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Kann nach Affären wieder Vertrauen entstehen?

Heckenrose

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Ich bin fast 52 Jahre alt und habe seit Jahren eine sehr intensive Freundschaft mit einem Mann und seinem Sohn. Vorangegangen war, dass ich in diesen Mann verliebt war, wir damals - mit Achen und krachen - einige wenige Male S. hatten, er mich aber dann- so die offizielle Aussage damals - zu alt fand und er keine Liebesbeziehung mit mir wollte. Angeblich war ich ihm aber unheimlich wichtig und er wollte von Anfang an intensiven, freundschaftlichen Kontakt mit mir. Darauf habe ich mich eingelassen.
Ich habe es genossen, dass unsere etwa gleich alten Söhne sich miteinander angefreundet hatten (insbesondere weil mein Sohn eine Behinderung mit autistischen Zügen hat und schwierig im Umgang ist und meine Tochter damals gerade in der stacheligsten Phase ihrer Pubertät war, ich ziemlich anspruchsvoll berufstätig bin und mein Leben als Alleinerziehende oft ziemlich anstrengend finde) und wir öfter an Wochenenden etwas zusammen unternommen haben und das gut ging. Unsere Freundschaft war immer intensiv, auch keine "normale" Freundschaft zwischen Mann und Frau, sofern es so was gibt, aber ohne S..
Einige Zeit später habe ich dann über eine Internet- Partnervermittlung meinen Freund kennen und lieben gelernt. Sehenden Auges sind wir eine Fernbeziehung eingegangen, der Abstand betrug immerhin 400 km.
Wir haben uns in vielerlei Hinsicht ideal verstanden und ich würde sagen, er ist der Mann meines Lebens, der erste und einzige, der wirklich zu mir passt. Dass es diese Freundschaft zu dem Anderen gab habe ich meinem Freund gegenüber nie verschwiegen, aber es, was die gefühlsmäßige Beteiligung meinerseits betraf, immer etwas heruntergespielt. Zunächst hatte mein Freund mir gesagt, dass er arbeitsmäßig sehr flexibel sei. Es hat sich dann aber doch eher herausgestellt, dass er als Selbstständiger erstens sehr, sehr viel arbeiten musste und auch doch räumlich an seine Heimatstadt gebunden war, genau so wie ich mit meinem Job an meine Stadt. Auch wegen seines Sohns, den er regelmäßig mindestens jedes zweite Wochenende bei sich hatte, haben wir diese Wochenenden immer exklusiv, jeder mit seinen Kindern verbracht und uns höchstens alle 14 Tage gesehen, oft sind aber, wegen seiner Arbeit, auch unsere Wochenenden mal ganz ausgefallen.
Irgendwann hatte ich Zweifel, ob es das mit der Fernbeziehung für mich ist, denn die Perspektive hieß, wegen der Kinder, frühestens in 10 -15 Jahren zusammenziehen zu können. Meinen Heiratsantrag hat er abgelehnt. In dieser Zeit, so nach einem guten Jahr habe ich mich dann noch mal ein bisschen in meiner Heimatstadt umgesehen und tatsächlich bei einem Schwimmbadbesuch mit Kindern jemanden kennengelernt. Es war aber verheiratet und hatte aber großes Interesse an einer Bettbeziehung mit mir. Obwohl ich gleich ausdrücklich gesagt hatte, dass ich das nicht will, habe ich im sommerlichen Überschwang ein paar mal mitgemacht. Da der S. aber auch noch nicht mal ein Genuss mit ihm war, war es nach insgesamt etwa 10 Wochen mit Unterbrechungen wieder ganz vorbei. Mein fester Freund hatte mir in dieser Zeit öfter gesagt: "Du, ich hätte vollstes Verständnis dafür, wenn Du mal zwischendurch bei Dir etwas mit jemandem hättest" und tat insgesamt nicht nur nicht eifersüchtig, sondern hat mich geradezu noch animiert in die Richtung. Vor einem guten Jahr hatte ich ein Jobangebot in seiner Stadt und habe überlegt zu ihm zu ziehen. Er hat mir aber abgeraten, weil ich mich beruflich verschlechtert hätte, was auch eindeutig stimmt. Es wahre auch insgesamt mit unseren Kindern nicht einfach geworden. Davon war auch ich überzeugt, wollte es aber riskieren. Im Laufe der Jahre ist unsere Beziehung aber, trotz der Entfernung total eng, schön, intensiv und innig geworden. Seit etwa einem Jahr hat die Beziehung ihren Höhepunkt an Intensität. Trotzdem habe ich, obwohl mein Freund B. inzwischen seine Probleme mit der Freundschaft zu dem anderen Mann, P.mehrfach angesprochen hatte, die Beziehung weiter