Das stimmt, ist bei mir auch nicht anders! Ich weiß vielleicht nur meine eigenen Möglichkeiten und Kräfte besser einzuschätzen. Das was mir passierte, war eine zu schwere Last für mich. Ich wußte ganz genau, dass ich da zu einem Lastesel werde. Und damit ich nicht zu so einem werde, musste ich die Last hinter mir lassen.
Außerdem war es mir wichtig die Lage realistisch einzuschätzen und verstehen, war das ein Ausrutscher, eine Sexaffäre, war das eine Hormonliaison oder war das eine echte Nebenbeziehung.
Bei den ersten drei, wenn man versteht, dass jeder Mensch sich verirren und täuschen oder auch einfach nur Fehler machen darf und kann, ist die Ausgangslage für weiteres Zusammensein gar nicht so schlecht. Meist hat man in diesem Falle selbst jede Menge dazu beigetragen. Auf eine andere Art und Weise.
Ich frage mich, warum die Meisten diese Fehler auf so ne Art Gewichtsstufe stellen. Die Fehler der Anderen sind in Regel immer größer und schwerwiegender als die eigenen.
Im Falle des Betrugs besonders. Ich denke, dass viele so etwas wie Besitzansprüche in sich haben. Der Körper da, und Fleisch, alles gehört mir! Mit welchem recht eigentlich? Mit dem Eheschein?
Dann kommt auch noch so etwas : ne ne, das ist es nicht, sondern die Lügen. Im nächsten Satz dann die widersprüchliche Kopfbilder Beschriebungen! Was nun?
Ich nehme an, die Kopfbilder gehören nicht den Lügen, sondern den Geschehnissen, Körper-Aktionen. Warum ist es denn so schwer das Fleisch dem Besitzer seins zu lassen? Und ihn so zu lieben wie er ist? Warum kann man nur dann unbeschwert lieben, wenn man den anderen so biegt wie man will, wenn er dann nur so funktionieren darf wie man sich wünscht?
Ich selbst hatte leider nicht die Möglichkeit real zu testen wie es wäre, wenn der Betrug meines Ex einer von dieser drei Fällen wäre. Ich denke schon, dass ich da emphatisch genug bin, um nicht den unwichtigen Dingen eine übermässige Bedeutung zu geben. Und auch einen Menschen mit seinen Fehlern zu lieben wie ich umgekehrt auch wünschen würde.
Untreue meines Ex gehörte zu dem vierten Fall. Es war eine Nebenbeziehung, die über Jahre lief. Die er, mit dem Karriereaufstieg und somit verbundenen Reisen, ganz gut führen konnte. Ich merkte lange Zeit gar nichts, das war mein Part in der Geschichte. Emotionale Entfernung, den Partner nicht fühlen wollen. Mit sich selbst, Kindern, Job und Hobbys beschäftigt. Als ich wach wurde, war es bereits zu spät. Noch versuchte er alles zu leugnen, versuchte mich nicht zu verletzen, denn als Mensch ist er und bleibt ein Guter. Heute, mit Abstand, erkenne ich, dass er vielleicht damals mehr als ich gelitten hat. Da war die Frau, die er gegenwärtig liebte und hier eine, die er mal liebte und mit der er die Kinder hat. Und sein Heim auch noch! So wurde er situationsbedingt zu einem Feigling!
Den Tag, wo ich ihn mit handfesten Beweisen konfrontierte, vergesse ich nie! Ich vergesse seine tränenvollen Augen nie! Die mir letztendlich den Weg zeigten. Ich wußte, ich muss ihn loslassen. So werden weder ich noch er glücklich. Bleibt er bei mir, wird er immer seinem nicht ausgelebten Traum hinterher trauern. Und weil ich jetzt hochsensibilisiert bin, werde ich es jeden Tag fühlen. Unter diesen Umständen wird das Verzeihen und Vergessen nicht mehr möglich sein. Und seine Liebe neu zu gewinnen höchstwahrscheinlich auch nicht mehr. Dafür höchtswahrscheinlich kann ich in den nächsten Jahren zu einer Frau werden, die er hasst.
Lieber Weisspapier, ich nehme an, deine Frau hatte eine reine Sexaffäre. Das ist kein Krebs, kein Erdbeben, kein Tsunami. So wie dein Verhalten, den du hier beschrieben hast. Die Streitigkeiten, die Trink und Esslust, die emotionale Entfernung u.s.w. Warum um Gottes Willen ist ihr Fehler größer als deine alle?
Kommt sie mit deinem früheren Verhalten auch nicht zu recht? Widert sie heute noch dein Übergewicht und die Alk. an? Kann sie dass nicht vergessen, hat sie dir das nicht verzeihen können und hat immer noch die Kopfbilder von dem Mann damals?
Relativiere das ganze, höre auf die Schuld zu messen! Ihr Körper gehörte ihr und ihre Bedürfnisse waren halt andere als deine. Du hast deins dem Essen und Alk geschenkt, sie ihren der Lust. Und jeder von euch hatte einfach nur Hunger, der bei dem anderen nicht stillen konnte.