Es gibt bei dem Thema eine Grundschwierigkeit, die sich vermutlich nicht lösen lässt: Individuelles Verhalten oder Umfeld? Einige Beiträge sind hier à la "Reiß Dich halt zusammen", das kann Unkenntnis sein, dass man sich eben nicht einfach zusammenreißen kann. Dass aber nahezu böser Wille unterstellt wird ... warum das denn bloß?
Aus meiner Sicht vermischt sich da echt zu viel:
Zitat von Perzet: und die junge Frau war so sehr verunsichert zwischen den vielen Kollegen, daß sie sich nicht traute aufzustehen und zu ihren Freundinnen zu gehen.
Und dann das Ende der Geschichte, der schimpfende Pförtner war "noch viel peinlicher". Ja, da hätte sie doch besser mal .... Meine Güte - kam da niemand auf die Idee, sich hinterher mal zu überlegen, was das denn für ein Kollegenkreis ist, in dem niemandem auffällt, dass da eine junge Kollegin sitzt, die offenbar auch nicht integriert war?
Schüchterne oder unsichere Personen befinden sich zum Teil in Situationen und haben selbst keine Handhabe, weil sie eben sind, wie sie sind. Das dann - ausschließlich! - der Person vorzuwerfen und nicht dem Umfeld, dass sie sich doch bitteschön anpassen müsse .... finde ich falsch.
Einerseits ja: Es ist auch für schüchterne Personen einfacher, wenn sie manche Situationen üben. Weil das funktioniert. Aber:
Zitat von Perzet:
tue Dir selber den Gefallen, nimm die Aussagen anderer ernst genug, um sie auf möglichen Wahrheitsgehalt zu checken.
Du tust so, als ob diese junge Frau aus Deinem Beispiel oder @Cici oder alle schüchternen Personen einfach nicht hören wollen. Als ob sie mit ihrer Art andere ärgern wollen (weil Du es so erlebt hast?). Als ob es Spaß macht, immer die Ruhige zu sein. Und genau aus dem Grund relativ oft outgecalled zu werden. Und alle schauen in so Situationen erst recht auf Dich. Ich sag's Dir aus Erfahrung: Es macht keinen Spaß. Ich war sehr lange die Schüchterne, Ruhige, aber nie überall. Man kann sich gut ändern, es ist gar nicht so schwer und es macht sogar Spaß

. Aber es ist nicht einfach ein Fingerschnipp. Erfahrung, Ausprobieren und Alter: super dafür.
Zitat von Perzet: Du nimmst Dich überall hin mit. Also wäre es gut, mehr auf Dich zu schauen und für Dich zu sorgen.
Das wiederum stimmt total. Fokus auf "für Dich sorgen". Entweder Grenzen für sich selbst testen, mal übertreiben in Lautstärke etc. - die wenigsten schauen so doll auf einen, wie man das denkt. Oder versuchen, am Umfeld etwas zu ändern. Entweder für sich selbst (Job ohne Großraumbüro) oder mal zur Vertrauensperson im Kollegenkreis, Betriebsrat, was auch immer.
Zitat von Cici: Bei manchen Aussagen wie : mein Guten Morgen sei nicht emphatisch genug, fällt mir das allerdings sehr schwer,
das ernstzunehmen.

- ich musste lachen, nicht weil das lustig ist, sondern weil das eine derart absurde Aussage ist. Ich finde, das hat was von "Lächel doch mal". Keine Ahnung, wer das zu Dir gesagt hat, aber manchmal sind Leute auch einfach beleidigt, wenn Du ihnen neutral gegenüberstehst, sie also nicht wahnsinnig toll findest. Also auch nicht super begeistert grüßt, sondern einfach höflich. Passiert gern bei hierarchisch Übergeordneten, denen gegenüber selten Kritik geäußert wird. Oder in so Kumpel-Kollegenkreisen, die immer zusammen Mittag essen gehen. Nichts gegen gemeinsames Mittagessen!

Vielleicht überlegst Du mal, ob Du Leuten gegenüber höflich bist (weil sie einfach nicht Dein Typ Leute sind), die aber "Herzlichkeit" erwarten? Nicht, damit Du denen künftig was vorspielen solltest, das bitte nicht, aber um solche Sprüche etwas einzuschätzen? Nur so eine Idee ....