie die einsamen Abende.


Wo / wie man sich kennenlernt ist meines Erachtens zweitrangig. Beides kann "gut gehen" oder auch nicht. Letztlich kommts auf die beiden Menschen an, die sich da treffen, ob die "miteinander können".

Zitat:
Als ich jetzt einem guten Freund von der neusten Trennung erzählte, riet er mir ziemlich eindringlich davon ab, dass ich mich jetzt und auch in nächster Zeit auf solche Dates einlasse. Ich solle es möglichst locker angehen lassen. Leicht gesagt, aber wenn sich bei mir leichte Torschlusspanik breit macht? Der Grund für seinen Rat mag daran liegen, dass zwischen meinen beiden letzten Beziehungen nur ein halbes Jahr lag. Ich akzeptiere, dass ich definitiv eine Weile verdauen muss, um über die gescheiterte Beziehung nachzudenken. Aber wie lange?


So lange, bist Du das Gefühl hast, so weit zu sein und Dich auf jemand Neuen einlassen zu können. Das können 4 Wochen sein oder 4 Monate oder 4 Jahre...

Zitat:
Habe ich meine letzte Beziehung sabotiert, indem ich zu schnell auf etwas eingelassen habe? Legt man sich Steine in den Weg, wenn man nicht alle Stufen der Trennung "auskostet"? Wenn ich mich in zwei Monaten nicht mehr verletzt fühle, stimmt dann etwas nicht mit mir? Oder war meine Liebe einfach nicht stark genug?


Siehe oben. Den richtigen Zeitpunkt bestimmt nicht der Kalender, sondern Dein Empfinden. Diese oft zitierten Trennungsstufen oder -phasen sind Modelle, die so zutreffen können (und das vielleicht auch bei vielen tun) aber nicht zutreffen müssen. Wir sind Menschen, keine Maschinen, die ein festes Programm abarbeiten. Und wenn es bei anderen zutrifft, aber bei Dir nicht, heißt das nicht, dass Du "unnormal" bist. Das sind so komplexe Prozesse, da spielen so viele Faktoren mit rein... Vergleiche sind da nur bedingt möglich.

Dann ist ja auch noch die Frage, ab wann "der Zähler" läuft. Bei euch kam die Trennung nicht so völlig aus heiterem Himmel, es hat schon seit Monaten nicht mehr so richtig gestimmt. Und auch wenn ihr deshalb nicht gleich alles hingeschmissen habt sondern es weiter versucht habt miteinander und der Wille noch da war... ich denke mal, irgendwo tief drin hast Du Dich schon länger mit der Möglichkeit einer Trennung befasst. Das hat da innerlich schon einige Zeit gearbeitet, noch ehe die Trennung ausgesprochen und Wirklichkeit war. Und diese Zeit brauchst Du jetzt sozusagen nach der Trennung eben weniger zum Verarbeiten.

Den Schluss zwischen "schnell verarbeitet" = "wenig geliebt" würd ich auch nicht ziehen. Man kann auch loslassen, eine Trennung akzeptieren und sich für einen neuen Lebensabschnitt und Lebenspartner öffnen, obwohl man den Ex-Partner sehr geliebt hat und dieser Menschen in gewisser Weise immer einen besonderen Platz im Herzen haben wird. Dem einen fällt es leichter, dem anderen schwerer.

Und was beim wo und wie gilt, gilt denke ich genau so beim wann: Letztlich kommts auf die beiden Menschen an, die sich da treffen, ob die "miteinander können".

Zu guter Letzt noch mein (obligatorischer) Buchtipp... Für Dich könnte "Die Psychologie der Intimität" von Tobias Ruland interessant sein. Einen Link zu einer Leseprobe findest Du ihn meinem Profil. Bitte nicht irritieren lassen vom Titel... es geht da zwar AUCH um Intimität und S.ualität, aber auch ganz grundlegend darum, was eine Partnerschaft zum Funktionieren braucht. Hier noch ein kleiner Auszug, der das recht gut auf den Punkt bringt : wann-passen-2-menschen-zusammen-t28530.html#p589180

15.02.2016 12:23 • #3




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