Zinnia
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zu erst möchte ich sagen, dass wir beide seit unserer Jugend psychisch schwer krank sind und dass die Diagnosen von uns, nicht aus der Abteilung Küchenpsychologie stammt.
Zurzeit wird ja jeder, der leichte Züge verschiedener Persönlichkeitsstörungen aufweist (was völlig „normal“ ist, im Sinne von nicht klinisch relevant) als krank abgestempelt.
Ich würde mich gerne über meine Erfahrungen mit einem verdeckten Narzissten austauschen und erstmal erzählen, wie alles abgelaufen ist zwischen uns. Bitte beachtet beim Lesen, dass es evtl. triggern kann und wir beide durch unsere Erkrankung evtl. andere Sichtweisen als „Normale“ aufweisen und Normalität für uns anders aussieht als bei Gesunden.
So… dann fange ich mal an (als Hinweis zum Verständnis: mit „ihn“ meine ich natürlich meinen Expartner).
Ich bin mittlerweile 24 Jahre alt (mein Ex genauso), seit meinem 16. Lebensjahr psychisch schwer krank und konstant in ambulanter psychiatrischer Behandlung. Zwischenzeitlich war ich, mehr oder weniger freiwillig, mit 16 Jahren für 1 Monat auf der geschlossenen Station der Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Da habe ich ihn zum ersten Mal gesehen und kurz kennengelernt, aber mehr war da auch nicht außer dass wir zusammen auf der Station festsaßen. Nach meiner Entlassung von der Klinik hatte ich durch eine Whatsappgruppe Kontakt zu anderen Mitpatienten, die auch dort länger drinsaßen als ein paar Tage.
Danach passierte erstmal nichts zwischen ihn und mir, wir kannten uns nur sporadisch vom Krankenhaus. Ich habe ca. 2 Jahre später (als ich 17/18 war) durch die Whatsappgruppe erfahren, dass er sich versucht hat zu erhängen und es schief gelaufen ist. Da ich zu der Zeit extrem an meinen Depressionen litt und mir weder Therapie, noch gängige Medikamente, halfen und ich auf der Suche nach einer sicheren, möglichst schmerzlosen Suizidmethode war, habe ich mich entschlossen, ihn persönlich über Whatsapp anzuschreiben und erstmal langsam ein Gespräch aufzubauen, um einschätzen zu können, ob er mir Tipps gibt oder evtl. sogar verpfeift bei der Polizei.
Soweit so gut. wir schreiben miteinander über das Thema und er hat mir angeboten, mir dabei zu helfen mich umzubringen. Wir haben ein Treffen ausgemacht und er hat mich beim Einkaufen der benötigten Materialien im Baumarkt begleitet und Tipps gegeben, damit nichts schiefgeht wie bei ihm.
Danach habe ich mit ihm zusammen die Tüten mit den Materialien im Wald in meiner Wohnnähe versteckt, da ich nicht wollte, dass es meine Eltern damals vorzeitig finden, da sie sehr kontrollierend waren. Am gleichen Abend nach dem Treffen haben wir uns noch per Whatsapp über meine Bedenken unterhalten. Ich war zwiegespalten, ob ich es wirklich durchziehen sollte, da ich diesen Schmerz meinen Eltern nicht antun wollte. Er meinte daraufhin, dass es zwar erstmal natürlich schlimm für sie sein würde, aber nach ein paar Monaten würden die schon damit klarkommen. Genau das wollte ich hören - mein Gewissen beruhigen.
Am nächsten Tag bin ich morgens auf dem Weg in den Wald zu den Tüten als ich bemerke, dass jmd. die Tüten über Nacht geklaut hat, obwohl die 2/3 Meter hoch auf einem Baumast einigermaßen versteckt waren. Das hat mich sehr gewundert und meine ganze Planung außer Bahn geworfen, sodass ich überlegte, ob ich spontan mich anders umbringe oder einfach wieder nachhause gehe. Ich bin letzendlich nachhause gegangen und habe ihn wieder angeschrieben und ihm erzählt was passiert sei. Er hat mit daraufhin gebeichtet (obwohl er zu derzeit in einer Beziehung war), dass er sich in mich verliebt hat und ich mich doch nicht umbringen soll und dass meine Eltern damit nie klarkommen würden und er das nur gesagt hat, weil ich das hören wollte und dass es gelogen war. Er meinte, dass er mit seiner jetzigen Freundin Schluss machen würde, um mit mir zusammen zu sein. Damals waren wie beide 17/18. Ich bin von Natur aus sehr introvertiert und hatte keine Erfahrungen in Liebesbeziehungen, da ich kein Interesse an diesem Thema hatte und dachte, ich wäre evtl. asexuell. Zudem war ich zu dieser Zeit an einem Tiefpunkt meiner Depressionen, sodass ich größeres Interesse an Selbstmordmethoden als an sozialen Kontakten hatte und daher abgelehnt habe. Für mich war es sowieso auch komisch, wieso er überhaupt mit seiner Freundin zusammen war, wenn er sie nicht wirklich liebt und sie einfach so austauschen würde nach einem Treffen und etwas Onlinekontakt (Whatsappnachrichten) mit mir.
Danach gab es mehrere Jahre Funkstille, er hatte mehrere Beziehungen in dieser Zeit, ich habe versucht von Tag zu Tag zu (über)leben mit meiner Krankheit
Als ich 22 war, war ich an einem Tiefpunkt meines ganzen Lebens. Ich habe eine pharmazeutische Ausbildung absolviert und in Apotheken gearbeitet. Leider hatte ich dadurch Zugriff zu Medikamenten und BTMs, die ich genommen habe, um mich vom Suizid abzuhalten und im Alltag irgendwie zu „funktionieren“. Das flieg natürlich irgendwann auf, ich wurde fristlos gekündigt und wurde natürlich angezeigt.
So - nun stand ich da. Auf der Wiese mit meinem Hund und meinem Handy in der Hand. Durch meine Krankheit hatte ich keine Lust auf soziale Kontakte, also keine Freunde oder sonst jmd., den ich hätte vertrauen können. Ich weiß nicht wieso, aber ich habe ihn nach all den Jahren auf Whatsapp angeschrieben mit der Nachricht „[Name]?“ und danach nahm alles seinen Lauf und es entwickelte sich nach einigen Wochen meine erste Beziehung überhaupt.
Wie es während meiner Beziehung war, schreibe ich morgen im zweiten Teil dann weiter. Ich bin zu müde und gehe erstmal schlafen.
Gerne würde ich von euren Erfahrungen hören, in denen Persönlichkeitsstörungen und andere schwerwiegende psychische Erkrankungen in der Partnerschaft eine bedeutende Rolle spielten.
Ich möchte auch schon jetzt erwähnen, dass es meiner Erfahrung nach, nicht um Schuld/Nicht-Schuld geht beim Zusammenbruch solcher Beziehungen. Wir waren beide mündige Menschen und wussten von Anfang von unseren Problemen und Erkrankungen Bescheid. Ich weiß, dass es im ersten Moment der Seele gut tut, dem Partner die Schuld für die Trennung geben zu können, damit man sich nicht mit sich selbst und seinem Anteil dazu befassen muss. Es ist sehr verlockend im Schockzustand der Trauer in den ersten Tagen, aber zu einer Beziehung gehören immer zwei Menschen dazu.
Ich wünsche euch allen einen schönen Abend. Gute Nacht!😴💤🌙