gehabt. Auch mit zum Teil innigen Gefühlen dem Anderen gegenüber. Im Hochsommer diesen Jahres ist das Ganze eskaliert, als ich P. mit seinem Sohn in unseren Sommerurlaub mit meiner Großfamilie einladen wollte, bzw. eigeladen hatte. Mein Freund B. hat mich gebeten, meine Mails und SMSSe an P. lesen zu dürfen, weil ich darauf bestanden hatte, es sei bloß eine Freundschaft. Ich habe es etwas blauäugig zugelassen und er war schockiert, was sich da an Konversation in den Jahren so angesammelt hatte. (War ich selbst auch, irgendwie war das noch ein bisschen anders das alles so am Stück zu lesen) Auf jeden Fall wurde deutlich, dass ich so einiges an Gefühlsintensität verschwiegen hatte. Und ich habe es bis zuletzt abgestritten, bzw. heruntergespielt. Mein Freund ist noch in dieser Nacht abgereist und wollte Schluss machen. Ich war am Boden zerstört. Am nächsten Tag habe ich sofort die Beziehung zu P. beendet und in den nächsten Tagen mich per Mail, SMS und Telefon bei meinem Freund entschuldigt und um Vergebung gebeten. Er hat mir aber nicht geglaubt, dass ich in den gemeinsamen Jahren keinen S. gehabt hätte. Er hat das so fest behauptet und gesagt, dass, wenn ich das nicht zugeben würde, er auf jeden Fall Schluss machen würde. Wenn ich das zugeben würde, hätte unsere Beziehung noch eine Chance. Daraufhin habe ich ihm meine Affaire gesteckt, die inzwischen drei Jahre zurücklag. Mein Freund wollte alles in allen Einzelheiten wissen und ich habe es ihm erzählt. Ich hab mich sehr geschämt, ihn so hintergangen zu haben. Daraufhin fühlte er sich einerseits bestätigt und erleichtert, andererseits war er natürlich schwer verletzt. Wir haben wahnsinnig viel geredet in der Zeit und wie zuvor auch, viel S. gehabt, schöne Unternehmungen gemacht und viel mehr Zeit als früher zusammen verbracht. Zwischendurch übermannte es meinen Freund immer mal mit schmerzhaften Gefühlen, aber es schien weniger zu werden und ich hatte zwar ein schlechtes Gewissen, ob meiner Ar., war aber auch überglücklich, dass wir jetzt noch intensiver zusammen waren. Etwa zwei Monate nach dem "Coming out" ist meinem Freund dann so schlecht gegangen, dass er sich - zu meiner Verzweiflung- von mir getrennt hat. Zunächst hat er mir am Telefon erzählt, dass er sich bereits wieder bei der Partnervermittlung angemeldet hätte und dass er nicht anders könne, als Schluss zu machen. In seinen Augen erschien ihm unsere ganze Beziehung rückwirkend als einzige Lüge, insbesondere hat ihn fertig gemacht, dass er in der Zeit meiner Affaire nichts an mir gemerkt hatte. Er zweifelt inzwischen komplett an meiner Liebe. Ich konnte ihn zwar noch dazu überreden noch mal zu mir zu kommen, auch noch einen Termin bei einer Paartherapie zu machen, der - wie ich fand auch ganz hoffnungsvoll war- aber er meinte bereits vorher, dass nur noch ein Wunder helfen könnte. Zwischendurch war er aber auch immer wieder total optimistisch und wollte sich neu auf die Beziehung zu mir einlassen, was mich dann auch sofort wieder erwartungsfroh gestimmt hat. Am Ende ist er dann, vor 9 Tagen, weinend abgereist und hat offensichtlich für sich keine andere Alternative als die Trennung gesehen. Er denkt, dass, wenn er das jetzt so akzeptiert, dass ich ihm das wieder antue, er hält mich vom Typ als prädestiniert dafür.Ich bin total unglücklich darüber und hätte ihn wahnsinnig gerne wieder zurück. Ich bereue zutiefst meine Unoffenheit und insgesamt was ich gemacht habe, wie leichtfertig ich mit seinen Gefühlen umgegangen bin. Ich fühle mich aber vollständig geläutert und hätte so gerne noch eine Chance für unsere Beziehung. Ich weiß, wir haben keine Veranlassung zusammen zu bleiben, durch gemeinsame Kinder, Heirat oder Besitztümer, noch dazu wohnen wir 400 Km voneinander entfernt und trotzdem haben wir in meinen Augen eine tolle, lebendige Beziehung geführt, die alle Chancen gehabt hätte sich weiter zu entwickeln. Ich liebe diesen Mann so sehr, das habe ich ihm kürzlich auch noch einmal in einem Brief geschrieben.
Ich wünschte mir sehnlichst, dass wir einen Neuanfang machen könnten, indem mir mein Freund einen Vertrauensvorschuss geben könnte.

