Jac
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vor einigen Jahren hat es mir wahnsinnig geholfen, hier von einem Konflikt zu berichten. Da ich momentan wieder am Limit bin, suche ich nach Ratschlägen oder vielleicht Erfahrungen mit ähnlichen Situationen.
Meine Frage ist im Grunde: Wie viel soll ich als Partnerin aushalten und wann muss ich mich wieder an erste Stelle setzen?
Hier ein paar Infos zu meiner Lage:
Ich bin jetzt seit einem Jahr mit meinen Freund zusammen. Anfangs war es eine Wochenendbeziehung aufgrund der räumlichen Distanz. Außerdem hat es Schwierigkeiten gegeben. Ich wurde angeflunkert wegen vieler unnötiger Dinge. Eine große Rolle hat seine Ex gespielt. Die beiden haben ein gemeinsames Kind. Die Ex sollte nicht wissen, dass es eine neue Freundin gibt und ich wiederum durfte nicht erfahren, wann und wie oft er bei ihr war. Aber wie das so ist: früher oder später fliegen Lügen auf. Es hat sich herausgestellt, dass er sogar öfter bei den beiden übernachtet hat und mehrmals im Monat gemeinsame Unternehmungen stattgefunden haben.
Versteht mich nicht falsch: Sowas finde ich nicht schlimm. Aber das kann man doch kommunizieren.
Mein Freund hatte mir erzählt, dass er ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Ex hat. Nachdem sie dann festgestellt hat, dass es mit uns vielleicht ernster wird, hat sie sich quer gestellt und ihm die Hölle heiß gemacht. Sie hat gedroht, das Jugendamt einzuschalten, wenn er mir seinen Sohn jemals vorstellen wird. Ich habe ihm jedoch gesagt, dass er sich irgendwann klar positionieren soll, ich ein Teil seines Lebens bin und vielleicht nicht jetzt, aber eben irgendwann gerne sein Kind kennenlernen möchte.
Es ist dann so gekommen, dass Die Ex in ihre Heimatstadt gezogen ist und mein Freund nach Berlin. Ich selbst bin mitgekommen. Jetzt wohnen wir seit vier Monaten zusammen. Dieses Jahr ist der Kleine in die Schule gekommen und es hat riesige Probleme gegeben. ADHS heißt es, ist aber nicht bestätigt. Das hat bisher nur der Schulpsychologe gesagt. Trotzdem darf der Kleine nur bis mittags in der Schule bleiben und ist momentan sozusagen auf Bewährung. Im Dezember gibt es eine Konferenz und es wird entschieden, ob er auf eine Förderschule geschickt werden soll.
Ich kenne seine Mutter ja nicht persönlich und bekomme alles nur von den Erzählungen meines Freundes mit. Sie ist wohl extrem überfordert, weiß nicht, was sie mit dem Kind machen soll, muss selbst ja auch noch arbeiten, kommt aber kaum dazu. Außerdem ist sie gekränkt und frustriert, weil die Sache mit dem Kindesvater nicht funktioniert hat. Meiner Meinung nach läuft da einiges schief und es wird sich nicht ausreichend um die Bedürfnisse des Kindes gekümmert.
Mein Freund ist natürlich fertig und kann aus der Ferne auch nicht viel tun. Jetzt kommt sein Sohn aber seit einiger Zeit jedes zweite Wochenende zu uns. Da hat sich seine Mutter dann plötzlich zu bereit erklärt. Trotzdem will sie mich weiterhin hassen, beschimpft mich ständig und letzt hat ihr Sohn mir erzählt "Mama hat gesagt du bist schei.." Das ist alles ziemlich blöd. Ich mag ihn aber sehr und er mich auch. Nur ist es jedes Mal eine Herausforderung, wenn er kommt.
Wir haben zwei Hunde. Meiner ist ein riesiger Kerl, 16 Monate alt und aus Bulgarien. Ich habe so viel Zeit und Geduld gebraucht, um sein Vertrauen zu gewinnen und ihn zu sozialisieren. Der Sohn von meinem Freund liebt ihn und findet ihn toll. Aber leider dreht er immer völlig durch, rast durch die Wohnung, wirft sich auf die Hunde, fasst ihnen ins Gesicht, brüllt dabei und meiner lässt sich da total anstacheln und dreht mit am Rad. Wenn ich den Kurzen bitte, das doch sein zu lassen, wird das natürlich ignoriert.
