Zitat von Blind-Meg: Heißt das, du würdest in einer schlechten Beziehung oder einer On-Off-Sache mit jemandem, der ansonsten inkompatibel ist, bleiben, nur weil der Sex gut ist? Wenn sonst nicht viel gut ist?
Zunächst: Vapiano hat nicht einfach von "gutem" Sex geredet, sondern von ganz unvergleichlichem, einzigartigem, nie gekanntem Sex, also von etwas ganz und gar Außerordentlichem, von "genialem Verkehr". Also nicht von etwas jedenfalls, das man so gut wie jeden Tag erleben kann, sondern das klingt eher nach einem regelrechten Lebensgeschenk.
Und auf mich umgemünzt, weil Du ja mich das fragst: Würde ich eine Frau kennenlernen, die mich geistig auf das Höchste inspiriert, auf eine einzigartige, einmalige Weise, dann würde ich sicher nicht sagen, ja, das ist zwar sensationell, du treibst mich von einem geistigen Höhenflug zum nächsten, aber tut mir leid, da wir ja keinen Sex haben und auch die emotionale Wärme fehlt (oder dieses und jenes andere noch dazu), kann ich das nicht weiterführen. Es sei denn, diese Frau würde mir - von der Inspiration, also von dem, was wir auf eine außerordentliche Weise gemeinsam erleben können, abgesehen - dermaßen auf die Nerven gehen, dass ich sie einfach nicht aushalten würde. Es ginge also nicht darum, dass ich mehr wollte und daran verzweifelte, nicht mehr zu bekommen, sondern es müsste auf mich sozusagen eine aktive zerstörerische oder in den Wahnsinn treibende Wirkung haben, so dass eben tatsächlich nur eine lebensrettende Zurückweisung bliebe.
Es ist halt die Frage, was unter "ansonsten inkompatibel" zu verstehen ist und ob eine umfassendere Kompatibilität überhaupt nötig bzw. erstrebenswert ist. (Heißt, will man eine Beziehung über das, was man hat, was einem geboten ist, hinaus, will man zusammen wohnen, Familie haben usw.; wobei breiter gestreute Kompatipilitäten zudem durchaus dämpfend wirken können, es also mit dem einen Außerordentlichen schnell vorbei sein kann oder sich das erst gar nicht ergibt). Wirkt das auf mich desaströs, weil mir dieses und jenes fehlt, wonach es mich zusätzlich verlangt, oder macht mich diese Person aktiv fertig (auf welche Weise auch immer). Das wäre mein hauptsächlichstes Kriterium.
Das ist jedenfalls, für mich, der springende Punkt (und das wäre bei unvergleichlichem Sex oder was auch immer an Einzigartigem, das nur mit diesem einen bestimmten Menschen überhaupt möglich und sogar genial ist, sicher nicht anders). Macht mich die Beziehung oder was immer fertig, weil ich mehr will, als ich bekomme, oder macht mich der andere auf eine aktive und absichtliche Weise fertig. Dann ist darüber natürlich vollkommen anders zu denken.
Damit will ich nichts beurteilen, jeder ist, wie es heißt, seines Glücks und seines Unglücks Schmied und muss selber für sich die für ihn jeweils günstige Entscheidung finden und treffen.
Im Übrigen wollte ich ja nur wissen, weil ich es tatsächlich nicht wusste, weshalb es zur Trennung gekommen ist, trotz dieser offenbar alle Vorstellungen und Hoffnungen übersteigenden sexuellen Glücksverbindung.
Denn gerade so aus dem Stand heraus leuchtet mir das nicht unmittelbar ein, sind es doch gerade die sexuellen Gelüste, deren Erfüllung im Durchschnitt wohl eher etwas unter den Erwartungen zurückbleibt oder bald unter den Erwartungshorizont abfällt, und die vor allem am drängsten nach einem "kompatiblen" Partner verlangen. Zufriedenheit, Sicherheit, Wohlgefühl, Gemütlichkeit, Interessen, Freude, Wohlleben usw. - das alles geht auch allein. Aber auch nur halbwegs explosive Lusterlebnisse sind - von Ausnahmefällen vielleicht abgesehen - wohl kaum allein für sich möglich. Daher fällt hier, wie ich es sehe, eine noch dazu an sich schon seltene Außerordentlichkeit ja noch mehr ins Gewicht.