Daisy9
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Ich schreibe hier meine Geschichte nieder, weil es mir dabei helfen soll, die letzten Monate zu verarbeiten. Ich war 6 Monate lang die Geliebte eines verheirateten Mannes. Bis dahin war ich immer eine sehr selbstbewusste Frau.
Wir lernten uns vor 10 Jahren kennen. Ich war gerade Anfang 20 und er um die 30. Er war mein Arzt (ich weiß, nicht gerade nach Lehrbuch). Als ich ihn das erste Mal sah, war ich wie vom Blitz getroffen, es hat sofort gefunkt zwischen uns. Als wir uns dann das erste Mal privat trafen, war ich so unglaublich aufgeregt, ich dachte, ich hätte meinen Traummann gefunden. Die Ernüchterung kam dann beim Essen: „Ich muss dir was gestehen, ich bin verheiratet“. Wumms. Es folgte: „Aber ich lebe in Scheidung, meine Frau verkraftet derzeit die Trennung psychisch nicht“. Da habe ich ihm schon kein Wort mehr geglaubt. Ich dachte nur, was für ein Lügner. Und doch bin ich ein paar Wochen später zum ersten Mal mit ihm im Bett gelandet. Warum? Ich weiß es nicht genau. Es war so aufregend und spannend und er war so viel weiter im Leben als ich.
Mein 30-jähriges Ich würde heute über mein 20-jähriges Ich lachen. Und doch steckt mein 30-jähriges Ich 10 Jahre nach dieser Begegnung in einer Liebeskrise mit genau diesem Mann.
Wir hatten in den letzten 10 Jahren immer wieder sporadischen Kontakt. Er hat sich gefühlt alle 3 Monate bei mir gemeldet. Die meiste Zeit ließ ich ihn abblitzen. Meine Nachrichten an ihn waren kühl und oft etwas gehässig und abwertend. Insgeheim habe ich mich über jede Nachricht von ihm gefreut. Ich habe ihn höchstens 3-4 Mal im Jahr getroffen und mit ihm geschlafen. Danach habe ich immer die Reißleine gezogen. Um mich vor Gefühlen zu schützen und weil ich meine Selbstachtung nicht verlieren wollte.
Ach ja, in den Jahren lebte er natürlich immer noch in Scheidung. Normalerweise kann ich Menschen, die mir nicht gut tun, aus meinem Leben entfernen. Aber er, dieser gut aussehende, erfolgreiche Mann, keine Chance.
Ich habe mich im Frühjahr dieses Jahres von meiner dreijährigen Beziehung getrennt. Es war nicht das Richtige und die Zahl 30 rückte immer näher.
Meine Freundinnen fingen an, sich zu verloben, zu heiraten, über Kinder zu reden. Ich war ständig in Panik, unzufrieden mit meiner eigenen Situation. Ich war bis dahin erfolgreich im Beruf. Plötzlich brach alles zusammen. Da habe ich an IHN gedacht, wo bekomme ich jetzt die Bestätigung, die ich so dringend brauche? Zack, eine kurze WhatsApp-Nachricht „Hi“. Eine Antwort kam prompt. Wir fingen an zu schreiben. Aus ein paar Nachrichten am Tag wurde Guten Morgen Babe, Gute Nacht Babe und den ganzen Tag chatten. Bis er mich treffen wollte. Ich zögerte. Ich wollte ihn nicht in meine Wohnung lassen, in meinen sicheren Raum. Wir trafen uns draußen. Als ich ihn nach all den Jahren zum ersten Mal sah, war es so aufregend und gleichzeitig so vertraut. Wir haben uns sofort geküsst. Er gab mir all die Bestätigung, die ich so sehr brauchte, wie toll ich bin, wie schön ich bin, wie verrückt er nach mir ist, seit Jahren. Unser S** war wie ein Feuerwerk. Nach ein paar Wochen lud ich ihn zum ersten Mal zu mir nach Hause ein.
Wir entwickelten eine Routine, seine "Fremdgeh"-Routine, dreimal die Woche in der Mittagszeit für 2-3 Stunden bei mir. Wir hatten jedes Mal unglaublich intensive Momente. So etwas habe ich noch nie mit einem anderen Mann erlebt. Es war, als wären wir füreinander geschaffen, als würden wir miteinander verschmelzen. Natürlich habe ich mich verliebt.
