balkonkasten
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ich kämpfe aktuell schlimm mit mir selbst, und vielleicht hat jemand ja einen Rat für mich.
Ich bin mit meinem Partner seit fast 2 Jahren zusammen. Wir sind vermutlich beide HSP. Es ist eine Fernbeziehung, wir sehen uns regelmäßig. Ich hatte vor ihm Beziehungen, aber niemals war ich so verliebt wie in ihn. Ich finde ihn toll. Leider liegt mir das Herz nicht so auf der Zunge. Schon früh sagte er mir, wie wichtig ihm Kommunikation sei, dass man miteinander redet. Ich fing an, an mir zu arbeiten. Also z.B. nicht nur zu denken: ich find ihn toll. Sondern es ihm zu sagen. Für mich ist das neues Terrain, und ich tastete mich vor. Mein Herz hüpfte, als er mich mal "mein Schatz" nannte. Oder mir sagte, dass er mich liebt. Und ich genoss es, das ebenfalls laut auszusprechen. Zum ersten Mal in meinem Leben.
Dann hat uns ein schwerer Schicksalsschlag getroffen. Jeden von uns auf eigene Art. Er war bedingunglos für mich da. Trotz aller Trauer war ich glücklich, dass wir zusammenhalten, uns aufeinander verlassen können. Ich sagte ihm das auch. Er konnte es nicht annehmen. Schlimmer noch: er sah es völlig anders, fühlte sich nicht gesehen, überfordert, er sei über seine Grenzen gegangen, müsse eine Weile allein sein. Ich hab nie so wirklich verstanden, was ich hätte anders machen sollen, was seine Erwarungshaltung war. Wir hatten sehr unterschiedliche Bedürfnisse, versuchten, einen Weg zu finden. Ich war entsetzt, dass ich offenbar nicht bemerkt hatte, wie anders er das alles sieht. Er sagte, er könne "das alles nicht mehr", es blieb aber offen, ob er die Beziehung meinte oder die Situation. Es war eine sehr schwierige Zeit.
Für mich ist es nicht leichter geworden. Seit diesem Schicksalsschlag hat sich sehr vieles verändert, auch sein Verhalten mir gegenüber. Er sagt so gut wie nicht mehr, dass er mich liebt. Er ist in Sachen Sex sehr zurückhaltend – wenn es dazu kommt, ist es wunderbar, aber halt viel seltener. Er, der Kommunikation so betont hatte, kommuniziert seine Gefühle überhaupt nicht mehr, er wirkt distanziert. Er ist gestresst und erschöpft, die Ärzte diagnostizieren ihm eine Depression (oder depressive Episode), das weist er von sich. Er hat nie gesagt, dass er sich trennen will.
Mein Kopf kommt aber nicht klar damit, dass wir die Sache so unterschiedlich wahrgenommen haben. Also scanne ich sein Verhalten, Verhaltensabweichungen; versuche, über viele Kilometer hinweg sein emotionales "Wetter" zu ergründen. Ich will keinesfalls wieder etwas sagen oder tun, was ihn verletzt. Wir hatten uns darauf geeinigt, dass er mir sofort sagen soll, wenn ihn etwas stört, aber das tut er nicht - er sagt, das würde sowieso nichts bringen. Ich bin wie vor den Kopf gestoßen. Ich war nie "kontrollsüchtig" in meinen Beziehungen, jetzt nehme ich wahr, dass er meine Nachrichten zwar gelesen hat, aber nicht antwortet - hat das was zu bedeuten? Dass er plötzlich deutlich weniger liebevolle Emojis schickt als früher - liebt er mich nicht mehr? Dass er online ist, aber meine Nachrichten nicht liest - schreibt er mit anderen? Plötzlich habe ich den Drang, mich der Beziehung zu versichern, das kenne ich so gar nicht von mir - es sind so viele Ebenen gleichzeitig betroffen, wenn es nur eine wäre, wäre es mir leichter damit umzugehen. Ich verstehe nicht, wie wir so falsch abbiegen konnten. Es fühlt sich immer so an, als wären wir nur ein klärendes Gespräch, ein reinigendes Gewitter von einer Lösung entfernt. Aber Beziehungsgespräche möchte er nicht führen. Er fasst generell vieles sehr schnell als vernichtende Kritik auf, interpretiert seinerseits Dinge hinein, die ich nie gesagt (und schlimmer noch: nie gedacht) habe. Ich hab so viel gelesen zu gewaltfreier Kommunikation, Ich-Aussagen und so weiter. Aber in seiner Wahrnehmung scheint das keinen Unterschied zu machen.
Er quält sich, und es tut mir in der Seele weh, das zu sehen. Mit meinem verlustängstlichen Verhalten mache ich alles noch schlimmer. Habt ihr einen Rat für mich, wie ich da rauskomme? Ich habe durchaus ein eigenes Leben, Hobbies usw., das ist nicht der Punkt. Aber ich möchte, dass er - weiterhin - ein Teil davon ist.
Traurige Grüße.