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Ich bin Beziehungssüchtig Hilfe!

Harvey

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Hallo,

ich bin 28 und habe vor ca. 5 Wochen eine neue Frau kennengelernt. Wir treffen uns regelmäßig, verstehen uns sehr gut und streben auch beide eine ernsthafte Beziehung an. Ich bin seit ungefähr 5 Jahren Single. Ich habe die damalige Trennung meiner langjährigen Beziehung sehr schwer verkraftet, es war wirklich eine ganz schlimme Zeit. Ich wurde schwer depressiv, mit allem drum und dran.
Ich habe schon in der Beziehung damals gemerkt, dass es mir immer schlecht ging, wenn ich keine Zeit mit ihr verbracht habe und ich sie nicht sehen konnte. Ich war für nichts zu gebrauchen und habe mich komplett zurückgezogen und gewartet bis ich sie wieder sehen konnte. Zeitweise bin ich nicht mal arbeiten gegangen.

Naja, jetzt merke ich leider, dass diese Gefühle wiederkommen. Ich habe mich wirklich in die Frau verliebt, das weiß sie auch. An den Tagen, an denen ich sie nicht sehe, geht es mir sehr schlecht. Ich kann kaum essen, schlafen ist eine Qual, den normalen Alltag bestreiten ist fast unmöglich. Meinen Sport habe ich zum Beispiel vor 2 Wochen komplett aufgegeben. Habe mich auf der Arbeit jetzt schon sehr oft krankgemeldet, heute z.B. wieder. Seitdem wir uns näher gekommen sind, habe ich 4 Kilo abgenommen.
Gestern haben wir uns gesehen und mir ging es den ganzen Tag gut, bis ich am Abend alleine zu Hause war. Heute sehe ich sie nicht, wahrscheinlich erst am Freitag oder Samstag wieder. Sie möchte Zeit für sich haben und hat noch andere Dinge vor. Im Prinzip eine absolut normale Sache, aber ich leide extrem dadrunter.
Ich bin mittlerweile der Auffassung, dass ich unter einer Beziehungssucht leide. Der Auslöser dafür konnte mein Elternhaus sein. Ich war sehr oft alleine, lebte unter Alk. und Gewalt. So etwas wie Bindung kannte ich nicht. In meinem Leben habe ich sonst niemanden der mir richtig nahe steht. Auch sonst bin ich jemand, der sehr viele Dinge alleine macht.

Ich kann so einfach nicht weiterleben. Ich muss da etwas verändern. Das Verliebt-sein sollte doch ein schönes Gefühl sein, ich leide sehr darunter. Ich möchte am liebsten nur noch Zeit mit dieser Frau verbringen. Was kann ich gegen die Beziehungssucht tun? Wie überwinde ich die Tage, an denen ich sie nicht sehe? Was kann ich tun, dass es mir gut geht?

Vielleicht noch interessant zu wissen: Ich nehme sein vielen Jahren schon Medikamente gegen Depressionen.

20.05.2015 14:12 • #1


minna


auch schonmal therapie versucht ?

zwing dich, weiterhin zum sport zu gehen
und die zeit,
in der sie nicht da ist, sinnvoll zu füllen.
mach dir einen plan...

das kann man auch üben.....
man kann jede sucht überwinden.....

der beginn ist, daß man sie erkennt.....

20.05.2015 14:20 • #2


Harvey


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Eine Therapie habe ich noch nicht versucht, nein.
Das letzte Mal habe ich Sonntag vor 2 Wochen Sport gemacht. Ich habe bei der Hälfte abgebrochen, ich hatte einfach keine Motivation mehr. Ich war so fertig, Konzentration war überhaupt nicht vorhanden, ich wollte sie nur sehen.
Ich sitze heute schon den ganzen Tag zu Hause, mache einfach gar nichts und warte zum einen dass sie mir schreibt und zum anderen auf den Abend, damit ich schlafen gehen kann. Das ist wirklich richtig schlimm. Ich bin völlig hilflos.