Unsere Gespräche wurden intimer und intensiver.
Und seine Ehe? „Die Beziehung ist im Ar.“, warum trennst du dich nicht? "Dann würde ich meine Kinder verlassen, so ein Vater will ich nicht sein. Was sollte ich dazu sagen? Ich schwieg.
Zu meinem 30. Geburtstag schenkte er mir einen Kurzurlaub mit ihm. Mehr als diese drei Stunden über Mittag hatten wir noch nie zusammen verbracht. Ich war voller Vorfreude und gleichzeitig besorgt, wie es wohl sein würde. Natürlich war es wunderschön. Morgens mit ihm aufwachen, den Tag unbeschwert am Strand und im Meer verbringen, abends schick essen gehen. Das alles natürlich im besten Hotel der Gegend. Es zeigte mir, wie mein Leben mit ihm hätte sein können.
Zurück in der Realität. Er war wieder wochenlang mit seiner Familie im Urlaub. Was macht er, schläft er mit ihr? Lacht er mit ihr? Worüber reden sie? Behandelt er sie so wie mich im Urlaub?
Ich werde langsam verrückt. Tag und Nacht kreisen meine Gedanken um ihn.
Ich habe das Gefühl, dass seine Nachrichten weniger werden, warum sagt er mir nicht mehr „Ich bin so verrückt nach dir“ „Du fehlst mir“. Was ist los? Verliert er das Interesse an mir? Ich muss mich mehr anstrengen. Ich muss ihm zeigen, dass ich für ihn die „bessere“ Frau bin. Ich bin lustiger, schöner, intelligenter, besser im Bett. An diesem Punkt habe ich mich für ihn völlig verloren. Wo war mein Selbstbewusstsein geblieben? Warum war ich plötzlich eifersüchtig auf seine Frau? Wollte ich ihr Leben? Von ihm betrogen zu werden, aber mit ihm leben zu „dürfen“. Das ist doch krank. Unser Verhältnis begann sich zu verschlechtern. Er hatte immer Verständnis für mich. Er verstand meine Probleme, er wollte mich befreien, damit ich glücklich werden konnte. Dass ich einen Partner finden, eine eigene Familie gründen könnte. Natürlich wollte ich das nicht hören. Ich wollte nicht frei sein, ich wollte, dass er sich für mich entscheidet. Ich wollte, dass er einer der Männer ist, die sich aus der Ehe lösen und sich für seine Affärenfrau entscheidet. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits ein Schatten meiner selbst. Ein Häufchen Elend, ohne Selbstwertgefühl. Nichts mehr von der unabhängigen, selbstbewussten Frau, die ich immer war. Und die er so liebte. Ich habe mich mit ihm zerstört. Es war wie eine Achterbahnfahrt. Nach jeder Auffahrt mit ihm folgte der Sturz in den Abgrund. Mit ihm war ich der glücklichste Mensch der Welt, ohne ihn war ich deprimiert und traurig. Es war wie eine Sucht, ich habe den Schmerz in mir, für die highs die er in mir ausgelöst hat, ausgeblendet. Ich war bereit, die meiste Zeit meines Lebens zu leiden, für die paar Stunden in denen ich mit ihm glücklich war. Um mich dann selbst zu belügen.
Seit einer Woche haben wir keinen Kontakt mehr. Ich vermisse ihn sehr, denke viel an unsere gemeinsamen Momente. Ich frage mich, ob er auch an mich denkt? Überhaupt habe ich so viele offene Fragen, die ich gerne von ihm beantwortet hätte. Aber zu welchem Zweck? Es würde nichts ändern. Ich weiß, dass ich ihn idealisiere. Ich weiß, dass ich so einen Mann nicht will. Ich weiß, dass eine Beziehung nie funktionieren würde. Und trotzdem tut es mir so weh, dass ich an manchen Tagen nicht aufstehen kann, nicht essen will und nur weine. Irgendwann habe ich hoffentlich meine eigene Familie und all meine Ziele erreicht. Er wird immer ein Teil meines Lebens sein und ich wünsche ihm, dass er glücklich ist. Danke.
