Zitat von Majnona: seine Eltern haben sich scheiden lassen als er fünf war, weshalb er sich von ihr anscheinend sehr im Stich gelassen fühlt. Seine Schwester hat heute Kontakt zu ihr, er selber möchte keinen. Über das Thema möchte er allerdings nicht so gerne reden.
Kindheitstramata wirken immer nach und werden aus dem Unterbewusstsein ins Erwachsenenleben übernommen. Auswirkungen sind oft Bindungsängste oder aber extremes Klammern, ungesunde Kommunikationsmuster, unangebrachte Aggressionen oder auch große Schüchternheit und dazwischen alle möglichen Schattierungen. Diese Menschen wurden leider schon in frühkindlichen Phasen, wo sie auch hochsensibel sind und sich mit großen Augen die Welt um sich anschauen, fehlgeprägt. Das kann eine Bürde für das ganze Leben sein.
Es ist ja ehrlich, dass er darüber berichtet. Das kann Dir helfen, seine merkwürdigen Verhaltensweisen besser einzuordnen, aber .... die Frage ist ja immer, inwieweit Du sie akzeptieren und damit leben kannst. Mitleid mit einem gebeutelten kleinen Buben ist keine Basis für eine Beziehung, sondern bedeutet von Anfang an Schieflagen.
Interessant auch, dass er erst davon erzählte und dann abblockte, so als ob er erschrocken über die eigene Offenheit wäre. Das spricht leider auch dafür, dass er Verletzungen zurück behalten hat. Und auch seine Spässchen können ein Indiz dafür sein, denn er verkleidet Dinge, die in ihm wüten, in spöttisch-lustige Äußerungen, die meist sehr verdächtig wirken, wenn man sie lesen kann.
Hinter Clowns stecken oft tieftraurige Menschen.
Und jetzt zu Dir: ich weiß jetzt nicht, inwieweit Du das Projekt Beziehung mit ihm weiter verfolgst, denn Du verhältst Dich zwiespältig. Einesteils lässt Du ihn mit Rückrufen warten, andererseits quatschst Du mit ihm dann eine halbe Stunde über irgend etwas.
Also agierst Du doch ähnlich wie er und spielst mit Ferne und Distanz. In Deinem Interesse solltest Du da eine klare Linie reinbringen, schon um Dich zu schützen. Denn auch wenn Du die Ursprünge seines Verhaltens erahnen kannst, so musst Du sie doch aushalten. Er sucht jetzt wieder Kontakt, weil Du auf Rückzug gegangen bist. Also bist Du wieder fern und das eröffnet ihm die Möglichkeit wieder anzudocken. Die Freude über seine Freundlichkeit wird nicht lange anhalten, denn kaum bist Du wieder im Nähemodus, wird er wieder auf Distanz gehen. Die Mittel für ihn sind Wegbleiben, Kontaktvermeidung, Aggressionen, Kränkungen, Abwertungen.
Dann ziehst Du Dich wieder zurück und er trabt wieder an und säuselt süße Worte. Es gibt Beziehungen die sich über Monate und Jahre in solchen Wechselspielen befinden, bis einer so verletzt ist, dass er endlich die Reißleine zieht.
Du wirst merken, dass er in Verhaltensmustern gefangen ist, aus denen er nicht raus kommt. Das liegt an den unaufgeräumten Dingen in seiner Seele. Aber musst Du das alles aushalten und ausbaden? Nein, denn Du solltest Dir wichtiger sein als ein Spielball seiner wechselnden Emotionen.
Eine stabile Beziehung mit Exklusivansprüchen und eindeutigem und gleichbleibendem Verhalten kannst Du mit dem jedenfalls vergessen.
Ich würde Dir raten, kategorisch auf Distanz zu gehen.
Er hat Dir sein Raubtiergesicht bereits gezeigt und das wird wieder geschehen. Zur Dompteuse bist Du nicht geboren, denn dafür bist Du viel zu nachgiebig und auch zu wenig kaltschnäuzig.