Hallo ,
ehrlich gesagt hat mich Dein Wortschwall erst mal ziemlich geplettet.
Bei so viel Bewertungen und Eintütungen bleibt mir echt die Spucke weg.
Jedenfalls wird mir immer klarer, wieso Du wohl auf so viele meiner Worte ziemlich allergisch reagieren musst, weil wir in unseren Ansichten wirklich meilenweit auseinander liegen.
Ich weiß nicht, was Dich zu der Härte Deiner Ansichten zum Thema Suizid bewogen hat. Deswegen will ich mir darüber auch kein Urteil erlauben. Nach einigen Überlegungen bin ich darauf gekommen, was Du wohl gemeint haben könntest:
Ja, ich glaube auch, dass es Menschen g i b t, die versuchen, mit einer Selbstmorddrohung andere unter Druck zu setzen (zumindest habe ich so etwas schon erlebt), verlassene Ehemänner zum Beispiel, die versuchen, dadurch ihre Frau zurückzugewinnen. So etwas ist ja auch im Forum hier schon aufgetaucht. Ich halte es jedoch für eine sehr eindimensionale Sicht, es darauf zu reduzieren ... und noch dazu alle über einen Kamm zu scheren.
Denn darüber hinaus sind solche Äußerungen Ausdruck so großen inneren Leidens, dass jemand keinen anderen Ausweg mehr sieht. Und so was dann als ´saumäßiges Verhalten´ oder ´bescheuertes Benehmen´ zu bezeichnen ... also ich weiß nicht. Was mir bei dieser Sicht völlig fehlt ist das Verständnis für die Gefühlswelt des Betroffenen, die dahintersteht. Vielleicht hat es bei einigen auch mit Rachegefühlen / dem anderen eins auswischen zu tun. Die Motive sind sicher sehr vielschichtig. Aber es ist immer auch eine Ausweglosigkeit. Jemand geht dabei genauso absolut schonungslos mit sich selbst um!! Es ist nicht nur eine Härte anderen gegenüber, sondern auch sich selbst gegenüber! Und insofern hat es nicht nur etwas mit Manipulation zu tun.
Natürlich ist das Äußern dieser Gedanken ein Hilferuf. Es zeigt, dass der andere noch etwas will. Aber genau das berechtigt mich zum Handeln - notfalls auch gegen den Willen des Betroffenen. Ich bin selbst (leider!!) schon zweimal in solche Situationen geraten. Denn wer weiß, wie er seine Entscheidung in einem halben Jahr oder in einem Jahr sieht. Wenn er dann immer noch so denkt, dann kann er sich immer noch umbringen. Dann hatte er wenigstens die Chance, das zu überdenken. Und die meisten sind später dankbar dafür, ´gerettet´ worden zu sein. Ich habe neulich etwas gelesen, dass man wohl in Untersuchungen festgestellt hat, dass Menschen, die suizidal waren, eher zu starren Konzepten von sich selbst, von anderen und auch von Lösungsmöglichkeiten für Probleme neigen; dass sie weniger flexibel in der Suche nach Lösungen seien ... und daher auch leichter in diesen ´Tunnelblick´ geraten, der den Blick für mögliche, wenn auch nicht optimale andere Lösungen verstellt ... bis irgendwann nur noch die einzige Lösung bleibt (natürlich auch das nicht auf jeden generalisierbar!)
Ich sehe in der Fülle von Bewertungen, wie Du sie hier vornimmst, eher ein starkes Bedürfnis, die Welt irgendwie in möglichst greifbare Kategorien einzuordnen. Das macht jeder von uns tagtäglich in vielen kleinen Situationen - oft ganz unbewusst! Sonst würden wir der Fülle an Informationen, die täglich auf uns einprasseln, gar nicht Herr werden. Ist halt alles immer nur eine Frage der graduellen Ausprägung. Also ich glaub, ich würd´ mich von Deinem Lob, wie Du es verteilst, genauso eingeengt fühlen, wenn es mich treffen würde, weil es einfach so festlegt. Ich find Dich sehr rigide in Deinen Bewertungen ... und auch in den Ableitungen! Wie schnell bist Du mit Deinen psycho-pathologischen Diagnosen bei der Hand! Aber das ist nur meine Sicht.
Kann das, was Du als ´Meinung in den Wind hängen´ bezeichnest, vielleicht auch einfach etwas damit zu tun haben, dass andere nicht so starre Konzepte (was Du Prinzipien nennst) von sich und dem eigenen Verhalten haben? Ich zum Beispiel war mir nachträglich nicht so sicher, ob das so gut war, was ich da so in meinen Empathie-Thread geschrieben habe (was nichts damit zu tun hat, dass ich weniger zu den Inhalten stehen würde!) - und ob ich da so den richtigen Ton getroffen habe. Daher vielleicht das ´Zurückrudern´? Das hat aber nix damit zu tun, dass ich meine Fahne in den Wind hänge, sondern dass ich mein eigenes Verhalten hinterfrage.
Und wer sagt eigentlich, dass jemand, der Deine Art von Humor nicht teilt, humorlos ist? Ich kann über einiges weniges, was Ihr hier so miteinander treibt und spielt, lachen, über vieles aber auch nicht, weil es mir viel zu grob ist, nicht meinen Geschmack trifft. Deswegen bin ich doch kein humorloser Mensch.
Was mir bei vielen Deiner Worte aufstößt ist die fehlende Sicht dafür, dass andere die Dinge vielleicht g a n z anders wahrnehmen können als Du selbst. Als würdest Du Dich und Deine Sicht der Welt zum Maßstab aller Dinge machen ... ... genau das, was Du mir auch vorwirfst

. Vielleicht sollten wir uns beide mal an die eigene Nase fassen. Irgendwas muss es ja wohl sein, dass wir immer wieder aneinandergeraten. So ganz bin ich noch nicht dahintergestiegen.
Jazz