Hallo!
@ Sternenträne
Dieses "glücklich zu sein, einander überhaupt zu haben" scheint mir überhaupt das Wesentlichste am Beziehungsglück.
Natürlich möchte man, wenn man liebt, immer das Beste für den anderen. Aber die Basis für eine glückliche Beziehung sollte wirklich immer dieses Glücksgefühl darüber sein, daß es den anderen überhaupt gibt und daß man sich gefunden hat.
Wenn dem nämlich nicht so ist, wenn es vornehmlich um bestimmte Zwecke und Vorteile geht, dann wird sich das irgendwann erschöpfen und man kann noch so viel geben (oder nehmen) - es wird letztlich nicht reichen. Das ist wie ein Faß ohne Boden.
Es gibt leider Menschen, die diesen Wesenszug (man kann es auch als "Störung" oder "Charakterfehler" bezeichnen) an sich haben, nichts vergessen und schon gar nicht, darüber hinauswachsen zu können. Die sammeln dann alles an "Verletzungen" und "Kränkungen" in sich an wie auf einer internen Negativliste und kramen es immer wieder hervor, merken sich - wie Du sagst - sogar einzelne Sätze, die jemand vor Jahren zu ihnen gesagt hat.
Meist haben solche Menschen - auch wenn sie sich ganz anders präsentieren mögen - einen starken Mangel an Selbstwertgefühl und erleiden sehr leicht eine "narzisstische Kränkung" - und diese wird dann intern "notiert" und nicht mehr vergessen. Auch haben sie gewissermaßen eine sehr enge und eingeschränkte Toleranzgrenze, so daß sie auch Dinge verletzen und kränken, die andere nicht einmal so wirklich wahrnehmen würden.
Ich muß leider sagen, daß mit Menschen dieser Art - selbst wenn sie tatsächlich lieben - eine dauerhafte Beziehung nicht zu führen ist. Weil alles, was sie als Kränkung empfinden, dauerhaft in ihnen erhalten bleibt, mit allen damit verbundenen Emotionen - und diese brechen dann, samt den entsprechenden Erinnerungen, bei jeder neuen "Kränkung" wieder hervor. Es reicht dann, daß irgendeine Kleinigkeit passiert, und sie steigern sich, unter Hervorkramen dieser früheren "Verletzungen", immer mehr in diese Wut hinein oder in das Gefühl der Demütigung. Und die Emotionalität entspricht dann in keiner Weise mehr dem Anlaß und kann sogar richtig groteske Züge annehmen. (Also wie wenn man jemanden unabsichtlich anstößt, und der dreht einem daraufhin den Kragen um ...)
Daher muß ich Dir ehrlicherweise sagen, daß ich Dir nicht dazu raten würde zu versuchen, die Beziehung wieder aufzunehmen. Denn das wirklich Schlimme ist, daß solche Menschen das auch nicht ablegen können (auch nicht trotz Liebe), das gehört fundamental zu ihrer Eigenart und ist nicht einfach eine flüchtige Krisenerscheinung. Daher muß man davon ausgehen, daß es nicht anders wäre als zuvor. Und kaum etwas ist schwerer auszuhalten als jemand, der über nichts, das ihn gekränkt hat, hinwegsehen und hinwegkommen kann.
Üblicherweise sollte es ja gerade so sein, wie Du sagst: Man streitet sich vielleicht einmal, hat Meinungsverschiedenheiten, ist wütend - und danach ist es auch wieder gut und vergessen (solche Dinge gehören halt einfach zum Leben dazu, man regt sich ja auch sonst bisweilen über den einen oder anderen Mitmenschen oder Vorfall auf).
Aber gerade dazu sind eben Menschen dieser Art nicht in der Lage. Nicht aus Bösartigkeit, sondern weil sie es einfach nicht können. Alles, was sie kränkt, bleibt in ihnen gegenwärtig und sammelt sich immer weiter an.
Es liegt auch nicht daran (wie Du meinst), daß er nach wie vor die guten Dinge nicht so sehr zu schätzen weiß, um die alten begraben zu können. Es ist - um bei diesem Bild zu bleiben - einfach die Erde nicht da, um etwas begraben zu können. Und so bleibt alles in vollster Lebendigkeit liegen und verrottet nie.