22.10.2014 22:44 • #1


VictoriaSiempre

VictoriaSiempre


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Ganz ehrlich - die Überschrift finde ich interessant und vielleicht hätte ich etwas dazu sagen können. Aber so einen langen Text ohne irgendwelche Absätze lese ich nicht! Macht ja nix. Alles Gute!

23.10.2014 02:18 • #2



Hallo Heckenrose,

Kann nach Affären wieder Vertrauen entstehen?

x 3#3


Gast_ohne Worte


Hallo Heckenrose,

erst einmal fühle dich
Dein Partner macht gerade eine sehr schwere Zeit durch.
Vom eigenen geliebten Partner betrogen zu werden ist das schlimmste, was passieren kann.
Denn wir Betrüger spielen mit voller Absicht mit den Gefühlen unserer Lebensgefährten, wir missbrauchen mit voller Absicht das Vertrauen und betrügen durch Lügen.
Du hast deinen Fehler erkannt und eingesehen, dass ist schonmal Schritt eins um vorwärts zu kommen und lässt hoffen, dass so etwas nie wieder passiert.
Jetzt lerne du für dich, damit umzugehen. Akzeptiere das, was passiert ist und übernimm die volle Verantwortung dafür, erst dann kannst du weiter machen.
Euer Nachteil ist die räumliche Trennung, das macht ein Verarbeiten und Aufarbeiten ziemlich schwierig, kann aber auch von Vorteil sein, denn so habt ihr den Raum um zu atmen und in euch zu gehen um zu schauen, wo ihr steht.
Einen Vertrauensvorschuss zu erhalten wird wohl noch eine Weile ein Wunsch bleiben müssen. Weder hast du ein Anrecht darauf, noch darfst du es "einfordern".
Sei stark, arbeite an dir und zeige deinem Partner, dass du es ernst meinst mit ihm.
Das erfordert viel Disziplin, kostet dich unheimlich viel Kraft, es wird an die Substanz gehen, aber wenn ihr DAS durchsteht, stehen die Chancen gut, dass es wieder eine gemeinsame Zukunft gibt.
Rede mit deinem Partner, öffne dich, ja entblöße dich regelrecht vor ihm, nur so kannst du helfen, die Sache zu verarbeiten.
Frag ihn, was er braucht, wie du helfen kannst. Gib ihm das Gefühl, dass du immer und bedingungslos für ihn da bist. Ich glaube, einen Menschen in solchen traumatischen Situationen (Betrug ist ein absolutes Trauma, das ALLES, das GESAMTE Leben in Frage stellt) alleine zu lassen ist tödlich.
Sei für ihn da, auch wenn er es vll nicht möchte im Moment, es für ihn zu schmerzhaft ist, aber er wird es in einem klaren Moment erkennen und dir dankbar sein.
Dein Partner hat nicht nur das Vertrauen in dich verloren, nein, in das ganze Leben. Denn da ist jmd, dem man vertraut, sein Herz schenkt und dann wird alles kaputt gemacht.
Solch ein Trauma zu überwinden, solche Schmerzen durchzustehen kosten viel Überwindung, Kraft und starken Willen. Es kann schnell gehen, aber auch Jahre dauern.
Sein Ego, seine Männlichkeit, seine Wert- und Weltvorstellungen sind dermaßen zerstört worden, das können wir "Betrüger" anfangs nicht verstehen, greifen und schon gar nicht heilen. Ich schreibe es bewusst so krass...

