*chen
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ich habe lange überlegt, ob ich hier schreiben soll und mich dann doch dazu durchgerungen, weil ich in meinem Freundeskreis niemanden habe, dem ich mich anvertrauen könnte und mittlerweile wirklich verzweifelt bin.
Mit meinem Verlobten bin ich seit fast 4 Jahren zusammen und eigentlich wollten wir im August heiraten... eigentlich. In unserer Beziehung lief alles bestens und wir haben mit ganz viel Liebe und Herzblut unsere Hochzeit geplant.
In meinen bisherigen Beziehungen habe ich eigentlich immer so richtig in die Sch* gegriffen und hatte noch niemals eine so liebevolle, innige und intensive Beziehung wie mit ihm.
Durch familiäre Umstände habe ich quasi meine gesamte Jugend damit verbracht insgeheim auf die nächste eintretende Katastrophe zu warten.
Mit ihm war das alles anders und als wir uns vor 4 Jahren über unseren Job kennenlernten, bin ich deshalb auch schnell zu ihm gezogen (über 600 km von meiner Heimatstadt weg).
Eigentlich war von Anfang an klar, dass wir perfekt füreinander sind, dass er das beste ist was mir jemals passiert ist.. viel besser als alles, was ich mir jemals gewünscht habe und zu träumen gewagt hätte.
Es war alles perfekt.. wir wollten zusammen alt werden, ein Haus bauen.. Kinder bekommen... bis wir vor ca. 6 Wochen durch einen Zufallsbefund erfuhren, dass meine Mutter Brustkrebs hat. Und zwar leider schon in einem Stadium, in dem man nicht sagen kann, ob sie nur noch wenige Monate zu leben hat, oder eben nur wegen dem Krebs eine um ein paar Jahre verkürzte Lebensdauer hat. Der Tumor ist so groß, dass die Ärzte nicht sagen können, ob sie ihn überhaupt noch (nach einer Chemotherapie) operieren können.
Und als ob das nicht schon genug zu verarbeiten wäre, setzt mein Vater der ganzen Situation noch eine Krone auf. Er war seit Jahren nach einem schweren Unfall gezwungenermaßen trockener Alk. und als meine Mutter ins Krankenhaus kam, hatte er natürlich nichts besseres zu tun als wieder zur Flasche zu greifen, dann besoffen vom Klo zu fallen und sich den Oberschenkelhals zu brechen.
Meine Eltern sind beide gut versorgt und wir versuchen für unsere Mutter stark zu sein... aber ich merke jetzt sehr deutlich wie sehr belastend diese ganze Situation eigentlich für unsere Beziehung ist.
Seit ungefähr zwei Wochen merke ich, wie es mir zunehmend schlechter geht... ich sitze ganz oft nur noch da und habe Tränen in den Augen... ich kanns einfach nicht verhindern. Ich habe mittlerweile sogar ganz üble Trennunsgedanken.
Die Hochzeit haben wir mittlerweile in der geplanten Form abgesagt und ich fühlte mich dadurch irgendwie total befreit, keine Spur von Traurigkeit und das macht mir auf der anderen Seite total Angst.
Ich schmachte irgendwelche vermeintlichen Helden im Fernsehn an und überlege mir in meinem kranken Hirn wie es wäre auch so jemanden an meiner Seite zu haben.. also nicht den Star sondern jemanden mit dem Beruf (egal ob ein Polizist, ein Tänzer, ein XYZ).
Gleichzeitig träume ich von irgendeiner fiktiven Welt, die es zwar in meinen Frauenkitschromanen gibt, die ich als Einschlafhelfer benutze, die aber mit der Realität so überhaupt nichts zu tun haben, in denen die Frauen aber nach allen Regeln der Kunst auf Händen getragen werden. Und ich Nuss vergleiche das dann mit meinem eigenen Leben und stelle fest, dass es bei mir einfach nicht genauso ist. Also er trägt mich schon auf Händen, aber ich decke dennoch vermeintliche Misstände auf, Dinge, die aber bei "normalen Menschen" halt nun mal einfach so sind. Wir laufen ja alle nicht mit Millionen auf dem Konto rum und können auch nciht das Unmögliche möglich machen.
Obwohl ich weiß, dass die Realität ganz anders aussieht frage ich mich wirklich, ob es richtig ist zu heiraten... ob es eigentlich normal ist, dass ich nach so langer Zeit keine Schmetterlinge mehr im Bauch habe und woran ich eigentlich merke, dass es noch Liebe ist und nicht mehr nur bloße Gewohnheit?
Ich mache mir Gedanken, dass ich ihm das Herz rausreißen könnte, wenn ich ihm sage, dass ich momentan - gerade auch noch in dieser Situation - erzähle, dass ich mir meiner Gefühle nicht mehr sicher bin... wobei ich mich das natürlich auch noch selbst frage. Mittlerweile habe ich sogar Angst davor, dass ich mich in jemand anderen verlieben könnte - obwohl da weit und breit niemand ist.
Was ist denn nur mit mir los?
Traurige Grüße
*chen