Er kann unglaublich süß und liebevoll sein. Generell ist er ein sehr sensibles Kind. Aber dann gibt es die wütende, unkontrollierte Seite. Er schimpft und flucht, macht Dinge kaputt. Wie gesagt: Es ist furchtbar anstrengend. Dazu kommt, dass er wohl mediensüchtig ist, hier dann dementsprechend mit seinem Tablet anreist. Ich bin ein Kind vom Land und kann es sowieso nicht nachvollziehen, wenn Eltern den Kindern immer wieder Geräte in die Hand drücken. Also was die Erziehung angeht, habe ich da andere Vorstellungen als mein Freund.
Generell tut er nichts wirklich dafür, dass es besser wird. Ich habe schon mehr Bücher gelesen über sensible Kinder oder solche mit bestimmten Bedürfnissen. Ich habe mich auch informiert und gebe ihm Kontakte weiter, weil ich tolle Leute kenne, die echt super mit Kindern arbeiten. Aber er nutzt nie etwas davon. "Ja, können wir machen", sagt er zwar, wenn ich es ihm jedoch nicht in Häppchen serviere, dann passiert nichts.
Das gleiche Problem haben wir auch in der Hundeerziehung. Seine Hündin ist ruhig und brav, kann jedoch überhaupt nicht an der Leine laufen. Außerdem ist sie ein Jagdhund und hat ebenfalls Bedürfnisse, die nicht erfüllt werden. Und immer wieder bin ich mit beiden Hunden alleine, was mich viel Kraft kostet, weil das Mädel eben nicht hört. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich ihm mal meinen Hund mitgeben musste. Da ist bisher immer etwas schief gegangen.
Ich habe einfach irgendwie das Gefühl, dass ich mit allem alleine bin, obwohl es seine Themen sind. Dazu muss ich sagen, dass er gerade viele Baustellen hat. Die Eltern sind beide todkrank und werden im nächsten Jahr vermutlich beide sterben. Er hat noch einen großen Prozess am Hals, dann die Themen rundum seinen Sohn, im Job ist er auch nicht glücklich, seine Gesundheit macht ihm manchmal zu schaffen und um seine Psyche sollte er sich dringend mal kümmern.
Es ist viel passiert und er braucht Hilfe. Aber er kümmert sich nicht darum.
Ja, warum bin ich mit ihm zusammen? Nun, in kurzer Zeit ist er für mich Familie geworden. Ich liebe es, wenn wir Zeit miteinander verbringen. Wir können gute Gespräche führen, er unterstützt mich in allen Dingen und unser Sex ist großartig. Also liebestechnisch gesehen finde ich vieles toll und kann es mir ohne ihn gar nicht mehr vorstellen.
Gut, es gibt da noch ein Alk.. Dem sollte er sich auch noch stellen. Es ist nicht dramatisch, aber eindeutig zu viel. Und ich habe das Gefühl, als wäre ich völlig ausgelaugt. Ich kann nicht mehr. Mein Hund ist auch fertig. Der hatte in den vergangenen Wochen immer andere Wehwehchen.
Wenn ich mit meinem Freund darüber spreche und ihm versuche, klarzumachen, wie das alles für mich ist und dass es mich belastet, dann sagt er immer: "Ja, dann musst du eben gehen." Es ist auch schon vorgekommen, dass er mir Recht gegeben hat und meinte, er müsse etwas ändern. Ich bin mir jedoch nicht sicher, ob das jemals passieren wird.
Hat einer von euch ähnliche Erfahrungen gemacht? Zum Beispiel in Sachen Patchwork - wie viel Verantwortung übernimmt dabei der andere Partner und wo sind die Grenzen?
Ich neige dazu, meine eigenen zu überschreiten, weil ich natürlich voll für meinen Freund da sein möchte. Aber ich habe selbst auch viele Themen, um die ich mich kümmern muss. Ich würde mich gerne wieder leicht fühlen. Gerade ist es alles sehr schwer.
Ich freue mich über einen Rat, einen Tipp oder Erfahrungsbericht.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag euch allen.
Jac