Da wirst Du 1000 gute Dinge vorbringen können, eine einzige als solche empfundene Kränkung reicht schon, um alles andere zu überschatten. Was dem einen ein Wölkchen am Himmel ist, das in der Sonne verdampft, ist jenem ein schwarzes Loch in seinem Himmel - und deren werden immer mehr, bis schon der ganze Himmel nur noch schwarz ist.
Das ist wirklich bedauerlich, aber man muß erkennen, daß das so ist und sich auch nie ändern wird.
Und wenn er sagt, er liebt Dich und wenn es mit Dir nicht geht, mit wem dann - dann liegt er damit ganz richtig: es wird mit gar niemandem gehen, weil es an der eigenen Persönlichkeit liegt und nicht an jener anderer. Jemand, der nicht "verzeihen", nicht vergessen kann, der zudem nichts tolerieren und aushalten kann, kann auch keine Beziehung führen. Das ist leider so.
Nur sollte man sich da nicht hineinziehen lassen, so schwer einem das fallen mag. Es bringen auch alles Kämpfen und alle "Überzeugungsarbeit" und alle Rücksicht und alle Selbstaufopferung nichts. Das muß einem einfach bewußt sein. Weil es eben nicht an Dir liegt, sondern an seiner "krankhaften" Kränkbarkeit und der Unfähigkeit, über etwas hinwegzusehen oder hinwegzukommen. Da kannst Du Dich in seinem Sturm biegen, wohin Du willst - der Sturm wird deshalb nicht aufhören.
Zur Selbstliebe noch kurz etwas: Nur wer sich selbst liebt, kann auch annehmen, daß er geliebt wird. Wer das nicht tut, der wird immer Zweifel haben, so sehr man ihn auch mit Liebe überschütten mag.
Danke, mir geht es gut! Ich kann wirklich nicht klagen

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@ MalOhneScherz
Ich glaube, Du hast das schon sehr gut erkannt: daß es nicht nur darum geht, daß man einen bestimmten Menschen verliert, sondern auch darum, was man mit ihm noch alles verloren hat. Also die ganzen Zukunftspläne, die Träume, im Grunde ein ganzes Leben. Man hat dann bisweilen sogar den Eindruck, ein ganz falsches Leben zu führen, auf ein Gleis geraten zu sein, das endlos durchs Niemandsland führt, in dem es nicht einmal mehr irgendein Gefühl gibt, nur Nacht und Totenstille gleichsam.
Ich glaube, Du bist mit Deinem ganzen Sein in diese Beziehung ausgewandert - und nun erscheint Dir alles andere bestenfalls als Ersatz. Und Du fühlst Dich auch nirgendwo zu Hause, nicht einmal in Dir selber.
Ich glaube, Du mußt so Stück für Stück wieder in Dich zurückkommen. Dann wird auch dieses und jenes, was Dir nun noch als Ersatz erscheint, wieder eine ganz andere Bedeutung bekommen und lebendig werden.
Jedenfalls gibt es keinen Ersatz für Dich und Dein Leben, und daher ist es wichtig, daß es Dir doch auch wieder einmal gelingt (und das wird es auch!), Dir selber und Deinem Leben innezuwohnen - und nicht in diesen fernen Träumen zu bleiben, von denen Du vielleicht da und dort noch ein verglimmendes Abendrot siehst.
Ursprünglich ging es ja um die Frage, ob es diese große Liebe ein zweites Mal gibt, und ich habe gemeint, daß es sie wohl, wenn es um die große Liebe geht, nur einmal gibt und sie nicht austauschbar ist, sie nicht beliebig ist und sein kann.
Allerdings muß man auch sehen, daß es vieles andere sehr Schöne, Glücklichmachende, Erfüllende gibt - nicht nur die Liebe.
Zudem kann es immer sein, daß man sich vielleicht doch geirrt hat (wer wüßte das zu sagen?) und die wirkliche große Liebe noch auf einen wartet ...
Also bleibe zuversichtlich und kehre zu Dir und Deinem Leben zurück (und zu Träumen, die Du ganz für Dich selber haben kannst) - noch ist noch lange nicht aller Tage Abend, auch wenn es sich für Dich derzeit so anfühlen mag.
Liebe Grüße