Zitat von BillePuppe:Hey Wendra,
[…]
Wollte dir einfach mitteilen: Du bist nicht alleine mit deinem grossen Problem.
Vielen lieben Dank, Bille! Es tut unendlich gut, von jemandem zu hören, der mit ähnlichen Umständen kämpft. Ich würde mich unter normalen Umständen auch als eher handfeste Person bezeichnen. Schlussstriche, in welchem Bereich auch immer, sind mir bisher nie schwergefallen und haben mir auch keine schlaflosen Nächte beschert.
Momentan kommt bei ihm noch hinzu, dass er jetzt im Januar die Quittungen für sein früheres betriebliches Nicht-Kümmern erhält (Steuern, Versicherungsbeiträge …). Der Berg wächst und ich bin nicht bereit, wieder ein paar tausend Euro zu zahlen, da es nur die Symptome seines organisatorischen Chaos lindert.
Er macht zwar immer wieder aktive Anstrengungen, etwas zu ändern, aber das geschieht erst dann, wenn die Kacke schon am Dampfen ist. Und wenn er vom "Schicksal" wieder eine Hiobsbotschaft erhält, bricht er regelrecht zusammen und das war's.
Auf seine Weise versucht er seine Unfähigkeiten wiedergutzumachen, indem er überraschend mein Auto komplett putzt, Kaminholz in meine Arbeitsklause bringt und kleinhackt, mir beim Anstreichen hilft oder für mich kocht. Auch dass er sich von selbst überwunden hat, trotz Unfalltrauma selber wieder Auto fahren, um mir etwas zu beweisen, hat mich überrascht. Wenn es um praktische oder körperliche Arbeiten geht, mutiert er zur Ameise. Er ist ein lieber, hilfsbereiter, romantischer, leider sehr anhänglicher Mensch, ich hingegen neige zum Einzelgängertum und brauche Freiraum. Zwar unternimmt er mit seinem Bike öfter mal kurze Solotouren und engagiert sich auch in seinem Kampfsportverein oder im Jugendzentrum, aber ihm fehlt der Wille oder die Fähigkeit, um seine eigenen Probleme kreativ zu bewältigen.
Ich habe ihm mehrfach gesagt, dass ich kreuzunglücklich bin und die Beziehung mich massiv überfordert. Konsequenz: Er bekommt riesige Angst, will alles tun, um sich zu ändern und versucht es dann eine Weile, bis er über den nächsten Kiesel stolpert und aus der Bahn gerät.
Er hat eine gigantische Baustelle vor sich, wenn er sein Leben auf die Reihe bekommen will und ich bezweifle ernsthaft, dass er es je schafft. Und dieser Gedanke setzt mir natürlich zu, weil er leider ein lieber, treuer Mensch ist und verrückte Aktionen startet, um mich umzustimmen.
Von seiner extremen Lese-/Schreibschwäche erfuhr ich erst, als er mich im ersten gemeinsamen Jahr bat, ihm bei seiner geplanten Selbständigkeit zu helfen. Er hat einen Kurs für Gründer besucht, dessen Bestehen eine Voraussetzung war für ein Gründungsdarlehen, und ist dort grandios gescheitert. Also habe ich die Businessplanerstellung übernommen, damit er gründen konnte. Damit endete es leider nicht.
Man rutscht in diese Verantwortungs-Abhängigkeit hinein und merkt es nicht einmal, bis sich die Hinweise häufen. Daran habe ich selbstverständlich auch Schuld. Partner helfen sich nunmal gegenseitig, gerade wenn es schwierig wird. In guten Zeiten kann jeder zusammenbleiben. Aber wann überschreitet man die Grenze des normalen Unterstützens und wird zum mentalen Krückstock für den anderen? Dieser Punkt ist schwer festzumachen, wenn der andere nicht gerade als egoistischer Mistkerl agiert, der nur nimmt und keinerlei Anstrengungen zeigt.
Ich wünsche dir viel Stärke (obwohl du die augenscheinlich besitzt) und drücke dich virtuell. Alles wird gut für uns, irgendwie.