Liebe @tonja
Dein Verständnis tut mir gerade unendlich gut. Danke dafür! Und ja, ich hab auch schonmal gedacht, dass er sich vielleicht in Konkurrenz zu meinem Kind sieht, aber dachte, das ist doch völliger Unsinn. Das sind zwei komplett verschiedene Paar Schuhe, wie Gummistiefel und Pumps. Aber vielleicht ist da was dran. Er sagt zwar immer, dass er das ja weiß, mich nur so kennt, dass es in Ordnung ist, dass er verstehen kann, wenn ich weg muss. Aber im Streit heißt es dann immer: ich mache sooooviele Abstriche für Dich, schränke mich ein, ich wünschte manchmal es wäre anders. Ich hab mich schon gefragt, ob er eine Vorstellung davon hat, wieviele Abstriche ich mache? Vermutlich keine, ich reite darauf aber nicht rum. Ich akzeptiere die Situation, wie sie ist und mache das Beste draus. Manchmal könnte ich Kotzen bei dem Spagat den ich gelegentlich vollführe, weil ich egal, in welche Richtung ich mich bewege, ein schlechtes Gewissen bekomme. Ich bringe mein Kind abends zum Übernachten zur Freundin, fahre umgehend zu ihm, bleibe über Nacht. Oder Kind bleibt bei Omi. Irgendwann muss ich halt auch mal wieder nach Hause. In den letzten Wochen, seitdem er an Veränderung in seinem Leben arbeitet, fragte er dann schonmal, ob wir noch in die Stadt wollen, was bummeln, er bräuchte noch dies und das. Natürlich würde ich gerne mit ihm gehen, aber zuhause vermisst mich auch jemand. Das sage ich auch, er sagt, ja ich weiß ja. Da denke ich mir dann: wieso machst Du es mir dann so schwer?
Ich bin monatelang abends zu ihm, morgens dann 60km zu mir nach Hause, Kind für die Schule fertig gemacht um Oma nicht zu sehr zu beanspruchen, Kind in Schulbus einsteigen lassen und wieder 50km zur Arbeit, die fast wieder bei ihm zuhause liegt. Nach der Arbeit zurück, Kind von der Schule geholt, Hausaufgaben, Wäsche, Küche, Katze, Staubsauger, Bad.
Er hatte immer ein schlechtes Gewissen, dass ich dann morgens so früh raus musste und soviel rumgefahren bin. Ich habe das alles freiwillig und gern gemacht. Ich habe die Autofahrten dann sinnvoll genutzt, hatte dort Zeit für mich und Ruhe, konnte nachdenken, mein Puffer. Ich war glücklich etwas Zeit mit ihm zu haben, aber auch meiner Verantwortung nachzukommen. Ich habe immer Kompromisse für uns erdacht, Lösungen gesucht, Tagesplanungen organisiert. Ich komme dann und dann zu Dir, dann fahren wir zur Massa., dann in die Stadt was Essen und dann noch für die Feier mit Freunden einkaufen. Mir macht es nichts aus, und wenn ich ihm damit etwas Last abnehmen konnte, umso schöner für alle. Ich organisiere die Urlaube, die meisten anderen Aktivitäten ebenfalls. Bis vor einigen Wochenenden hat er am Wochenende bis zwölf oder eins geschlafen, dann haben wir gefrühstückt und dann war es meist schon zu spät um noch irgendwas zu machen je nach Jahreszeit. Das macht er so mittlerweile nicht mehr, allerdings bin ich es immer noch gewohnt, ihn am Wochenende erst ab Mittag zu kontaktieren, weil es Jahre lang so war

Ich könnte vermutlich ewig weiter machen

Ich hab mich nur gefragt, wann das alles unsichtbar geworden ist und ob sich bei mir ebenfalls eine Betriebsblindheit eingeschlichen hat.
Er fand den Vorschlag miteinander zu reden übrigens gut und hat auch angeboten, dass wir uns dann irgendwo in der Mitte treffen. Wir haben uns für morgen verabredet. Die eingeschränkte Mom hat sogar spontan Zeit...

Spaß bei Seite, eigentlich habe ich ein sehr mulmiges Gefühl. Ich rechne irgendwie damit, dass er nach den paar kontaktlosen Tagen nur noch das schlechte an mir sieht und froh ist, wenn er mich endlich los ist. Bescheuerter Kopf...