20.05.2015 14:35 • #3


PingPong


Das problem bei Beziehungssucht ist dass man trotz der Innigkeit meistens gar nicht imstande ist zu lieben. Man braucht den Partner...tut vielleicht auch viel für den Partner...aber Liebe funktioniert anders. Und darum scheitern diese Beziehungen meistens früher oder später.
Du brauchst eine enorme Willensstärke um da raus zu kommen. Sei dir bewusst, dass sich nie etwas ändern wird wenn du es nicht anpackst. Das sind für die Zukunft wenig rosige Aussichten. Mich hat das dazu motiviert, mich nur um mich zu kümmern und keine Partnerschaft mehr einzugehen. Man muss lernen ein tiefes Gefühl für sich selbst zu entwickeln. Sein Leben im Fokus zu haben. Nicht allein rational ("So sollte es sein...."), nein, emotional: "Es ist mir ein tiefes Bedürfnis etwas für mich zu tun...Ich genieße es allein zu sein..." usw. Ich habe Ewigkeiten gebraucht um dahin zu kommen. Aber wenn man soweit ist, wundert es einen sogar darüber was für einen großen Stellenwert die Beziehung für einen hatte. Der ganze Lebensreichtum wird auf die Beziehung reduziert und mit nicht-abhängigem Blick ist das sogar recht langweilig. Es mag unglaubwürdig klingen aber wenn du dich und den Reichtum des Lebens entdeckt hast, dann hösrt du automatisch auf, das Leben, die Intensivität nur in der Liebe zu suchen. Ein wunderschönes freies Gefühl Und dann dämmert es einem auch irgendwann, wie sich wirkliche Liebe anfühlt...
Sich selbst entdecken ist grob gesagt das Geheimrezept. Was dies verhindert ist oftmals eine Sehnsucht aus Kindertagen nach Verschmelzung und Sicherheit. Ein kleines Kind, dessen Grundbedürfnis nach Nähe nicht gestillt ist, rennt unermüdlich umher und tut alles dafür, diese Nähe zu bekommen. Ein in seiner Sehnsucht gestilltes Kind kann sich seelenruhig dem Abenteuer Leben zuwenden.... Es spielt, bastelt, bestaunt....Menschen sind von Natur aus extrem neugierig und wollen die Welt kennenlernen...Was manche davon abhält ist diese Sehnsucht nach Nähe...Und dass sie durch Beziehungssucht nie gestillt werden kann, zeigt dass die Unsicherheit und Fixierung bleibt. Wie bei jeder Sucht stillt sie die Bedürfnisse nur kurzfristig. Darum bleibt dir langfristig nichts anderes übrig, als das Thema anzugehen und du scheinst ja dabei zu sein.

20.05.2015 14:49 • x 4 #4


Emma14

Emma14


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Verliebtheit tut nicht nur gut, sondern kann richtig krank machen. Ich erlebe es immer ähnlich wie du, allerdings nicht so krass. Insofern ist es nicht so ungewöhnlich wie du meinst. Vielleicht kannst du dich dahin bringen, dich auf das nächste Wiedersehen zu freuen. Das wäre deine Aufgabe.

20.05.2015 14:52 • #5


PingPong


Zitat:
Verliebtheit tut nicht nur gut, sondern kann richtig krank machen. Ich erlebe es immer ähnlich wie du, allerdings nicht so krass. Insofern ist es nicht so ungewöhnlich wie du meinst.


Nein Emma, dieses Leiden gehört definitiv nicht zur Liebe. Schon gar nicht wenn die Beziehung schon länger anhält. Da nimmt die Verknalltheit meistens ab und man kann sich wieder mehr auf seine Sachen konzentrieren. Dieser unsichere Fieberzustand am Beginn einer Beziehung ist normal aber nicht wenn es anhält und wer das immer und immer wieder erlebt, der wechselt vielleicht zu oft die Partner. Eine gute Partnerschaft hält- auch wenn die Schmetterlinge verfliegen. Beziehungssucht kann sich auch in Form von Schmetterlingssucht manifestieren.

