Zitat von Zugaste:Aber seit dem viel besprochen ist, viel gestritten wurde, geweint und ich auch massiv auf Distanz gegangen war bei meinem Mann, habe ich diese Verliebtheitsgefühle bei ihm auch wieder. Dieses Bauchkribbeln, wenn er was macht oder sagt, was mir gefällt!
Komisch oder? Geht das überhaupt? Kann man sich in die gleiche Person zwei mal verlieben? Projiziert man dann was "anderes" hinein?
Das kann ich, wie @Kaetzchen schon geschildert hat, aus eigener Erfahrung so bestätigen. Mittlerweile bin ich schon zum dritten Mal in meinen Mann verliebt.
Man darf dabei ja auch nicht vergessen, dass dieses Verliebtheitsgefühl nicht zuletzt auf biochemische Vorgänge zurückzuführen ist. Grundsätzlich gehört da eine gewisse "genetische Kompatibilität" dazu, die hat sich (solange man nicht in einem Dauerschnupfzustand seinen Partner ausgesucht hat) über die Jahre ja nicht verändert, besteht also nach wie vor. Dann gehören da noch andere Hormonausschüttungen dazu, die durch positive Emotionen (u.a. orgiastische Zustände) ausgelöst werden.
Nach einem Beziehungscrash und erfolgter Aufarbeitung ist es ja so, dass wieder positive Emotionen durch den Partner ausgelöst werden, da sind dann wieder die Schmetterlinge mit dem alten Partner da.
Mir ging es so, dass das zweite Verliebtsein ziemlich schnell nach dem Aufdecken der Affäre stattgefunden hat. Da mögen die von @Kaetzchen geschilderten Mechanismen ausschlaggebend gewesen sein. Das war aber auch ziemlich stark durch die wieder auf Hochtouren laufende körperliche Zweisamkeit geprägt.
Im Laufe der Verarbeitung, so ca. im 3. Jahr danach flaute dies wieder ab und ich stellte vieles erneut auf den Prüfstand. Da mein Mann aber eisern in allen Verarbeitungsphasen zu mir gestanden hat und ich in so vielen Dingen des täglichen Lebens immer wieder spürte, dass er nicht nur neben mir "beistand" sondern auch mental voll involviert war und sehr an seinem "Schuldpäckchen" zu knabbern hatte, konnte ich die letzten schmerzhaften Krusten von der Wunde "Affäre" lösen und eine völlig andere Art von Verliebtheit setzte ein. Nun sind wir im 6. Jahr "danach" (ich brauche mittlerweile schon einige Zeit um dies nachzurechnen, soweit ist das schon weg) und der nun erreichte Zustand ist geprägt durch große Zuneigung, Sicherheit, Nähe und aber auch Begehren. Wir haben gelernt, die Bedürfnisse des anderen schneller zu erspüren, wir achten mehr aufeinander und lassen es nicht mehr zu, dass die Umstände des Lebens wie Kindererziehung, Stress im Beruf, Haushalt, Finanzen und so fort keinen Raum mehr für uns als Paar lassen. Unseren so errungenen Freiraum als Paar versuchen wir möglichst abwechslungsreich und aufregend zu gestalten, derartige gemeinsame Erlebnisse verbinden ungemein (das geht jetzt, nachdem unsere Kinder kein gesteigertes Interesse mehr an einer Freizeitgestaltung mit Eltern haben aber auch viel leichter).
Schade empfinde ich, dass es dazu erst die Gefahr des gegenseitigen Totalverlustes gebraucht hat. Das hätte ich gerne ohne den ganzen Sch... hinbekommen.
Seit einiger Zeit kann ich auch wieder entspannt mit dem Thema "Affäre" umgehen. Entsprechende Berichte im Bekanntenkreis, Filmszenen, Gespräche über das Thema usw. lösen bei mir keinerlei "Unwohlsein" mehr aus. Was geblieben ist, ist ein wacheres Erkennungssystem von "Empfindlichkeiten" innerhalb der Beziehung, Wissen um die Vergänglichkeit von Liebe wenn man sich nicht darum bemüht und an vorderster Front habe ich meinen Selbstwert unabhängig von der Beziehung definiert. Wenn mir die Beziehung nicht mehr taugt, kann ich jederzeit gehen und wenn mein Mann meint, es gefällt ihm nicht mehr, so kann er auch raus aus dem Spiel. Keiner hält zwanghaft an dem anderen fest und doch einmal aufkeimende Unstimmigkeiten werden aufs Tablett gebracht. Fehlende Kommunikation als Paar in einer schwierigen Situation war der Auslöser bei uns, mittlerweile haben wir gelernt hier ganz gezielt das Gespräch zu suchen und nicht einfach zu resignieren. Was die weitere Zukunft betrifft, wird sich zeigen.
Jedenfalls ist in unserem Fall das Dreieck wieder zu einer Geraden geworden ohne Bezugspunkte außerhalb. Ich wünsche allen, die noch im Schmerz gefangen sind oder sich noch auf dem Weg heraus befinden, dass sie ihre Wunden erfolgreich schließen können, auch wenn die notwendige Therapie den ein oder anderen Schmerz mit sich bringt (und damit meine ich alle Beteiligten eines Dreiecks).