Dracarys
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Zwei alte Freunde sind zwar noch da, aber auch davon hat sich gerade einer verabschiedet, da er sich verliebt und gebunden hat, er hat kaum noch Zeit.
Meine winzig kleine Familie wohnt weit weg, meine Kolleginnen und Kollegen sind alle verheiratet, also, was tun?
Man tut genau das, was überall geraten wird, um neue Freundschaften zu etablieren, das versuche ich übrigens nicht erst, seit die Lage sich so akut zugespitzt hat, sondern schon sehr viel länger.
Aber ich musste lernen, dass Bekanntschaften zu schließen ab einem gewissen Alter nahezu unmöglich ist.
Ich war jedenfalls in vier Jahren im Sportkurs, im Tanzkurs, im VHS-Kurs, im Fitti, im Yogastudio, in der Wandergruppe und im Chor der einzige Mensch, der ohne Anhang oder Anker unterwegs war.
Alle anderen kamen mit Freund, Freundin Bruder, Schwester, Ehefrau, Ehemann, Schwager, Schwägerin, et., etc. Und sie blieben auch konsequent unter sich. Außer drei Sätze über das Wetter gab es keine Kommunikation.
Mehr, als mich freundlich und interessiert um Gespräche und Einbringung zu bemühen, ohne aufdringlich zu sein, konnte ich nicht.
Ich habe dann diese sinnlosen Aktionen irgendwann beendet und das Beste draus gemacht. Jedenfalls hocke ich mich nicht mehr lächelnd ein halbes Jahr lang für teures Geld alleine auf eine Turnmatte, während um mich herum die Gespräche auf Zweiermatten summen.
Ich habe gelernt, dass es nicht klug ist, langfristige Sachen abzuschließen und habe entsprechend umdisponiert.
Ich ziehe deshalb seit geraumer Zeit alleine durch Kinos, Theater, Clubs, Cafes, Kneipen, Vorlesungen, etc.
Obwohl ich mich an das Alleinsein recht gut gewöhnt habe, werde ich aber das Gefühl nicht los, dass ich nicht gern als Single gesehen bin.
Manchmal werde ich angesprochen: "Sind sie ganz alleine hier?"
Ich bejahe das Offensichtliche und ernte weit aufgerissene Augen, ungefragtes Mitleid und Sprüche, die ich niemals erwartet hätte:
"Merkwürdig, sie sehen doch ganz normal aus?" "Würde ich mir nicht geben, dieses Spießrutenlaufen." "Sind Dir Deine Leute weggelaufen?"
Dass man als einzelner Mensch als so exotisch wahrgenommen wird, erstaunt mich doch sehr.
Wenn Menschen alleine sind und ihre Bemühungen, das zu ändern, scheitern:
Bleiben die alle daheim und schauen fern?
Gibt es so eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass man alleine nicht ausgeht?
Also lieber gar nicht als ohne Begleitung?