Was kannst du tun? arbeite an dir, lass euch genügend Raum, sei für ihn da, bleibe ehrlich und offen.
Solltest du eine Chance bekommen, nutze sie. Sei dir aber auch bewusst, dass es nie mehr wird, wie es einst war. Man kann vergeben, aber nicht vergessen. Es wird immer präsent sein zwischen euch, mal mehr mal weniger, du musst die dunklen Wolken ertragen wollen und können..

23.10.2014 13:30 • #3


Heckenrose


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Vielen Dank für die klaren, wenn auch bitteren Worte. Da kann ich viel mit anfangen, muss es aber auch erst noch verdauen.
Das entblössen habe ich eigentlich schon hinter mir. Das hat es aber irgendwie schlimmer gemacht, nämlich für meinen Freund erst recht unerträglich.
Worüber ich auch noch nachdenke ist, dass ich mir zumindest einbilde, dass ich nicht mit Absicht so verletzen wollte. Es war eher selbstherrlich ignorant, egoistisch und gedankenlos. Und hätte ich das Ausmass der Zerstörung vorher erahnt, hätte ich es sicher nicht riskiert.
Und noch eine Frage: Was meinst Du mit "Wir Betrüger"? Das klingt gruselig.
Betrügst Du wirklich mit voller Absicht? Gibt es dafür wohl eine psychische Veranlagung?

23.10.2014 19:37 • #4


blechpirat

blechpirat


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Hallo Heckenrose,

Du hast ja schon in meinem Thread gelesen und kommentiert, insofern weißt Du, dass ich in der selben Ecke stehe wie Dein Freund. Daher kann ich Dir sagen: Was Gast_ohne Wort geschrieben hat, trifft es sehr gut und ich bin offen gestanden recht beeindruckt von seiner Selbstreflektion. Dem ist wirklich nicht mehr viel hinzuzufügen, denn genau das fühlt man als Betrogener.

"Wir Betrüger" klingt gruselig, weil es genau das ist, was "wir Betrogenen" empfinden. Und es gruselt uns noch weitaus mehr als als Euch. Wenn wir mal im dem Jargon bleiben wollen.

Zitat von Heckenrose:
Worüber ich auch noch nachdenke ist, dass ich mir zumindest einbilde, dass ich nicht mit Absicht so verletzen wollte.

Es ist aber genau das passiert. Ob Du es nun wolltest oder nicht spielt für Deinen Freund keine Rolle. Das musst Du so akzeptieren. Denn Du hattest die Wahl. Ein Seitensprung ist immer Wahl.

Zitat von Heckenrose:
Und hätte ich das Ausmass der Zerstörung vorher erahnt, hätte ich es sicher nicht riskiert.

Und aus Erfahrung kann ich Dir sagen: Sag das NIEMALS zu Deinem Freund. Das würde ihn noch mehr treffen. Auch wenn es für Dich gerade tröstend klingen mag. Das ist es für ihn ganz und gar nicht.

Sorry, aber ich bin heute etwas knapp dran. Morgen gerne ausführlicher.

23.10.2014 20:39 • #5


Heckenrose


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Hallo Blechpirat, hallo Gast ohne Worte,
vielen Dank nochmal für Eure hilfreichen Anmerkungen. Ich bin derzeit technisch ein bisschen eingeschränkt, weil ich gerade für zwei, drei Tage mit meinen Kindern unterwegs bin und versuche einen möglichst normalen Kurzurlaub mit ihnen zu machen, was nicht so ganz gut möglich ist in meiner derzeitigen Verfassung. Habe also nur mein Smartphone dabei.
Ich übernehme ja die volle Verantwortung für die Misere und ich würde ja gerne meinen Freund unterstützen und versuchen etwas wieder gut zu machen. Aber - wie es aussieht- will er bei der Trennung bleiben. Ich kann das auch nachvollziehen. Ich glaube ich fühle mich für ihn gerade so an, wie ein eitriges Geschwür, was ihm Schmerz bereitet hat und er deshalb entfernen musste. Ist ja auch paradox, wenn der Mensch, von dem man vertraute einen so verletzt und hinterher aber noch unterstützen will.
Wie kann das überhaupt gehen, außer durch Trennung?

