Zitat von Emma75:ch kannte weder meinen Musikgeschmack. noch wusste ich was ich gerne esse oder was mir wirklich Freude macht. Meinen Kindern gegenüber war ich zwar liebevoll, aber auch irgendwie unterwürfig, total verwöhnend, weil ich ihm glaubte, dass ich als Mutter eine Totalversagerin bin - genau wie in sonst allem.
Ich denke, wenn man sich von Komplimenten und der Wertschätzung von anderen Menschen abhängig macht, stimmt von vornherein etwas mit dem Selbstwertgefühl nicht. Man ist zwar erfolgreich und tüchtig, aber glaubt im Grund genommen doch nicht an sich. Auch das sind erlernte Mechanismen. Meine Mutter pflegte auch ihre Minderwertigkeitskomplexe und selbst wenn man ihr gut zuredete, so änderte das doch nichts an ihrer schlechten Einstellung zu sich selbst.
Da sie zudem auch immer gerne an mir rumkritisierte und mich oft genug abwertete, übernahm ich das für mich selbst. Zwar war ich durchaus gut in der Schule und das freute mich auch, aber inwendig hatte ich immer wieder Gedanken: wie, die und die ist viel besser als Du, die begreifen mehr, die schreiben bessere Noten. Du müsstest so und so sein, dann ...
Genau dieses, "Du müsstest so und so sein..." ist geradezu symptomatisch. Zwar sieht man seinen Erfolg, aber man glaubt doch nicht an sich. Und wenn dann mal Andere sagen "ist ja toll, wie dies und jenes gemacht hast", dann dachte ich mir noch, die sagen das nur so oder sie wollen mich womöglich verarschen.
Man steht sich permanent selbst im Weg und leistet immer mehr, eben weil man von der eigenen Unzulänglichkeit zutiefst überzeugt ist. Eigentlich logisch, das passt zusammen. Du müsstest besser sein und dies und jenes schaffen, dann - also wird man besser und strengt sich noch mehr an. Aber es reicht eben doch nie, denn egal was immer ich tat, so war ich doch davon überzeugt, nicht gut genug zu sein.
Das kann sich dann durch sämtliche Lebensbereiche ziehen.Aber darauf muss man erst mal kommen, dass es erlaubt ist, stolz auf sich zu sein und sich selbst zu loben.
Zitat von Emma75:Heute weiß ich, dass er im Grunde ein kleiner Wicht ist, der sich mit einer attraktiven, erfolgreichen Frau aufwerten und von ihr versorgen lassen wollte - wenn er mich auch nur annähernd freundlich behandelt hätte, hätte er das wahrscheinlich auch haben können. Und ich Depp dachte, die Welt hinge von ihm ab!
Er hat es problemlos geschafft, Dich für seine inneren Absichten einzuspannen. Anfangs gibt es noch Lob, dann zunehmend weniger und wenn er dann sieht, dass Du Erfolge hast, wird er neidisch. Denn er sieht an sich, dass er nicht mithalten kann und das wiederum stellt sein Selbstbild in Frage. Die logische Konsequenz daraus ist, dass er Dich schlecht macht, Dich abwertet, um vor sich selbst bestehen zu können.
Er saugte Dich aus, profitierte von Deiner Energie und Deiner Tüchtigkeit, wurde selbst immer kleiner und arbeitete dagegen, dass er Dich in allen Lebensbereichen demontierte. Im Beruf warst Du nicht erfolgreich, sondern hattest nur das Glück eines Esels, als Mutter warst Du untauglich, als Hausfrau zu nachlässig und wer weiß, was ihm sonst noch so einfiel.
Und da Du eine zu schwache Persönlickeit hattest, hast Du Dir das auch noch einreden lassen.
Ein mieser, kleiner Wicht, der sich profilierte, indem er in seinem engsten Umkreis Personen demontieren musste.Und da er es leicht schaffte, Dich immer schlechter zu machen, glaubtest Du irgendwann selbst daran.
Es gehört schon einiges dazu, das realistisch zu sehen und sich aus einer absoluten Notlage doch noch befreien zu können.
Zitat von Emma75:ich trennte mich, und wurde dafür mit dem schlimmsten Terror bestraft, den man sich vorstellen kann!
Passt ins Bild. Du hast die Unverschämtheit gehabt, Dich von ihm zu lösen. Das musste er bestrafen, um auch nach der Trennung so was wie ein Selbstbild von sich zu bewahren. Wenn sie schon geht, dann soll sie auch darunter leiden.
Das wiederum ist oft typisch männlich. Misserfolge werden nicht verkraftet und die "Geschädigten" schrecken vor keinen Gemeinheiten zurück, um wieder etwas für das eigene Ego zu tun und das Gefühl zu haben, doch noch Macht über die Frau zu haben. Das ist sehr destruktiv.
Ich kannte mal eine Frau, die vor langen Jahren eine Kollegin von mir war und im selben Büro saß. Sie hatte so ein Bilderbuchleben. Kam von Norddeutschland in den Süden und lernte an ihrer Dienststelle einen Mann kennen. Heirat, zwei Kinder, Haus - Bilderbuch. Damals war sie noch kinderlos und sie erzählte mal voller Freude, wie viel sie und ihr Mann monatlich sparten, um sich irgendwann den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Ich wurde - logischerweise - wieder mal fast ein wenig neidisch, wie gut sie ihr Leben doch aufgestellt hatte.
Warum die Ehe irgendwann den Bach runterging, weiß ich nicht, aber ich kenne die Konsequenzen. Sie zog mit den beiden Kindern aus und einige Jahre später an einem Nachmittag marschierte der Ex-Mann, mit dem sie nichts mehr zu tun haben wollte, in ihr Büro und erschoss sie. Sie ist nun schon etliche Jahre tot. Die Kinder kamen in eine andere Stadt, denn in dieser Kleinstadt hätten sie als Kinder eines Mörders nicht bleiben können.
Er wurde mit der Trennung nicht fertig und griff zum äußersten Mittel. Sie sollte lieber sterben als ihn zu verlassen, um selbst glücklich zu werden.
Ich denke oft an sie, an ihre muntere, aufgeschlossene Art. Er nahm ihr zur Strafe alles, sogar das Leben.
Begonie