Ferelith
Mitglied
- Beiträge:
- 3
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 11
- Mitglied seit:
Letztes Jahr im Sommer habe ich einen tollen Mann kennengelernt. Wir haben uns menschlich total gut verstanden und es hat sofort geknistert zwischen uns. Ich war frisch getrennt, wollte keine Beziehung, aber eine Freundschaft+? Ha, warum nicht?
Wir hatten viel Spass zusammen, und schließlich hatten wir uns ineinander verliebt. Wir merkten, dass es was Ernstes wurde, als wir in einem Restaurant bei Essen saßen und das Paar gegenüber fragte, wie lang wir schon verheiratet wären.
Und damit begann ein ziemliches Hin- und Her. Kurz darauf hat er mir gebeichtet, dass er eine Freundin hat und ich fiel in ein ziemlich tiefes Loch. Einerseits war das ein richtig großer Schock, andererseits wär er es halt einfach gewesen. Ich hätte mir wirklich vorstellen können, mit dem Mann alt zu werden.
Nun kannte er die Freundin auch erst seit zwei Jahren, sie haben getrennte Wohnungen, sehen sich drei - vier mal in der Woche, haben noch nichts miteinander aufgebaut.
Angeblich läuft die Beziehung ohne Sex, angeblich liebt er sie nicht. Angeblich empfindet er nur Freundschaft. Angeblich möchte er auch mit mir alt werden. Angeblich ist eine Trennung von seiner Freundin sowieso unvermeidlich, nur nicht hier und heute, nicht während Corona, aber schon noch dieses Jahr. Also hab ich mir Hoffnungen gemacht, dass aus uns vielleicht doch noch was werden könnte.
Es gab allerdings auch nie wirklich die Option "sie oder ich". Ich wollte nur raus aus dieser Dreiecksgeschichte, mich wortwörtlich irgendwie aus der Affaire ziehen, aber ich habe eine ganze Weile gebraucht, mich dazu durchzuringen. Gute zwei Wochen nach dem Gespräch habe ich die Affaire beendet. Ein paar Tage später kam mit der Nachricht an, er hätte sich von der Freundin getrennt, um mich nicht zu verlieren --- jaaaa, oder aber auch nicht, weitere zwei Wochen später habe ich rausbekommen, dass er zu ihr zurück gegangen ist. Er hat mir kein Wort davon gesagt, nur später erklärt, er könne sie jetzt nicht im Stich lassen, sie täte ihm so leid, er hätte sie so gern und könne ihr das nicht antun. Und außerdem hätte ich das mit der Trennung falsch verstanden. Ich habe schön brav alles geglaubt, weiter gehofft und bald wieder gezweifelt.
Ich komme echt schwer von ihm los, weil ich ihn auch nicht loslassen will. Er wär einfach immer noch so der Mann fürs Leben für mich. Dementsprechend mach ich es ihm sehr einfach, mich mit seinen Erklärungen wieder rumzukriegen. Ich habe öfter versucht, mich zu trennen, ihm erklärt, dass ich so eine Beziehung nicht will und er mich doch bitte gehen lassen soll. Wenn es so weit ist und er von seiner Freundin getrennt, könnten wir ja weiterschauen. Er akzeptierte das aber schlicht nicht und ich war viel zu verliebt, um ihn ständig vor die Tür zu setzen. Ich stecke ihn einem Strudel, der sich immer heftiger dreht, ich weiß nicht, wie ich rauskommen soll, aber ich will auch nicht im Strudel untergehen. Und ich hab gemerkt, dass es mir mit der Situation nicht gut geht, nächtelanges Heulen im Bett und er lag daneben und hats nicht mal gemerkt.
Jetzt gabs vor zwei Wochen einen großen Knall für mich, den er allerdings nicht als solchen wahrgenommen hat. Ich habe deutlich gemerkt, dass ich keine Lust mehr auf diesen Zustand habe, ich habe ihm an den Kopf geworfen, dass ich ihm kein Wort mehr glaube, dass ich kein Vertrauen mehr habe und dass ich einfach nicht mehr will. Und ich habe mich diesmal durchgesetzt. Es ist aus, und wenn er sich jemals von seiner Freundin trennen sollte, können wir weiterschauen. Momentan herrscht Funkstille zwischen uns, die allerdings er sich gewünscht hat, weil er jetzt erstmal "darüber hinwegkommen muss, dass ich ihn verlassen habe".
Leider herrscht keine Funkstille in meinem Kopf. Ich hab das Gefühl, ich hatte noch nie solchen Liebeskummer. Es tut weh wie die Hölle und ich muss mich so zusammenreißen, die Funkstille zu halten. Ich hab Angst, dass ich etwas weggeworfen habe, dass eine große Liebe hätte werden können, und so was nie mehr wiederfinde.
Andererseits frag ich mich, will ich wirklich einen Mann, der sich eh nicht entscheiden kann? Einen, bei dem ich nicht sicher bin, ob er es ehrlich mit mir meint oder ob er mir nicht doch all den Blödsinn erzählt, den man der Geliebten halt so erzählt, wenn man in einer Dreiecksbeziehung ein bequemes Leben haben möchte?
Wenn dieser blöde Liebeskummer nur nicht wär.
