Gobby
Gast
hier ist ja wieder viel Leid und Schmerz passiert seit ich das letzte Mal, Anfang der Woche, anwesend war.
Aber die, denen ich mit meiner Geschichte ein Begriff bin, sind ja hoffentlich auch noch da.
Die Neuigkeiten: Gestern bin ich in Form einer Beziehungspause ausgezogen. Wir haben 14 Tage vereinbart.
Das soll wirklich nicht das Ende sein, aber ich habe für mich (auch für uns) beschlossen jetzt mal aus meinem
Nest, aus meiner behüteten und warmen Welt raus zu gehen. Außerdem kamen wir die ganze letzte Woche nicht aus unserer Spirale aus Gesprächen, Tränen und Kämpfen einfach nicht raus. Wir redeten stundenlang, nächtelang und versuchten gleichzeitig unseren Alltag zu leben. Man kann auf Dauer nicht vor und nach dem Abendessen reden und weinen, und zwischendurch die täglichen Aufgaben erledigen. Das ist unwirklich und belastend. Nichts war mehr echt und permanent von Gefühlen überlagert. So kamen wir nicht weiter. Mein LG hat das verstanden, aber es geht ihm hundsmiserabel. Aber er will mir diese Zeit der Selbstreflektion auch geben, auch für sich nutzen.
Er ist Zuhause im gewohnten Umfeld geblieben und ich bin in ein Hotel gegangen. Vorerst für ein paar Tage und dann werde ich in eine günstigere Unterkunft umziehen.
Ich will nicht leugnen, dass mir der erste Abend, allein in einem Hotelzimmer ohne Aussicht auf ein konkretes
Abreisedatum, leicht gefallen ist. Allerdings habe ich auch mal wieder einigermaßen schlafen können, und es ist auch sehr angenehm dort. Ein guter Ort für die ersten Eindrücke, ein Gefühl für sich zu bekommen.
Wir haben auch eine Kontaktsperre vereinbart, gesundheitliche Notfälle ausgenommen.
Ich weiß selbst nicht ob ich das durchhalten kann, aber ich sehe es in erster Linie auch als Wachstumsphase.
Ich werde versuchen nicht nachzugeben, wie es immer getan habe. Nicht aus Mitleid für ihn. Wir haben Regeln aufgestellt, und er muss jetzt endlich lernen diese auch zu respektieren. Er darf nicht mehr versuchen mir wie ein bettelndes und totunglückliches Kind seinen Willen aufzudrücken. Bisher war das so, und er hatte immer Erfolg.
Meine Aufgabe ist es, zu meinem Wort zu stehen und mich nicht aus MITLEID oder Nachsicht umstimmen zu lassen. Meine größte Schwäche ist es nämlich immer nachgegeben zu haben. Es gibt einfach Momente im Leben in denen man zu seinem Standpunkt und seiner Meinung stehen muss. Man darf nicht umfallen. Nicht aus Liebe, nicht aus Mitleid und auch nicht um einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Das ist mein größtes Manko.
Und er muss lernen, diese Dinge zu respektieren und nicht zu versuchen unterm Strich dann doch seinen Willen, seine Meinung, seinen Standpunkt durchzusetzen. Weder laut noch charmant, hinten rum durch die Brust.
Diese Zeit halte ich für uns beide als sehr wertvoll und wegweisend. Wir werden daran wachsen. Ob unser Weg dann gemeinsam weiter geht wage ich nicht abzuschätzen. Ich kann mir weder das eine noch das andere im Moment vorstellen. Ich bin jetzt auch in meiner ersten Nach noch nicht selbst näher gekommen. Ich bin noch keine 24 Stunden weg, die Phase der Reflektion über mich selbst, und auch das Vermissen oder Nichtvermissen hat noch gar nicht eingesetzt. Und ich hatte jetzt auch noch nicht das Bedürfniss auszugehen.
Ich werde sehen was heute Abend mit mir passiert, in mir vorgeht. Irgendwann wir etwas passieren.
Entweder das Gefühl von Freiheit und abgeworfenem Balast, oder tiefe Trauer und Einsamkeit, Sehnsucht und Heimweh. Eigentlich bin ich neugierig und gespannt auf die Reise zu mir selbst.
Liebe Grüße,
Gobby