20.05.2015 15:04 • x 1 #6


Harvey


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Ich tue wirklich viel für sie. Ich umsorge sie regelrecht. Sie ist es auch gar nicht gewohnt, dass jemand so lieb und nett zu ihr ist, sich um sie richtig bemüht und es ernst mit ihr meint.
Ich habe damals nach der Trennung auch wirklich sehr viel für mich gemacht. Es hat zwar einige Monate gedauert, aber es klappte. Ich habe mein Leben komplett neugeordnet, in eine andere Stadt gezogen, einen guten Job gefunden, nebenher ein Studium begonnen (hab noch zwei Semester, Motivation aber bei null). Mir ging es wirklich richtig gut! Ich habe dann gedacht, dass ich mich doch mal wieder auf Frauen einlassen sollte, eine Beziehung würde jetzt in mein Leben passen. Tja, jetzt steh ich da, mir geht es wieder sehr sehr schlecht. Ich lasse alles hängen. Ich versuche mich schon zu Dingen zu zwingen, besonders beim Essen, aber es geht einfach nicht. Ich denke den ganzen Tag an sie.
Ich versuche mich auf das nächste Treffen zu freuen, aber in mir ist noch die Angst, dass ich sie vielleicht doch nicht wieder sehe. Dass es vielleicht vorbei ist, weil sie heute auch sehr wenig schreibt. Ich habe wirklich keine Ahnung, was in meinem Kopf passiert. Das geht so nicht, ich sehe das voll ein.

20.05.2015 15:08 • #7


PingPong


....Therapie...Was willst du sonst tun?
Du leidest ja extrem. Das muss nicht sein.
Und ich glaube dir nicht dass du 5 Jahre Single warst

20.05.2015 15:11 • x 1 #8


Harvey


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Ich weiß es einfach nicht... Ich möchte sehr gerne eine Beziehung zu ihr, aber ich denke auch, dass meine Probleme sehr ungesund für die Beziehung werden können. Ja, ich leide wirklich sehr, ich bin aber völlig machtlos gegen meine Gefühle.
Naja, eine ernsthafte Beziehung habe ich in den 5 Jahren nicht zu Frauen geführt. Ich habe keine an mich herangelassen. Das waren auch nur solche Affären, wo es nur ums eine ging, was auch von Beginn an so abgemacht war. Ich habe die Sachen dann immer beendet, weil mir das zu viel wurde. Es waren 3 Affären und einige One night Stands.

20.05.2015 15:16 • #9


PingPong


Du hast ja schon vieles ausprobiert aber dein Zustand ändert sich nicht also sehe ich keinen anderen Weg als Threapie. Wär doch schön...ein Leben ohne Tabletten und diese schrecklichen Gefühle!
Zitat:
Sie ist es auch gar nicht gewohnt, dass jemand so lieb und nett zu ihr ist, sich um sie richtig bemüht und es ernst mit ihr meint.

Das gibt dir natürlich erstmal große Wichtigkeit...aber es ist kein gutes Zeichen. Eine Frau, die es nicht kennt gut behandelt zu werden...Besser wäre eine gesunde Frau. Auf Dauer werdet ihr euch mit eurer Bedürftigkeit auf die Nerven fallen und einer von beiden wird auf Distanz gehen...

20.05.2015 15:21 • #10


Alena-52


Zitat von Harvey:
Ich bin mittlerweile der Auffassung, dass ich unter einer Beziehungssucht leide.

Der Auslöser dafür konnte mein Elternhaus sein.
Ich war sehr oft alleine, lebte unter Alk. und Gewalt.
So etwas wie Bindung kannte ich nicht.

In meinem Leben habe ich sonst niemanden der mir richtig nahe steht.
Auch sonst bin ich jemand, der sehr viele Dinge alleine macht.

hallo Harvey

verliebtheit kann sich nur "krank" anfühlen wenn wir selbst beziehungs- bindungsgestört sind. anders kommt sie uns wie ein rausch vor und beflügelt uns, uns fehlt dabei die bodenständigkeit weil unsere hormone verrückt spielen.

meiner ansicht nach sind deine verlustängste das resultat deiner elternbeziehung, das gefühl ständig mit allem allein und verlassen zu sein kennst du ja schon von frühster kindheit, jetzt projizierst du frühste erfahrungen auf deine eigenen beziehungen.

du suchst wahrscheinlich jemanden der dich aus deiner einsamkeit retten soll und "(ge)brauchst" jemanden dafür, das ist nicht gut weil du dann abhängig bist vom wohlwollen anderer und wenn sie nicht in deiner nähe sind erstarrst du innernlich vor (alt bekannter) angst.

keiner hat dir vorgelebt wie beziehung überhaupt funktioniert,
stattdessen gab es gewalt und missachtung und vernachlässigung wegen der alk-probleme eines elternteils.

um das nicht noch mal zu erleben flüchtest du dich in die einsamkeit und jetzt hat es dich erwischt und deine verdrängten gefühle holen dich wieder ein.

wenn es so schlimm ist, dass du dann nicht mal mehr arbeiten gehen kannst, würde ich dir dringend eine therapie empfehlen, sonst riskierst du deinen job und irgendwann auch deine beziehung weil dein klammerndes verhalten die luft zum atmen nehmen kann.

alles gute!

