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Kennenlernphase aus 2024 beschäftigt mich noch massiv

M
Danke erstmal für eure Antworten und Sichtweisen.

Ich weiß, dass Leute mit gesundem Selbstbewusstsein wahrscheinlich längst den Kontakt beendet hätten. Ich selber stecke häufig in dieser Schleife fest, Menschen reagieren nur so auf mich, weil ich etwas falsches getan haben muss.

Mir ist bewusst, dass Themen wie Unsicherheit, Verlustangst, usw. ein Kennenlernen erschweren oder sogar unmöglich machen können. Mein Problem ist, dass ich jahrelang versucht habe Männer kennenzulernen. Meistens bin ich auf Ablehnung gestoßen und das hat sehr stark was mit mir und meinem Selbstbild gemacht. Irgendwann konnte ich fast nicht mehr anders innerlich, als auf ein Date zu gehen mit der Frage, „Was wird wohl diese Person an mir stören“?

Ich war nicht wirklich in der Lage, ein gesundes Selbstbewusstsein aufzubauen. Ich habe jahrelang durch den Vater psychische Gewalt erlebt und wurde in der Schulzeit gemobbt. Das erwähne ich deshalb, weil in Fällen wie mit besagtem Mann, manche Sätze aus der Vergangenheit wieder in mir hochkommen. Im Endeffekt aber das Grundgefühl „Ich bin nicht genug, liebenswert, schön, sodass mich jemand mögen oder wählen könnte“.

Ich hatte den Mann auf dieser App kennengelernt und eigentlich fand ich das erste Treffen auch gut. Gleichzeitig wächst meine Angst vor dem Verlassenwerden jedoch bei mir mit steigender emotionaler Bindung.

Das äußert sich häufig in Rückversicherungsfragen, immer wieder denselben Gesprächen um dasselbe Thema, Klammern, usw.

Ich denke das ist das, wodurch in ihm dieser Frust zustande kam und gleichzeitig, schien er meine eher ruhige Art auch nicht gut zu finden.

Ich weiß, das jeder Mensch ein Recht hat, ein Kennenlernen zu beenden.

Mein Problem ist vor allem, dass mir seine Sätze bis heute im Magen liegen, vor allem, wenn ein Kennenlernen wieder scheitert, kommen sie hoch wie eine Diagnose oder Prophezeiung über mich.

Und ja, es tut auch weh zu sehen, dass dieser Mensch heute in einer Partnerschaft mit einer schönen Frau ist, weil es mir das Gefühl gibt, eben doch der Fehler gewesen zu sein. Dass Männer mich eben meiden würden, aufgrund meiner Art.

Es ist tatsächlich auch so, dass ein Jahr später einen Mann kennenlernte, der mich wirklich ernsthaft zu mögen schien. Ich baute im Verlauf eine so starke Unsicherheit auf, nicht zu reichen, sodass ich die Beziehung mit meinen eigenen Ängsten zerstörte. Nicht aus Absicht oder beleidigenden Worten, aber der Druck, der für ihn durch meine wiederkehrenden Zweifel, mein Misstrauen und mein Zwang, Sicherheit herzustellen, wurde einfach zu groß. Dieser Kontakt endete dann leider auch nicht schön und hinterließ mich sehr am Boden.

Ich versuche innerhalb ambulanter Psychotherapie daran zu arbeiten. Das ist sehr schwer, weil ich kognitiv meine Ängste und die andere Person sehr gut verstehe, in Momenten der Panik, aber nahezu die Kontrolle über mich verliere. Es ist dann, als würde sich dann diese Angst ans Steuer setzen. Ich kann ein schönes Date am Ende des Tages dann zum Beispiel nicht gut als schönes Date stehen lassen, sondern bekomme Angst, dass ich am nächsten Tag eine Abweisung, Kritik oder verletzende Worte erfahre. Durch diesen Versuch, mich selbst zu schützen, was ja gar kein Schutz ist, vertreibe ich die Männer jedoch nur von mir und weiß einfach nicht weiter.

In solchen Momenten kommen dann eben genau diese Sätze hoch. Dass ich keine Wärme zu geben habe. Dass ich toxisch und geisteskrank bin. Dass mich niemand will.

Ich finde schwer einen gesunden Umgang damit. Ich werde jetzt 27 Jahre alt und hatte bisher keine langanhaltende Beziehung. War jahrelang immer wieder in Kliniken oder Tageskliniken, welche jedoch oft nur zu kurzzeitiger Stabilisierung führten.