23.10.2014 22:02 • #6


Marek_X


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Zitat von Heckenrose:
Mein fester Freund hatte mir in dieser Zeit öfter gesagt: "Du, ich hätte vollstes Verständnis dafür, wenn Du mal zwischendurch bei Dir etwas mit jemandem hättest" und tat insgesamt nicht nur nicht eifersüchtig, sondern hat mich geradezu noch animiert in die Richtung. .


Sorry, wie paßt diese Aussage zu dem Aufstand, den er wegen deiner kurzen Affäre dann doch gemacht hat? Ein erwachsener Mann weißt meistens was er sagt, dieser wohl nicht. Erst animiert er in diese Richtung und dann spielt er den leidenden Schwan.? Echt ohne Worte.

23.10.2014 23:38 • #7


blechpirat

blechpirat


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Zitat von Marek_X:
Sorry, wie paßt diese Aussage zu dem Aufstand, den er wegen deiner kurzen Affäre dann doch gemacht hat? Ein erwachsener Mann weißt meistens was er sagt, dieser wohl nicht. Erst animiert er in diese Richtung und dann spielt er den leidenden Schwan.? Echt ohne Worte.


Nun ja... mit Männern ist das nicht viel anders als mit Euch Frauen. Wenn ein Mann was sagt muss es nicht unbedingt auch das sein, was er meint. Vielleicht hat er in dem Moment auch einfach schon etwas geahnt und wollte seiner Freundin eine Brücke bauen um es ihm zu gestehen. Oder er wollte auf Grund der Distanz einfach nur hören "Nein Schatz! Das könnte ich nicht! Dafür liebe ich Dich zu sehr!". Wer weiß?!

Außerdem wohnt dieser Aussage auch der Wunsch nach Ehrlichkeit inne. Das Problem des Freundes wird weniger der Seitensprung an sich sein sondern eher die Tatsache, dass die TE es ihm verheimlichen konnte. Und zwar so, dass er über Jahre nichts gemerkt hat. Und nun stellt sich ihm natürlich die Fragem was sie ihm noch alles verheimlicht haben könnte. Wo und wann sie noch gelogen hat, ohne dass er es gemerkt hat. Das wird das wesentlichere Problem sein.


Zitat von Heckenrose:
Ich glaube ich fühle mich für ihn gerade so an, wie ein eitriges Geschwür, was ihm Schmerz bereitet hat und er deshalb entfernen musste.


Das ist natürlich eine sehr drastische Formulierung, die zwar irgendwie Dein schlechtes Gewissen zum Ausdruck bringt, aber doch ein wenig zu krass ist und Dich nicht wirklich weiter bringt.

Dem untreuen Partner noch eine Chance zu geben, den Entschluss zu fassen, es mit ihm noch einmal zu probieren, nicht zu wissen, ob die ganze Arbeit sich am Ende lohnt, das Risiko auf sich zu nehmen, dass man noch einmal verletzt wird, das Kopfkino das bekämpft werden muss.... das ist eine Entscheidung, die einem nicht leicht fällt und die man nicht in der ersten Minute trifft. Denn erst nach den ersten Gesprächen, die wirklich schmerzhaft sind bekommt man eine Vorstellung davon, was da noch alles auf einen zukommen wird. Und das sind keine schönen Aussichten.

Die Alternative ist das Beenden der Beziehung, denn das tut nur einmal weh, garantiert, dass man von diesem Partner nicht noch einmal verletzt werden kann und (nicht ganz unwesentlich) man darf wütend sein und dem Partner die alleinige Schuld am Scheitern der Beziehung geben. Man muss sich schlichtweg weniger mit sich selbst auseinander setzen.

Ich selbst habe mich für erstere Variante entschieden, kann aber jeden verstehen, der den anderen Weg bevorzugt. Für mich war die Entscheidung auch nicht immer klar und selbst nachdem ich mich FÜR meine Ehe entschieden hatte gab es Momente, in denen ich fast aufgegeben hätte. Dass ich es letztlich nicht getan habe lag zum einen an meiner Frau, die sehr viel Geduld hatte (und noch immer hat) und an meinem besten Freund, der mich ebenfalls immer wieder aus dem Kopfkino heraus in die reale Welt gebracht hat. Der mir immer wieder gut zugeredet hat und der mich auch ganz ehrlichund knallhart gebremst hat, wenn ich mich in irgendwelche Hirngespinste verrannt habe.