20.05.2015 15:22 • x 1 #11


Harvey


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Ohja, ohne Tabletten wäre wirklich was. Und eine ausgeglichene Gefühlslage sowieso.
Kann natürlich sein, dass ich ein bisschen zu krass bin, was die gute Behandlung angeht. Sie ist damit jedenfalls komplett überfordert und versucht sich darauf einzulassen, sagt sie.
Ich komm so gut mit ihr zurecht, unkompliziert und umgänglich. Ich mag sie richtig. Ich habe sowas schon lange nicht mehr empfunden.
@Alena-52
Diese Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Mir sind die möglichen Ursachen bekannt. Ich habe immer gehofft, dass ich es alleine lösen kann, wenn ich ein geordnetes Leben führe. Mich holt aber im Moment alles wieder ein. Ich bekomm auf der Arbeit einfach gar nichts geleistet. Ich werde ja auch schon angesprochen, was mit mir los sei. Ich wirke so bedrückt und zurückgezogen. Ich merke das ja alles selber...

20.05.2015 15:29 • #12


Emma14

Emma14


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@ pingpong und alle:
Das was ich geschrieben habe, deckt sich mit den Forschungsergebnissen der Neurophysiologie. Danach führt die Verliebtheit - und darum geht es hier ja wenn die Geschichte erst 5 Wochen läuft - zu einer Störung des Hirnstoffwechsels mit ähnlichen Auswirkungen wie bei einer Depression. Daher auch z.B. die Schlaflosigkeit, die Gewichtsabnahme, das sich nicht Aufraffen-Können usw. Mit Liebe ist das natürlich nicht zu verwechseln.

20.05.2015 15:34 • x 2 #13


Harvey


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Ich fühle mich auch sehr depressiv. Das ist das gleiche Gefühl, wie es damals angefangen hat. Ich bin zu nichts in der Lage, nur wenn die Frau in meiner Nähe ist. Hinzu kommt heute noch, dass sie sehr ruhig ist... Das ist richtig schlimm. Die reinste Qual.
Ich habe jetzt 16 Therapeuten in meiner Stadt angeschrieben.

20.05.2015 16:36 • #14


Alena-52


Zitat von Harvey:
@Alena-52
Diese Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Mir sind die möglichen Ursachen bekannt.

Ich habe immer gehofft, dass ich es alleine lösen kann, wenn ich ein geordnetes Leben führe.

Mich holt aber im Moment alles wieder ein. Ich bekomm auf der Arbeit einfach gar nichts geleistet. Ich werde ja auch schon angesprochen, was mit mir los sei. Ich wirke so bedrückt und zurückgezogen. Ich merke das ja alles selber...
hallo harvey

ich finde es richtig, dass du dir jetzt therapeutische hilfe suchst.
weil du mit deinen ängsten und sorgen schon früh alleingelassen wurdest, fehlt dir jetzt die selbstregulation - du konntest hirnmäßig keine verknüpfungen herstellen, die dann den stress-ausgleich erschaffen und das kannst du in der therapie lernen - anders umzugehen mit deinen ängsten. als kind warst du damit überfordert aber jetzt hast du die chance diese alten ängste anders zu bewältigen.

tue alles, was dir sicherheit vermitteln kann, kümmere dich gut um dich und gehe verständnisvoll und fürsorglich mit dir um. du musst das jetzt nachholen was früh versäumt wurde. spreche dir selbst mut und trost zu und mache dir immer wieder bewusst, du bist in sicherheit :
angst ist nur ein gefühl und eine illusion.
es hilft bei sich selbst zu bleiben, gefühle zuzulassen, sie annehmen.
nur wer nicht bei sich selbst, sondern beim anderen ist, kann sich allein fühlen.

alles gute!

20.05.2015 16:58 • x 1 #15




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