Zitat von tesa: Weil man einander ein Versprechen gegeben hat. Weil man eine Vereinbarung getroffen hat. Weil man Loyalität erhofft. Weil man Werte hat.
Ich habe das erst kürzlich geschrieben: Gibt man sich tatsächlich, also ganz real und ausdrücklich, ein solches diesbezügliches Versprechen? Trifft man tatsächlich eine Vereinbarung?
Das habe zumindest ich noch nie erlebt. Sondern vielmehr setzt man doch unausgesprochen voraus, erwartet, erhofft, baut auf die "Tradition".
Das wäre dann aber etwas anderes als ein explizites Versprechen. (Wobei man, mit einiger Lebenserfahrung, ja auch weiß, was Versprechen wert sind. Die werden heute gemacht und sind morgen vergessen. Kann man also getrost, sobald man eines zu hören bekommt, gleich kübeln.)
Zitat von tesa: Ich stelle mir grade die Frage, ob das ein Zeichen des "sich mehr" oder "sich weniger" einlassen ist!?
Soll heißen: wenn ich mich nicht wirklich auf den Partner einlasse, so ist mir auch egal, ob er fremdgeht oder nicht. Es tangiert mich nur am Rande.
Je mehr ich mich aber einlasse, desto härter trifft es mich.
Zumindest in meinem Fall kann ich Dir Deine Frage beantworten: Ich habe mich noch in jede ernsthafte Beziehung und Liebe eingelassen, und das wirklich tief. Mir sind, nebenbei gesagt, alle Halbheiten und Oberflächlichkeiten fremd und zuwider, egal, worum es geht.
Nur habe ich von Liebe und Beziehung offenbar gerade das umgekehrte Verständnis als Du. Für mich geht es dabei nicht um eine Aneignung, eine Besitzergreifung, eine Lebensbeschlagnahmung. Ich nehme, anders gesagt, eben aus der Liebe heraus nicht gefangen, sondern lasse alle Freiheit (alles andere hielte ich auch für sinnlos und den Aufbau einer Lebenslüge). Und liebt man, tief, wie Du meinst - ist es nicht gerade dann oberster Wunsch, den Partner, die Partnerin glücklich zu wissen? Lebensfroh, erfüllt, vergnügt, einer unbekannten Vollendung zustrebend, in vollen Zügen atmend und lebend?
Jedenfalls würde mir eines ganz sicher nicht einfallen: Einen Pflock in meine Weide einzuschlagen und ein lebendiges Wesen daran anzubinden und es solcherart quasi zu meiner Beute zu machen.
Zitat von tesa: Das kann man nur indem man eine Beziehung ganz ausschließt
Es gäbe allerdings noch eine Möglichkeit: Eine Beziehung mit einem tatsächlich vollkommen asexuellen Partner. Wird zwar nicht so leicht zu finden sein, aber die Möglichkeit besteht durchaus (Tendenz deutlich steigend, wie ich den Eindruck habe). Die Frage ist nur: Ist man dann selber damit zufrieden?
Zitat von tesa: Danke, das Statement hat mich sehr zum Lachen gebracht!
Na immerhin!
Das freut mich!
Und ich werde bei nächster Gelegenheit einmal eine solche Publikumsbeschimpfung veranstalten nach Art Handkes. Alles muss man sich ja sogar als friedfertiger Mensch nicht bieten lassen! Wird von diesem herumhockenden öhrchengespitzten Publikum in schweißtreibende emotionale Zustände gebracht oder gar an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Das ist eine ernsthafte Grenzüberschreitung, der man entschieden entgegentreten muss mit allen Klauen und Krallen, die man nur hat.
Zitat von Mira: in vollem Einklang mit Natur und Wirklichkeit stehend
Das gefällt mir. Das gefällt mir sogar ganz wunderbar!
Zitat von Wurstmopped: Ich hatte mal ne Partnerin, die konnte es nicht glauben, annehmen, dass ich sie so liebe wie sie ist. Es ging dann irgendwann in die Brüche, weil sie ihrem alten Muster folgte und einen Mann bevorzugte, der sie auf Zehenspitzen stellte und sie für die "Liebe" erst einmal etwas "leisten" müsste.
Wenn Du "nur" einer solchen Frau beziehungsmäßig begegnet bist, hattest Du ja sogar noch verdammtes Glück.
Dieses Phänomen kommt nämlich, bei beiden Geschlechtern, häufiger vor als man gemeinhin denkt. (Nur ist es dem Mann halt weitaus mehr wurscht als der Frau.)
Im Grunde gar nicht glauben zu können, dass man tief und aufrichtig um seiner selbst willen geliebt wird (wie es sich zumeist schon in der Kindheit eingeprägt hat), halte ich überhaupt für den häufigsten ursächlichen Trennungsgrund. Denn dann wird ja im Lauf der Zeit mit zielsicherem Instinkt allerhand inszeniert, dass dieses eingeseelte und sesshafte Nicht-geliebt-Werden immer wieder bestätigt. Gewissermaßen eine negative Selbstbestätigung. Und dagegen kommt natürlich gar keine Liebe an.