Momentan kannst Du, meiner Meinung nach, nicht viel mehr tun als ihm Zeit zu geben, damit er wieder ein wenig zu sich kommen kann. Wahrscheinlich ist er auch gerade in einer Wutphase, die jetzt erstmal ausgelebt werden will. Halte den Kontakt, zeige ihm, dass Du für ihn da bist. Frage ihn, ob Du irgendwas für ihn tun kannst. Nicht 100 mal am Tag, aber regelmäßig. Das ist der Rat, den ich Dir im Moment geben kann.

24.10.2014 08:31 • x 1 #8


Heckenrose


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Wie gesagt- ich sehe hier in meinem kleinen Bildschirm leider nur sehr eingeschränkt. Vielen lieben Dank auf jeden Fall, insbesondere
für diese letzte wertvolle und ausführliche Äußerung.
Leider hat mir mein (nunmehr wohl leider wirklich) Exfreund geschrieben, dass er bei seiner Entscheidung der Trennung bleiben will, weil er das Gefühl hat, dass ich die Chance in den letzten beiden Monaten nicht genutzt hätte, mich nur zähe geöffnet hätte und nur mit Minimalaufwand versucht hätte die Beziehung zu
reanimieren. Ich bin wahnsinnig traurig darüber, einerseits über diese Einschätzung und natürlich noch mehr über die Verfestigung dieses Entschlusses.
Ich hatte das Gefühl viel Preis gegeben und mich mit vollem Einsatz engagiert zu haben. Bei dem Paargespräch, das wir zuletzt gehabt hätten, hätte das auch nicht nach Liebe geklungen.
Mein "Freund" schrieb auch, dass er sich jetzt tatsächlich verstärkt bei der Partnervermittlung engagiert und sich so wieder "ins Leben bringt".
Ich habe ihn gebeten, nur noch bis Samstagabend sich nicht noch weiter von mir zu distanzieren, um ihm dann von zu Hause aus nochmal schreiben zu können.
Ich habe jetzt aber kaum mehr Hoffnung.
Es ist wirklich ganz schlimm für mich, denn mit dem Abstrich der Fernbeziehung ist dieser Mann und diese Beziehung das Beste, was mir je passiert ist und er ist eine echte Lichtgestalt...

24.10.2014 10:37 • #9


Gast_ohne Worte


Liebe Heckenrose,

bitte nicht verzweifeln, auch wenn es im Moment ganz und gar unmöglich scheint.
Bitte akzeptiere, dass dein Freund verletzt ist. Er führte eine Beziehung, die er glaubte zu haben, stellte sich aber raus, dass Entscheidungen deinerseits getroffen wurde, mit denen er nicht einverstanden war. Er hatte kein Mitspracherecht.
Da ich ihn nicht kenne, kann ich ihn nicht einschätzen, aber ich gehe davon aus, dass er sich so den Frust von der Seele schreibt, in dem er versucht dich zu verletzen, dir schreibt, dass er sich bei der Partnervermittlung angemeldet hat.
Ich möchte hier nicht schreiben, was ich mir hab in der Wut alles anhören müssen, und das sind Schmerzen (seelische) die uns nur ansatzweise zugefügt werden, im Gegenteil, was wir unserem Partner an Schmerzen bereitet haben. Das wochenlange Herzklopfen, Stechen in der Brust, Ängste, Schlaflosigkeit. Das alles, weil ich betrogen habe. Diese Gefühle waren nicht zum aushalten umso schlimmer war die Erkenntnis, dass mein Partner das viel-viel-vielfache an Schmerzen empfindet. Es war wirklich die Hölle, ich war am Boden.
Daher wirklich nicht durchdrehen. Er braucht nun ein Ventil um wieder runter zu kommen, verarbeiten und aufarbeiten.
Was dein Freund nun braucht ist die Bestätigung, dass nur er und sonst kein anderer Mann wichtig ist für dich.
Zitat:
Es ist wirklich ganz schlimm für mich, denn mit dem Abstrich der Fernbeziehung ist dieser Mann und diese Beziehung das Beste, was mir je passiert ist und er ist eine echte Lichtgestalt...

