
Ich habe mich gerade zumindest schon mal vier Stunden lang durch die pre course task für die Fortbildung geackert, falls das irgend jemanden interessiert. Ich sah mich fast schon in ca einer Woche im Bus den Laptop auf den Knien balanzieren und hastig die blöden Aufgaben bearbeiten. In ein paar Tagen geht es los! Jetzt realisiere ich das so allmählich!

Ich werde einen Monat lang ständig in einer Gruppe sein, selbst täglich an der Tafel stehen, Prüfungen schreiben. Und weg von zuhause sein.
Ich hoffe, ich schaffe das.
Ich hab ja auch die Zugangsinterviews dazu bestanden.
Ich werde einen Monat nur Englisch sprechen und allen meinen Unterricht auf Englisch halten und meine Prüfungen auf Englisch schreiben.
Ich wohne in einer WG in der Altstadt, mit lauter Leuten zusammen, die ich nicht kenne.
Ich mußte gerade grinsen, als ich daran dachte.
Ich wollte immer so etwas machen, als die Kinder klein waren und jetzt mache ich es wirklich.
Ich brauch gewaltig Mut dazu.
Ich hab manchmal so ein komisch ernüchtertes Gefühl, als ob man mir einen Kübel Eiswasser übergekippt hätte. So als sähe ich den Zeckerich irgendwie von außerhalb unserer Geschichte, ohne den Kokon aus Gefühlen, Sehnsucht, Worten und Beteuerungen, den ich über die Jahre um uns gesponnen habe.
Was passiert ist.
Wie es passiert ist.
Was er gesagt hat.
Was wir getan haben.
Woran ich geglaubt habe.
Die Lieblosigkeit.
Die Ambivalenz.
Die Lügen.
Das, was ich nicht verstehe.
Mein Schweigen.
Mich letzten August, am Tisch, stehend, mit verschränkten Armen, ihm in die Augen schauend.
Er:
Es ist immer noch alles unsicher. Ich:
Aber ich liebe dich, ich will mit dir zusammenleben. (Wie er eben gesagt hat, dass er genau das will)
Er:
Wir sind kein Paar. Wenn du mich fragen würdest, ob ich dich genug liebe, um mit dir zusammensein zu wollen, würde ich sagen, ich weiß es nicht. Und ich schweige und mein Herz klopft und ich denke,
aber du hast doch gesagt, du liebst mich und wir sind ein Paar? Und ich schweige und ich lächle, sehe ihn an und denke, ich will weg, ich will weg, schnell schnell schnell, ich will weg, bitte lass mich weg. Ich will nicht weinen, das soll gar nicht passiert sein, das soll nie gesagt worden sein, warum sagst du das. Ich will nicht, dass du siehst, dass das weh tut. Aber warum machst du das. Du hast mich doch noch umarmt gestern und hast gesagt, wie sehr du mich liebst? Bitte, bitte, mir wird schwindlig, ich mag nicht weinen. Lass mich weg, bitte. Ich sage,
ich glaube ich muss bißchen raus.Ich sitze danach am Fluss und mein Herz klopft in der Kehle und ich will weg.
Oder ich will es verstehen. Ich kann es aber nicht verstehen. Ich will nach Hause und mich zusammenrollen. Warum ist er so, denke ich. Warum. Warum waren wir gestern noch bei seiner Schwester in der Küche und er hat erzählt, was wir in Korfu erlebt haben? Aber das macht doch alles keinen Sinn?Ich komme wieder zurück und er steht am Herd und kocht.
War`s gut draußen, fragt er und zwinkert.
Gibt gleich Steak. Magst du einen Gin Tonic, ist ja schließlich Freitag abend. Our fun night. Ich sage nichts und nicke.
Ich sage nichts.
Nein, sage ich dann.
Doch, sagt er,
genau das willst du auch. Ich kenne dich besser als du dich.Don`t you ever forget I know you better than anyone else does, darling.Manchmal heule ich dabei Rotz und Wasser. Ich hab immer versucht, das zu
verstehen. Den Umschwung, den kompletten break nach Monaten in denen er mich wieder und wieder beschworen hat, an eine Zukunft zu glauben, gesagt hat, dass wir ein Paar sind, dass wir zusammen gehören. In denen er meine Kinder kennen gelernt hat. In denen wir endlich so zusammensein konnten, wie wir es wollten, nach den schrecklichen Zeiten vorher.
Ich hab es mir so genau ins Gedächtnis gerufen und mir eingestanden, dass ich so verletzt war wie vielleicht selten vorher. Ich hab es so genau aufgeschrieben damit ich nie wieder in die gleiche Falle gehe und ihn wieder in mein Leben lasse. Nie nie wieder.
Damit ich ihn mir nie mehr zurechtlügen kann.
Damit ich ihn mir wirklich nie nie nie mehr zurechtlügen kann.
Und ich heule und heule dann und mach mir einen Tee und heule noch ein bißchen und dann fühle ich mich ein wenig mehr erleichtert. Das ist nicht glücklich oder fröhlich. Nur der Druck in der Kehle ist weg. Und ich spüre mich wieder. Mich. Meinen Körper.
Meine Gedanken kann ich dann wieder hören. Was ich will. Der Schrecken ist weg.
Ich dachte, als ich der Therapeutin meine Story erzählte, dass ich . lächerlich bin? Mich zusammenreißen muss?
Abgesehen davon, dass das jeder muss- nein, sie hat gesagt, das war
Gewalt. Das und andere Dingen in dieser Beziehung waren Gewalt.
Und warum hab ich geschwiegen, warum hab ich gelächelt, hab ich gesagt, warum hab ich nicht losgeschrieen und gesagt, er soll sich verziehen, ein für alle Mal?
Das weiß ich nicht, hat sie gesagt, aber vielleicht finden wir es heraus.
Wollen Sie das herausfinden? Nee, hab ich gesagt, nicht wirklich, aber ich denke, das sollte ich.
Warum fühlen wir uns so schwach und verletztlich, wenn wir eigentlich die Stärkeren, Mutigeren sind? Weil wir wirklich lieben, vertrauen, uns einlassen auf jemanden? Ehrlich sind?
Warum fällt es einigen von uns schwer, Grenzen zu ziehen, uns zu schützen?
Warum ist das so ein Lernprozess?
Mir geht es heute abend eigentlich gar nicht so schlecht.
Ich hab gelernt, dass ich manchmal einfach mal ein paar Strofen heulen muss und dass das ok ist.
Und dass dann wieder
ich dran bin.