• x 5 #16


A


Kennenlernphase aus 2024 beschäftigt mich noch massiv

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GreenTara
Hallo @malina72, es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrungen machen musstest. Das Verhältnis zum Vater ist sehr prägend was die spätere Partnerschaften angeht. Mein Eindruck ist, dass du dir viele Erkenntnisse erarbeitet hast, aber deine Seele konnte dadurch bisher nicht entlastet werden. Manche Menschen finden erst in späteren Jahren zu sich selbst, die Zeit der Jugend und des frühen Erwachsenenalters sind der Suche vorbehalten. Und solange dein Ich nicht in deiner Mitte ruht, ist auch kein dauerhaftes Wir möglich.
Auch wenn du denkst, den Mann überfordert zu haben mit deinem Bedürfnis nach Rückversicherung, ist es dennoch keine Art und Weise von ihm, sich derartig zu verhalten. Und ja, es sollte dir egal sein, was er heute macht. Aber es lässt dir keine Ruhe, ich denke, dass deine Vaterwunde neu aufgebrochen wurde. Und die gilt es zu heilen.

• x 1 #17


Ouabain
Zitat von malina72:

Ich finde schwer einen gesunden Umgang damit. Ich werde jetzt 27 Jahre alt und hatte bisher keine langanhaltende Beziehung. War jahrelang immer wieder in Kliniken oder Tageskliniken, welche jedoch oft nur zu kurzzeitiger Stabilisierung führten.

Wie kann ein Vater sein Kind nur derart zerstören? Böses Gesicht

Es tut mir so leid, dass Du solche Folgen ausbaden musst. Ich weiß nicht, wie das ist, wenn einen immer wieder so eine Panik überrollt. Ich habe nur eine schwache Ahnung, weil ich natürlich auch Ängste kenne. Aber reicht schon, dass ich es mir schrecklich vorstelle

Was sagt denn Dein Therapeut? Ist das momentan überhaupt gut für Dich, Dich aufs Dating einzulassen?

• #18


Arnika
Er ist ziemlich ungehalten dir gegenüber und wirkt sehr genervt. Um das wirklich zu beurteilen, müsste man aber die Vorgeschichte kennen. Was meint er mit Nr gelöscht bzw. mehreren Nummern? Wie oft hast du ihn denn wann angerufen bzw Nr gelöscht?

• x 1 #19


Stella31
Zitat von malina72:
In solchen Momenten kommen dann eben genau diese Sätze hoch. Dass ich keine Wärme zu geben habe. Dass ich toxisch und geisteskrank bin. Dass mich niemand will.

So wie ich das Ganze lese, hast du so tiefgreifende Traumata durch deinen Vater erhalten, dass diese dein Leben stark beeinträchtigen.

Hast du schon mal EMDR bekommen?
Ich könnte mir vorstellen, dass dies ein wichtiger Faktor ist, um die Traumata anzugehen.
Denn alleine durch Psychotherapie scheint dein Selbstwert ja nicht größer zu werden.

Da du dich selbst so abwertest und jedem glaubst, der sich anmaßt, dir schlimme Dinge an den Kopf zu schmeißen, wird Dating im Moment wohl nicht gut für dich sein.

Vielleicht hilft dir zunächst, dich auf Traumatherapie und schöne Hobbys zu konzentrieren.
Was sind deine Stärken?
Was kannst du gut?
Für was hast du bisher positive Rückmeldungen bekommen?

Und was dieser Mann da geschrieben hat, ist absolut unterste Schublade, einfach widerlich und abstoßend.
Seine jetzige Freundin sollte dir vor allem Leid tun, weil sie mit so einem Widerling zusammen ist. Sei dankbar, nicht länger mit ihm in Kontakt gewesen zu sein, denn sonst hätte er dich noch länger verletzt!

• x 3 #20


Löwenzeh
Zitat von malina72:
„Ja, am besten direkt Hochzeitstermin festmachen.“

Hätte ich auch nicht einordnen können.
So eine Aussage, die gar nichts heißt.
Läppischer Spruch? Ironie? Ernst?
Dieser Mann ist gut darin, andere zu verunsichern, das ist mein Eindruck.

Zitat von malina72:
Er fragte mich beispielsweise, warum ich meine Haare eigentlich immer zusammengebunden trage. Ein anderes Mal fragte er mich, ob ich überhaupt lachen könne. Er fragte mich auch, ob ich, wenn wir irgendwann zusammenwohnen würden, einfach so mit ihm in der Küche tanzen würde.