Und genau das muss dein Freund immer wieder von dir hören. Und du musst einiges tun, um wieder vertrauenwürdig zu werden. Bedenke, dass alles was du sagst und tust auf die Goldwaage gelegt wird, ob bewusst oder nicht. Aber nicht zu verwechseln mit sich selbst aufgeben, verbiegen, alles Recht machen o. ä.
Bleibe ruhig und halte dir vor Augen, dass der Zorn überwiegt. Nimm ihn ernst, aber versuche zu filtern, was davon aus Verletztheit spricht und was nicht. Reagiere nicht zornig sondern ertrage seine komplette Gefühlswelt. Versetze dich in seine Lage.
Eigentlich wollte ich dir was positives schreiben, aber irgendwie setze ich mich zu stark für den Betrogenen ein.
Was mir geholfen hat, war die Selbstbeschäftigung. Gedanken laufen lassen, sortieren, analysieren. Wie konnte es passieren, was tue ich um es künftig zu vermeiden, wie gehe ich mit Situationen um, die in der Vergangenheit dazu geführt hatten.
Es ist ein Prozess, der dich menschlich verändert. Das Herz verändert sich, die Gedankenwelt baut sich neu auf.
Sollte deine Beziehung zu Bruch gehen, hast du immer noch die Möglichkeit als neuer Mensch alles besser zu machen, ein Neues Leben zu beginnen.
Der Partner muss sehen, dass du "besser" bist als früher, nicht geschauspielert, keine Maske, sondern von ganzem Herzen ein guter und liebenswerter Mensch, auf den man sich verlassen kann, mit Haut und Haar.
Ich wünsche dir für heute ganz viel Kraft.

24.10.2014 12:02 • x 2 #10


blechpirat

blechpirat


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Ja, das klingt erstmal sehr endgültig, auch wenn ich glaube, dass die Sache mit der Partnervermittlung auch eher blinder Aktionismus ist. Ein Versuch, möglichst schnell aus dem Tal der Tränen heraus zu kommen.

Du weißt wahrscheinlich selbst, dass Du mit dem Seitensprung den Problemen in Eurer Beziehung eine ganz neue Dimension gegeben hast. Deshalb spare ich mir jetzt mal die üblichen Belehrungen, die man hier sonst so liest. Aber vielleicht tröstet Dich ja der Gedanke ein wenig, dass auch er sich offenbar nicht wirklich geöffnet hat, denn sonst hätte er Dir gesagt, welchen Einsatz er von Dir erwartet. Man vergisst leider oft, dass andere Menschen selten die eigenen Gedanken lesen können, erwartet aber eigentlich genau das und ist am Ende enttäuscht, wenn sie es tatsächlich nicht können. Ich denke, als Betrogener muss man auch lernen zu sagen, was man eigentlich erwartet. Und das hat er offenbar ja nicht getan.

Vielleicht tröstet es Dich auch ein wenig wenn ich Dir sage, dass Du wahrscheinlich nichts hättest tun können, was ihm wirklich gereicht hätte. Als Betrogener fühlt man sich so sehr ungerecht behandelt, dass es kaum eine Sache gibt, die das gefühlte Ungleichgewicht wieder in die Waage bringt. Das funktioniert tatsächlich erst, wenn man ein wenig zeitlichen Abstand zu der Sache bekommen hat, die Bilder im Kopf langsam anfangen zu verblassen und man ein paar Momente des inneren Friedens hatte. Vorher sieht er es leider nicht. Ein (ganz plattes) Beispiel: Du bringst ihm vom Einkaufen seine Lieblingsschokolade mit und hoffst, dass er sich darüber freut. Leider sucht er aber erstmal das negative an der Sache, sieht dass um die Schokolade eine rote Schleife gebunden ist und sagt "Toll! Nicht mal meine Lieblingsfarbe kennst du!". Bis man anfängt kleine Gesten und große Taten wieder so zu sehen wie sie gemeint sind, dauert es eine Zeit. Aber auch diese Zeit hat er Dir leider nicht gegeben.

Und auch das mit dem zähen Öffnen ist eigentlich ganz normal. Mich hat es am Anfang auch sehr frustriert, dass ich meiner Frau wirklich alles aus der Nase ziehen musste. Dass ich zig mal nachfragen musste bis ich eine Antwort bekam, die aus mehr als Ja und Nein Oder Ich weiß nicht bestand. Das tut weh, weil man das Gefühl nicht los wird, dass der andere einen noch immer belügt, etwas verschweigt. Aber dieses Öffnen, diesen schonungslose Wahrheit sagen, das muss man auch erstmal lernen. Es dauert bis man kapiert, dass die Wahrheit zwar oft sehr weh tut, aber auch Vertrauen schafft. Das ist ein Lernprozess, den Du vielleicht auch noch gar nicht zu Ende durchlaufen konntest bisher.

