CassiasKummer
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Ich bin mit meinem Freund noch nicht so lange zusammen, knapp 4 Monate. Ich bin 32 und er 34. Wir haben uns übers Internet kennen gelernt, zu einem Zeitpunkt, wo ich schon längst aufgegeben hatte, dass das überhaupt funktionieren kann.
Wir haben uns viel geschrieben und telefoniert und uns erst nach ein paar Wochen getroffen. Haben ein tolles erstes Date gehabt und uns langsam weiter kennen gelernt. Die Anfangszeit war wunderschön. Er war aufmerksam, er war charmant, er war liebevoll, er war interessiert und verständnisvoll, er wollte es fest machen, fragte mich, wo wir stehen, dass er mehr will. Es hat alles gestimmt und war wohl zu schön, um wahr zu sein.
Das hielt ganze 6 Wochen. Er veränderte sich schlagartig. Er zog sich zurück, wurde kühler, ziemlich egoistisch und teilweise richtig gemein. Aber nicht durchgehend. Aber ich konnte zuschauen, wie es immer schlimmer wurde.
Er fing an mich zu kritisieren, nix konnte ich mehr richtig machen – vom Obst schneiden bis zum Autofahren. Er ist vom Kuscheltiger zum Kuschelgegner mutiert.
Klingt ganz nach dem klassischen Fall oder?
Ich glaube, mit dem könnte ich auch ganz gut leben. Hacken dran, hat halt nicht geklappt. Aber bei uns ist es schwerer.
Seit ca. 6 Monaten mache ich eine Therapie, weil ich durch das Desinteresse meines Vaters (meine Eltern haben sich scheiden lassen, als ich 1,5 Jahre alt war – kein Kontakt) unter einer sehr starken Verlustangst leide. Mit ihr Zusammen habe ich das Verhalten meines Freundes sehr konkret analysiert.
Lange hatte ich mir eingeredet, dass das Problem bei mir liegt, dass er sich ganz normal verhält und ich (mal wieder) den Teufel an die Wand male – ich muss dazu sagen, dass ich nach meinem ersten Panikanfall, mit ihm geredet habe und ihm von meiner Therapie und Sorgen erzählt habe. Er zeigte Verständnis, machte aber nicht den Anschein, als wenn er sich betroffen sieht. Es ist halt mein Problem ne. Ich gehe wirklich durch die Hölle, habe depressive Schübe, leide an Konzentrationsstörungen, habe einen riesen Kloss im Hals und ein Schmerz in mir frisst mich auf. Immer diese bösen Gedanken, verdammtes Kopfkino und er tut nicht viel, um mir zu helfen. Und ich bin damit alleine, zumindestens in dieser Beziehung. Reden ist schwer, er blockt ab, sobald ich anfange, zu kritisieren. Geht raus oder legt sich schlafen oder stellt sein Handy komplett ab und ist nicht mehr zu erreichen.
Durch die Gespräche mit meiner Therapeutin haben wir festgestellt, dass er sehr narzisstische Züge hat. Er entwertet mich, er ist kühl, (auch wenn sich das albern anhört) er steht vorm Spiegel und bewundert sich, will immer Bestätigung. Er interessiert sich nicht für meine Sachen, aber seine müssen gross und breit besprochen werden. Wenn ich kuscheln kommen will (wenn ich mich überhaupt noch traue) willigt er zwar ein, aber seine Nähe spühre ich nicht, seine Hand streichelt nicht meinen Rücken, sondern liegt auf der Couchlehne oder unter seinem Kopf. Beim Schwimmen weicht er mir aus, einmal hab ich mich von hinten an ihn gehängt (unter Wasser) und er meinte „nicht, das ist schwer“ – ja klar, unter Wasser. Egal, wo man den Begriff "Narzistische Persönlichkeitsstörung" eingibt, schreien alle "lauf weg, so lange du noch kannst" ... man liest richtige Horrorgeschichten. Es ist hoffnungslos und zerstört den Partner psychisch komplett.
Mir fehlt seine Nähe und das Gefühl, dass er mich begehrt ... nach 4 Monaten ist man doch noch in der Schmetterlingsphase.
Warum ich mir das alles gefallen lasse? Er ist ja nicht immer so. Er hat auch eine andere Seite. Wir lachen und unternehmen viel und ja, wenn ich ehrlich zu mir bin, bin ich glaub ich unbewusst in eine Art Abhängigkeit gefallen. Ich tue und mache, ich gebe mir Mühe, ihm keine Angriffsfläche zu bieten für seine Entwertungen, ich lasse ihm seine Freiräume und mir viel zu viel gefallen.
Ich mag ihn, aber ich mag mich auch. Ich werde heute mit ihm reden – und ich hoffe, ich schaffe es, diese Sache zu beenden. Ich kann einfach nicht mehr.
Einen passenden Spruch habe ich heute zufällig gelesen:
„Es ist besser, den kurzen Schmerz der Wahrheit zu erleben, als den dauerhaften Schmerz der falschen Hoffnung“
Es tut soooo weh ...