Da sollte man sich fragen: was willst du von mir, wenn dir nichts an mir gefällt?

Zitat von malina72:
Ich fühlte mich unsicher und irgendwie falsch.

Es war das falsche Gegenüber.

Zitat von malina72:
Vor diesem Hintergrund schrieb er später auch, ich solle mich „nach meiner Genesung“ melden.

Widerlich.
Sowas sollte zukünftig für dich sofortiger Grund sein, jeglichen Kontakt einzustellen.
Jemand, der dich nur "genesen" will, mit dem kommst du nicht gut durchs Leben.

Zitat von malina72:

Du wirst sehen, dass ich für dich gekämpft habe. Das wirst du sehen wenn du siehst, wie andere Männer dich meiden werden.

Da musste ich fast lachen, so abstrus finde ich die Aussage, dabei quält dich das so.

Wo hat er denn gekämpft?
Und wann und wie?
Indem er dir sagte, was ihm alles nicht passt? Dich viermal in mehreren Wochen traf?
Hää?

Ihr kanntet euch nicht mal lang, drei Monate Kennenlernphase, oder?

Der labert Müll - und du verinnerlichst den Scheiz und erzählst dir fortan selbst diesen Murks...
Hör auf damit.

Zitat von malina72:
Nach dem Kontaktabbruch erfuhr ich außerdem, dass er eine Tochter hat. Davon hatte er mir während unserer Kennenlernphase nichts erzählt.

Und so einem lässt du dein Selbstwert zerlegen?
Einen, der monatelang das eigene Kind verschweigen kann?
Die Tochter hat ja den Stellenwert schlechthin. Armes Kind.

Zitat von malina72:
Sie ist meiner Wahrnehmung nach sehr schön, und soweit ich weiß, sind die beiden bis heute zusammen

Das ist der Filter, durch den du die Welt betrachtest.

Würdest du mal den
"Wer ist hübscher als ich " - Filter entfernen, würdest du vermutlich noch mehr erkennen.

Dass sie vielleicht vom Alter her näher beieinander liegen.
Dass die andere Frau, die du nur als hübscher siehst, vielleicht auch unsicherer ist und deshalb an so einem Kerl hängenbleibt.
Vielleicht passen sie auch einfach vom Temperament zusammen.
Oder sind sich einig, ihre tatsächlichen Partner miteinander zu betrügen.

Deine Sichtweise ist zu oberflächlich, zu eng verbunden mit deinen Ängsten.

Du kannst das üben.
Draußen Leute beobachten. Und zuhören, was du denkst.
Erst hören, dann steuern.

Mir fiel irgendwann auf, dass ich ständig Passanten beurteile innerlich, insbesondere Frauen bewertete, ob ich sie schön finde oder was an ihnen hässlich ist.
Nachdem es mir aufgefallen war, was da permanent in meinem Kopf abgeht, fand ich es total falsch und scheußlich.
Wo kommt das her, fragte ich mich.
So bin ich doch gar nicht.

Ich kam trotzdem nicht so recht gegen diesen (jahrzehntealten?) Automatismus an.
Und behalf mir anderweitig:
wenn ich nicht NICHT urteilen kann - dann suche ich jetzt an jedem etwas, das mir gefällt.
Und sei es nur das Rot der Jacke.

Das war richtig anstrengend!
Ganz schön schwierig, aus den Gedankenmuster auszubrechen.
Gute Übung für das Gehirn.

Du prägst dich selbst am meisten (zumindest jetzt, als Erwachsene).
Nimm Einfluss auf dein Denken.

Man fühlt sich immer so ohnmächtig.
Das bist du nicht.

Du kannst die schlechten Gedanken nicht unterbinden.
Aber du kannst ein Gegengewicht setzen.

Deinen Gedanken widersprechen. Wieder und wieder.
Und das kommt bald von allein und wird leichter und leichter.
Bis du diesen neuen Automatismus installiert hast und es von selbst läuft.

Ich will dir noch soviel schreiben, vielleicht komm ich später dazu.
Ist eh schon viel zu lang geworden.

• x 6 #21


MafusCage
Hey, hast Menschen dich lieben (Familie/Freunde). Wie reflektieren Sie das?

Er war nicht richtig für dich und hat dich extrem verunsichert. Bedenke auch den Altersunterschied, dem du vielleicht noch nicht gerecht werden konntest und im übrigen auch nicht musst.