Insofern bleibt natürlich Dein Seitensprung der falsch war, aber ich glaube er hat hinterher auch nicht alles richtig gemacht. Welchen Prozentsatz der "Schuld" das nun ausmacht... ich weiß es nicht. Aber wie bei den meisten Dingen im Leben gehören eben immer zwei Leute dazu, eine Beziehung zu retten. Und da müssen dann auch beide 120% geben. Nicht nur einer.

24.10.2014 12:12 • x 1 #11


blechpirat

blechpirat


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Im nächsten Leben möchte ich Gast_ohne Worte heiraten!

24.10.2014 12:19 • #12


Heckenrose


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Lieber Gast ohne Worte, lieber Blechpirat,

Ihr seit beide bestimmt gute Partien und ich habe gerade Glück im Unglück mit diesen weisen Kommentaren und Einschätzungen, die sicher wieder überwiegend ins schwarze Treffen.
Nicht aber damit, dass sich mein (Ex-)Freund nicht mit Internet- Bekanntschaften trifft. Und ich bin überzeugt, dass er mir die ganze Zeit treu war, aber, dass er sich, wenn er abgeschlossen hat, ganz schnell neu verlieben kann und eine neue Beziehung eingehen kann. Ich finde die Vorstellung zwar schrecklich, habe mir aber auch schon tapfer versucht vorzustellen, dass ich so einen "Umweg" notfalls in Kauf nehmen müsste und würde.
Ich bin übrigens heute viele Stunden mit meinen Kindern in schönster Natur gewandert. Das tat nach der schlaflosen Nacht genauso wohl wie Euer Zuspruch.

24.10.2014 15:15 • #13


Gast_ohne Worte


Zitat:
Und ich bin überzeugt, dass er mir die ganze Zeit treu war, aber, dass er sich, wenn er abgeschlossen hat, ganz schnell neu verlieben kann und eine neue Beziehung eingehen kann.


Wenn das so wäre, würde ich mir Sorgen machen, wie ernst eure Beziehung ihm ist, wie schnell denkst du, soll er mit euch abgeschlossen haben?
Egal aus welchen Gründen eine Beziehung beendet wird, ein Sturz in die nächste Partnerschaft ohne die alte abgeschlossen zu haben, wird ein Sturz auf die Nase über kurz oder lang. Denn wenn die so genannten Leichen im Keller nicht beseitigt werden, sind sie immer da. Und mit Leichen im Keller vergleiche ich ebenso Fehler/Sünden/Lügen in der Vergangenheit, wie nicht verarbeitete Schicksalschläge.
Ich wünsche euch, dass die Zeit über den Berg hilft, gute oder schlechte Entscheidung sei mal da hin gestellt.
Genieße weiterhin deinen Kurzurlaub, pass gut auf dich auf und keine voreiligen Entscheidungen treffen.

24.10.2014 16:09 • x 1 #14


Heckenrose


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Lieber Gast ohne Worte,

ja ich fürchte, dass er das Gefühl hat bereits alles getan zu haben um die Beziehung zu retten.
Aber wir werden sehen. Momentan fühle ich mich ganz gut gerüstet dafür vorerst dran zu bleiben und nicht so schnell aufzugeben, dank Deiner/ Eurer Unterstützung.
In Deinem letzten Statement klang es wie ein echter Abschied. Wenn das so ist, dann möchte ich mich nochmal ganz herzlich bedanken für Deine engagierten, tiefgründigen Erfahrungen. Was auch immer aus meiner Beziehung wird, ich habe auf alle Fälle davon profitiert. Ich hatte mich auch fast schon daran gewöhnt an diese intensive Selbsthilfegruppe und ich muss zugeben, dass ich heute Nachmittag schon mal das Bedürfnis hatte, Dich und Blechpirat mal in echt sprechen zu wollen. Irgendwie schweißt so eine existentielle Sache doch zusammen. Man wird gewissermaßen zur Schicksalsgemeinschaft.
Wie auch immer, ich wünsche Euch ein schönes Wochenende mit Euren Frauen/ Familien im wirklichen Leben.
Ganz liebe Grüße.

24.10.2014 20:04 • #15




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