Zitat von Desdemona: Vielleicht können wir beim Thema bleiben, das ich hier vortrug?
Macht die ganze Sache nicht gerade nachvollziehbarer.
Zitat von Desdemona: Danke,falls Du dazu etwas beitragen möchtest.
Selbstverständlich hab ich auch was inhaltlich zu der ganzen Geschichte beizutragen.
Zitat von Desdemona: Ich liebe ihn sehr. Könnte glücklich sein. Eigentlich.
Eigentlich braucht man gar nicht mehr weiterlesen.
Für mich ist das wieder eine der Auswirkungen dieses Bilds, das uns Hollywood, Disney und Rosamunde Pilcher mit unerbittlicher Hartnäckigkeit zu vermitteln versucht: Liebe alleine ist alles - sie überwindet alles.
Pustekuchen - und das siehst Du ja selbst! Was nützt die ganze Liebe, wenn das Drumherum, die Lebensbedingungen und -konzepte nicht zueinander passen?
Zitat von Desdemona: Ich habe leider das Gefühl, dass ich sehr viel mehr in diese Beziehung stecke,
Dann versuche ich das mal in der gewünschten Neutralität auszudrücken:
Du fixierst Dich total auf ihn, richtest Dein Leben nahezu 100% nach ihm aus und machst Dich damit (unnötigerweise) ziemlich bedürftig und abhängig. Er dagegen hat die gesündere Einstellung, indem er auch in Zeiten, in denen ihr keinen persönlichen Kontakt habt, sein Leben weiterlebt, ohne sich dabei zu stark abhängig zu machen.
Ich kenne diese Situation - ok, es sind erst 1,5 Jahre und nur 60 km, wir sind beide geschieden, haben schon Einiges hinter uns. Sowas funktioniert meiner Ansicht nur, wenn man die Woche über ausreichend unahängig ist anstatt einfach nur vor Sehnsucht zu vergehen. Auf den Punkt gebracht hat das vor Kurzem eine Karte, die ich von ihr bekommen habe. Darauf stand der schöne Spruch: Nähe ist keine Frage der Entfernung.
Zitat von Desdemona: Es ist aber so, dass ich in einer Art Warteschleife hänge, mich seinem Leben und Umständen unterordne. Das macht mich unglücklich.
Sorry, meine Liebe, aber das ist kein Zustand, den Du einfach nur passiv ertragen musst.
Du hast Dich bewusst für diesen Zustand entschieden - für Dein Verständnis wahrscheinlich der kleinste gemeinsame Nenner, aber wohl besser als nichts. Es ist eine Warteschleife, weil Du es für Dich dazu machst, in dem Du Dich derartig abhängig verhälst, nur reagierst, statt zu agieren und anscheinend auch großen Spass daran hast, deswegen zu jammern.
Sehen wir es doch mal anders herum: Es ist Dein Leben, es ist Deine Zeit und es ist Deine Entscheidung, was Du damit machst. Vielleicht muss man/frau auch erst einmal die relativ extreme Erfahrung machen, die ich machen musste - nämlich, dass es jederzeit ohne Vorwarnung mit dem Leben zu Ende sein kann.
Zitat von Desdemona: Bin ich das Wochenende da, reicht ein Anruf seiner noch studierenden Kinder und er ist weg,zumindest für einige Stunden.
So ist das nun einmal.
Auch an dieser Stelle wiederum das gleiche Problem: Kann es sein, dass Du ihn in dieser Situation der ohnehin knappen Zeit nicht auch noch mit anderen Menschen, egal wie nahe sie ihm stehen, teilen möchtest? Das ist wiederum eher ein Problem Deiner Abhängigkeit und Bedürftigkeit.
Zitat von Desdemona:Ich fühle mich, wie eine heimliche Geliebte, auch wenn überall Fotos von mir und uns in seiner Wohnung hängen.
Wieviel Commitment willst Du denn eigentlich noch?
Es ist wiederum Dein Problem, das Du damit hast, dass er neben Dir auch noch andere Interessen und sozialen Kontakte hat. Oder noch anders ausgedrückt: Erwartest Du allen Ernstes, dass er sich genauso benehmen muss, wie Du es tun würdest bzw. tust?
Zitat von Desdemona: Ich traue ihm auch nicht so ganz, was das Auswandern angeht, ich denke, er meint es so, aber wenn seine "Kinder" ihn in ihrer Nähe haben wollen, macht er womöglich einen Rückzieher.
Mit dem Risiko wirst Du leben müssen, denn Du wirst niemals die unangefochtene alleinige Nummer Eins in seinem Leben sein - so sehr Du das Dir das auch wünschen magst.
Zitat von Desdemona: Ich könnte schon dieses Jahr bzw. im Frühjahr ins Ausland. Bleibe aber seinetwegen.
Finde den Fehler.
Zitat von Desdemona: Aber ja, ich muss aus dieser Warte-Rolle raus. Dringend.
Let's go - move it!
Zitat von Desdemona: Leider komme ich mir dennoch wie in einem Gefängnis vor, die Entlassung abwartend...
Geht's noch ein bisschen dramatischer?
Solche von Selbstmitleid geschwängerten Metaphern machen mich irgendwie immer ein bisschen aggro.
Zitat von Desdemona: Irgendwie bin ich immer unterwegs zu jemanden oder von jemandem oder warte. Das ist meine Wahrnehmung.
Und findest Du das vielleicht gesund?
Für meinen Geschmack wäre es jetzt an der Zeit mal an diesen ausgesprochen dependenten Mustern zu arbeiten. Die besonderen Umstände dieser Beziehung haben vielleicht zum nötigen Leidensdruck geführt oder werden hoffentlich noch dahin führen.
"Ich habe immer nur darauf gewartet, dass mein Leben endlich beginnt, aber es ging einfach nur weiter."