Du hast dich verunsichern lassen, weil dein Selbstbewusstsein noch nicht richtig da ist. Versuch dich mal als deine eigene Freundin zu sehen, die so behandelt wurde. Was würdest du ihr raten? Sagst du ihr, der Typ hat recht oder baust du sie auf, verzeihst ihr ihre "Schwächen" oder hebst diese Eigenschaften als ihre persönlichen Charakter positiv hervor. Eine Freundin liebt man, wie sie ist.

Klingt bestimmt seltsam, aber nimm dich bei diesem Gedankenkarusell selbst in den Arm und sag dir, du hast damals dein bestes gegeben und gute Absichten gehabt. Wenn du ihn missverstanden hast, er darauf enttäuscht oder unflätig wurde, dann ist das sein Problem, dass er nicht klar zu dir war. Mit einem ordentlichen Charakter hätte er dich so nicht behandelt und nicht so plump geschrieben. Das hast du nicht verdient.

Was deine Unsicherheit angeht ... die hast du eben. Versuch in Beziehungen aber mehr auf dein Bauchgefühl zu hören. Frage bei anderen nicht nach, ob du ihnen etwas bedeutest (die Antwort kann immer gelogen sein) ... schau auf das was sich zweifeln lässt und auf das Verhalten des Gegenübers. Wenn er sich tagelang nicht kontaktiert, verunsichert dich das zurecht. Werte das Verhalten und frag dich, ob man so mit dir umgehen darf. Wenn du findest: "nein", dann zieh dich da heraus, ohne Erklärung und Rechtfertigung. Ziehe klare Grenzen, wie man mit dir umspringen darf.

Wenn jemand passt und dich schätzt, merkst du das. Dann hast du auch weniger Zweifel, dann kommst du auch mehr aus dir heraus. Allein, dass du bei ihm so schüchtern bliebst, war eventuell dein Schutzschild ... und es hat ihn verunsichert. Vermutlich war er auch nicht so selbtbewusst und es hat ihb mürbe gemacht, dass er nicht zu die durchdrang, hat sich aber auch nicht die Zeit genommen ... sein Problem!

Zitat von malina72:
Etwa ein Jahr nach dem Ende sah ich dann, dass er eine andere christliche Frau kennengelernt hatte.


Darf ich kurz fragen, warum dieses "christlich" hier so bedeutend ist?


Zitat von malina72:
Sie ist meiner Wahrnehmung nach sehr schön, und soweit ich weiß, sind die beiden bis heute zusammen.


Ist sie optisch "schön" oder strahlt sie durch Selbstbewusstein?

Das optische ist egal, letzteres kannst du aber auch, wenn du deinen Wert kennst und für ihn einstehst.

Vielleicht hilft dir eine Therapie besser zu dir zu finden?

• x 3 #22


Heffalump
Zitat von malina72:
Dass mich niemand will.

Willst du dich denn?

Die längste Beziehung führst du mit dir selbst.
Junge Männer, die selbst noch üben, sich als übergeordnete Stelle der eigenen Bewertung als Maß der Dinge zu nehmen. Ich bitte dich. Er kennt dich null.

Ich kenne dich ja auch nicht. Mir würde nie einfallen, ein Urteil über dich abzugeben.

Nur weil er aus einem christlichen Datingportal kommt, muss er nicht automatisch lieb sein oder ehrlich oder freundlich.

Die ersten Dates dienen zum beschnuppern. Du solltest nicht auf Optik achten, sondern ob er dir gut tut. Tut er das nicht, Haken dran.

Das er dir so tiefschlagend dermaßen eine mitgegeben hat, was dich heute noch beeinflusst, zeigt, dass er kein guter Mensch ist.

Dir ist die Wertung in Erinnerung geblieben. Als Mahnung, solche Typen auszusortieren.

Und nicht, weil er Recht haben könnte

• x 3 #23


Heffalump
Und weil du solch tiefgreifende Ängste mit dir herum trägst, haben bestimmte Menschen ein leichtes Spiel. Und das sind jene, behaupte ich, die dir nicht gut tun

• x 4 #24


Heffalump
Und ich würde einem Fremden, die ersten zehn, zwanzig Dates NICHT erzählen, welche Ängste mich plagen

• x 6 #25


Liv211
Liebe Malina,
es ist so schlimm, was Du auch in der Familie durch Deinen Vater erlebt hast.
Gut, dass Du in Therapie bist.
Das kann man schon aufarbeiten und lernen:
Ich bin gut.
Ich bin liebenswert.
Ich darf so sein….

