Ich bins schon wieder. Ich muss mich einfach mitteilen, früher habe ich ihm jeden zweiten Tag berichtet, nun fehlt mir das unsäglich.
Heute abend war ich aus mit einem Bekannten, einem guten Freund, den ich bei der Arbeit kennengelernt habe. Wir hatten festgestellt, dass wir genau die selben Filme eines bestimmten, aber nicht sehr populären Genres mögen und gehen öfters miteinander ins Kino.
Heute abend war das Kino ausgebucht und wir waren Essen, ich war ihm einfach dankbar für seine Anwesenheit und die Ablenkung.
Heute abend sah ich richtig gut aus. Ich bin eigentlich sehr kritisch mit mir, aber heute abend stimmte alles.
Umso trauriger war ich; denn schön wollte ich eigentlich immer nur für M. sein. Ich habe ein sehr schönes Coctailkleid, das er noch nie an mir gesehen hat. Ich hatte mir vorgenommen, es irgendwann bei passender Gelegenheit für ihn zu tragen, die natürlich niemals kam, wie auch, wir sahen uns ja fast nur in Hotelzimmern
Ich bin früh nach Hause aufgebrochen und dann wurde es richtig schlimm, auf der Rückfahrt bekam ich einen Panikanfall mit den Gedanken, dass ich das nicht mehr aushalte und hätte am liebsten einfach Gas gegeben und die Augen zugemacht.
Natürlich würde ich so etwas nie tun, das anderen schaden würde. Aber der Impuls war da.
Ich sehe immer seine Frau. Sie ist ebenfalls Akademikerin, hochgebildet und erfolgreich, eine Powerfrau, voller Lebenslust und Energie.
Ich fühle mich so dermaßen erbärmlich, als hätte mir jemand alle Kraft aus den Knochen gezogen.
Diese beiden sind ein Team und geben sich gegenseitig Kraft, sie sind gemeinsam desahlb unschlagbar, machen ihr Ding und genießen ihr Leben.
Ich dagegen habe vor 20 Jahren eine gravierende Fehlentscheidung getroffen, die ausschließlich gefühlmäßig begründet war. Alle hatten mir abgeraten. Die Heirat mit meinem Mann war der absolute Fehler in meinem Leben. Möglicherweise wäre ich jetzt in einer ganz anderen Position. Mein Verstand rief wohl warnend im hintergrund, aber auch mein Mann hatte etwas unwiderstehliches, undefinierbares, dem ich unterlegen bin, genau wie jetzt er.
Mein Verstand war machtlos, mein Stolz ebenfalls.
Ich habe das Gefühl, mein ganzes Leben suche ich jemanden, an den ich mich schmiegen und andocken kann und ich finde niemanden.
Jetzt werden sie auf dem Rückflug sein oder sind schon angekommen. Ich werde diese Bilder und Gedanken einfach nicht los. Das wird nochmal eine schlimme Nacht.
Morgen habe ich eine Absage einer Freundin erhalten, sie ist erkältet, also stehe ich morgen ganz alleine da. Ich habe zwar genug Arbeit, aber auch genug schlimme Gedanken.
Allen da draußen eine gute nacht.