Zitat von Cici: Eine übereifrige Lehrerin, die es natürlich nur gut gemeint hat, ließ in meinem Beiseien die Klasse sinnieren, was ich evtl für Probleme habe und wie man daran arbeiten könne.
Urks. Das tut mir sehr leid für Dich. Ich hab mir oft gewünscht, dass Lehrer/innen nicht wegen Mangel alle durchgewunken werden. Sondern dass man vorher etwas genauer schaut oder tatsächlich etwas pädagogischer ausbildet.
Zitat von Cici: Eher im beruflichen Umfeld.
Hier wurde schon viel geschrieben. Es gibt tatsächlich ein riesiges Spektrum von "introvertiert und schüchtern", "introvertiert und selbstbewusst", "extravertiert (ja, mit "a") und selbstbewusst/nicht selbstbewusst" etc.
Was aber komplett richtig ist: Die meisten Berufe und sehr viele Arbeitsumfelder sind auf Extraversion ausgerichtet. Erst seit kurzer Zeit wird klar, dass für introvertierte Menschen ein Großraumbüro z. B. nicht zu besten Arbeitsergebnissen führt - dass aber introvertierte Menschen in bestimmten Bereichen schlicht besser sind als extravertierte.
Man braucht als schüchterner, aber auch als introvertierter Mensch ein echt dickes Fell.
Wenn man sich dann noch die unterschiedlichen Kommunikationsformen von Männern und Frauen anschaut, dann wird es richtig schwierig. (Bitte keine "not all men"-Diskussionen! Wer sich informieren mag, kann den alten Klassiker von Luise Pusch lesen "Das Deutsche als Männersprache". Ist einfach interessant und nicht besonders veraltet trotz des Alters.)
Viele beruflich ehrgeizige Frauen haben als Reaktion angefangen, "männlich" zu kommunizieren - also sich nicht unterbrechen lassen, drüber reden, laut sprechen, sich nicht die eigenen Ideen von Kollegen abnehmen zu lassen etc. Folge leider: Sie wurden als "bossbit..." geframed, als unsympathisch usw. Das ist leider auch nicht die Lösung.
Es gibt keinen Königsweg. Ich finde es gut, wenn man sich bewusst wird, wie man selbst tickt.
Und ja, als Schüchterne oder Introvertierte wirst Du vermutlich öfter Deinen Rücken gerade machen müssen und für Dich einstehen.
Mir hat geholfen (wobei ich z. B. gern präsentiere und so Zeug mache, aber trotzdem introvertiert bin):
-> Zu wissen und sich immer zu sagen, das Wenigste ist persönlich. Wenn man schüchtern, empfindsam etc. ist, zieht man sich gern blöde Reaktionen selbst an. Mach das nicht. Die meisten Menschen sind viel stärker an sich selbst als an anderen interessiert. Einfach machen ist oft der beste Rat.
-> Zu überlegen, ob Du wirklich einen Job z. B. in Teams machen möchtest oder nicht. Kann man sich nicht immer raussuchen. Aber wenn man gut ist, kann man irgendwann auch seine Arbeitsbedingungen mitgestalten. Ich arbeite gern in Teams, aber bloß nicht dauerhaft. Großraumbüro: für mich ein Graus. Es ist ok, das für sich selbst festzustellen.
Und sowas wie "Lächel doch mal" - puuh, das ist echt der abgehangenste Spruch, der hoffentlich Dich im beruflichen Bereich zumindest nicht verfolgt. Wird gern jüngeren hübscheren Frauen gesagt, aber das finde ich echt übergriffig. Bring mich zum Lachen, immer gern, aber ich bin doch nicht Dein Lächelkätzchen?
Wenn es um Selbstbewusstsein und Dein Auftreten geht:
Stimmbildung ist ganz interessant, gibt's bei der Volkshochschule, oft mit guten Lehrer/innen.
Präsentations- oder Debattierkurse, kann man alles machen und hilft.
Und was Du in Deinem anderen Thema schriebst: Wenn Du Menschen gut lesen kannst (wie den wütenden Nachbarn), dann ist das einerseits hilfreich. Andererseits nimmst Du viel wahr und das kann zusätzlich erschöpfen, gerade im beruflichen Bereich. Du musst selbst dafür sorgen, dass Du auf Dich achtest und Dich nicht überforderst. Das wird vermutlich leider niemand anderes für Dich machen. Viel Erfolg!