Ambivalencia
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Ich schütte euch mal mein Herz aus und vielleicht könnt ihr mir weiter helfen...
Ich bin mit meinem Mann seit über 20 Jahren zusammen und seit 17 Jahren verheiratet. 2 Teenager, Haus & Hund vervollständigen das Bild. Er ist ein sehr erfolgreicher Manager und ich Mutter & Hausfrau.
Vor 3 Jahren begann es in unserer Ehe zu kriseln: die Kinder wurden flügge, mein Mann hatte Stress im Job und brachte ihn mit nach Hause durch schlechte Laune, schnelles Ausrasten, machte Stress bei den Kindern wegen Schule und Noten und ich und alles was ich hier mache, wurde nebensächlich.
Ich wachte aus meinem 'Mutter-Dornröschen-Schlaf' auf und wurde plötzlich selbstbewusster und wollte mehr vom Leben. Im Schlafzimmer war nie viel gutes los, es war langweilig, aber ich wusste es auch nicht besser.
Dann habe ich mich auf eine Affäre eingelassen, er viel jünger als ich, und wir und total ineinander verliebt. Wir beide dachten unsere Ehepartner zu lieben, aber was da mit ums passierte, war für uns beide eine vollkommen neue Welt. Ich konnte mich selbst geben wie ich bin, ohne ständig untergebuttert zu werden, wurde wegen meiner selbst geliebt, mit all meinen Fehlern und Speckröllchen und hatte den S. meines Lebens, wie das wohl so oft bei Affären ist.
Die Affäre ging einige Monate lang, gab AM und mir Kraft, wir schrieben uns täglich und sahen uns wann immer möglich. Er gab mir genau das was in meiner Ehe fehlte: Zuwendung, Zärtlichkeit, Seelenverwandtschaft, S. und den ersten wirklichen O.rgasmus. So habe ich mich nie in der Anfangsphase mit meinem Mann gefühlt.
Mein Mann fragte mich eines Tages am Telefon und ich bejahte, dass es noch einen anderen neben ihm gab. Bevor ich eine Möglichkeit hatte, es ihm selbst zu erklären, hatte mich meine beste Freundin (damals zumindest) verpfiffen und komplett vor meinem Mann ausgepackt. - Ich war im Ausland und konnte erst tags darauf zurückkommen.
Stundenlange Gespräche mit meinem Mann folgten. Ich reumütig und erstmals erkannte (ja ja, ich weiss...- ich wusste worauf ich mich einliess aber wenn der Moment dann kommt...), was ich alles auf's Spiel gesetzt hatte. Das ging einige Wochen gut bevor ich wieder rückfällig wurde umd wieder begann AM zu schreiben. AM und ich konnten einfach nicht anders, wir hatten uns so vermisst.
Mittlerweile ist die Affäre komplett beendet. Mein Mann möchte mich zurück und ich gerne mein behütetes Leben, Familie etc. ABER: ich liebe meinen Mann als den Vater meiner Kinder und denjenigen, mit dem ich mein halbes Leben verbracht habe. Mir fehlt das Gefühl, das ich mit AM hatte, auch wenn es beendet ist (ich natürlich hoffe, es aber auch besser weiss). Ich will meinen Mann nicht mehr küssen oder mehr. Möchte mit ihm nicht meine Phantasien oder Gefühle besprechen. Wir verstehen uns sehr gut als Freunde - zumindest meinerseits. Er liebt und begehrt mich. Aber er war auch immer dominant und kontrollierend. Und ich bin mittlerweile eine andere geworden.
Mich hält die Verantwortung und das gute Leben, insgeheim möchte ich neues erleben, neue Menschen kennenlernen (meine 'Freundin' ist heute natürlich keine mehr und in diesem kleinen Dorf gehe ich ein), einfach leben!, sein wie ich bin, meine eigene Wohnung in einer Großstadt...
NUR: ich habe Angst. Angst vor der Einsamkeit, keinen Job zu bekommen (17 Jahre raus, nur Absagen, etc...), zu erkennen dass doch alles ein Fehler war, aber es kein Zurück gibt.
Tief im Herzen weiss ich, dass ich meinen Mann loslassen muss. Es ist nicht fair festzuhalten, wennerwas nicht mehr stimmt. Andererseits war es vor unserer Krise und meiner Affäre wie jetzt und ich denke 'das war dich damals gut genug'. Nur jetzt weiss ich was auch möglich ist, was man für Gefühle haben kann, wie komplett man sich mit einem Menschen fühlen kann...
Meine Frage an euch - und danke für's Lesen bis hierhin - wie kann ich den Mut finden zu tun, was richtig wäre, ohne zu wissen ob es das auch ist? Was soll ich tun? Kopf ducken, 'es' über mich ergehen lassen und 3 Menschen sind glücklich, nur ich nicht ganz? Ich jammere auf hohem Niveau, ich weiss.
Andererseits ist noch so viel Leben in mir und ich habe AM wahrhaftig geliebt. Ich kann ihn nicht vergessen... Egoistisch meinen Weg alleine gehen?