Das alles muss bei dir ankommen.
Kein leichter Weg. Nur - du bist so jung. Du hast Jahrzehnte vor Dir, wo Du noch „gesund“ mit Dir zusammen leben kannst.

Lass die Männerwelt erstmal und schau nur auf Dich.
Und wenn Du da eine sichere Haltung hast, dann kannst Du auch auf andere zugehen.

• x 2 #26


Arnika
@malina72 Naja, ein Mann wird diese Ängste nicht heilen können - gerade, weil er sie ja auslöst. Und sollte es auch nicht tun müssen. Also solltest du erst dieses Problem angehen, bevor du wieder datest. Du kannst auch nicht gesteigerte Hundephobie haben und dann gleichzeitig meinen, du musst dir so unbedingt einen Hund zulegen. Oder Flugangst haben und Stewardess gleichzeitig sein wollen.

Schau, es wird dir vermutlich nicht helfen, aber mit niemand von uns findet es jeder erstrebenswert, in einer Beziehung zu sein. Auch mit Heidi Klum etc. nicht. Und bevor du das nicht verinnerlicht hast, dass es absolut ok und normal ist, als Lebenspartner nicht für jeden geeignet zu sein, macht dich deine permanente Rückversicherung natürlich eher zur Belastung als zur verehrten Göttin. Und selbst eine Gottheit wird nicht von jedem verehrt.

• #27


M
Hallo. Danke für eure Antworten. Mir sind diese Dinge natürlich bewusst, dass man sich selbst annehmen sollte, um überhaupt eine Beziehung führen zu können oder dass es falsch ist, Bestätigung im Außen zu suchen.
Ich bin fast 27 und hatte mir dennoch auch, wie die meisten denke ich, irgendwann mal eine Beziehung gewünscht. Ich hatte einige Jahre lang versucht, Menschen kennenzulernen und zu treffen. Oft bin ich dabei aber nicht weiter als 1-2 Dates gekommen und es gab Situationen, wo ich mich wirklich sehr bewertet und verurteilt gefühlt habe.
Meine psychische Erkrankung, vor allem die Depression, die nun seit meiner Jugend auch chronisch ist, gehört teilweise zu mir. Es ist natürlich meine Verantwortung, mittels Therapie daran zu arbeiten. Was ich auch tue.

Nur dennoch fühle ich mich immer wieder wie ein Mensch mit Handicap. Gerade oder besonders im Bereich Dating oder Partnerschaft. Selten habe ich mich als Mensch und als Frau so dermaßen beurteilt gefühlt und das innerhalb kürzester Zeit, wie im Dating.

Fälle wie mit besagtem Mann haben mich langfristig stark geprägt. Diese Worte kommen selbst heute noch hoch, wenn es mit jemand Neuem wieder nicht geklappt hat. Es fühlt sich wie eine Bestätigung an.

Ich hatte vergangenen Sommer das erste Mal einen Mann in meinem Alter kennengelernt, den ich tatsächlich regelmäßig, wöchentlich getroffen hatte. Das hatte ich vorher schlichtweg nie in meinem Leben. Er war besonders zu Beginn sehr euphorisch und hat mich teilweise auch sehr idealisiert. Mit der Zeit, als ich mich mehr und mehr emotional an ihn band und ich zunehmend innerlich das Gefühl hatte, etwas zu verlieren, kam meine Angst besonders stark heraus.

Ich hatte das nicht aus böser Absicht getan, aber das Ergebnis ist am Ende irgendwie dasselbe. Kurzum, ich hatte mit diesem Mann letztes Jahr 5 Monate Kontakt. 4 davon haben wir uns wöchentlich gesehen und fast 2 Monate waren wir zusammen. Es war von Anfang an sehr schwierig und stand auf wackeligen Beinen. Ich bin genau mit diesen Glaubenssätzen in diese Kennenlernphase gegangen.

Dass ich es nicht wert sei. Ich ein Stock im a*sch habe. Nicht warm genug bin. Ich hatte quasi nur darauf gewartet, bis auch dieser Mann etwas an mir auszusetzen hat und geht. Dass er es nicht tat, hat mich innerlich und emotional wie eine Dampfwalze überrollt. Zum einen war es wunderschön. Ich dachte endlich mal das zu erleben, wonach ich mich jahrelang gesehnt habe. Annahme. Begehren. Echtes Interesse. Regelmäßiges Zeit miteinander verbringen.

Zum anderen stieg meine Verlustangst mit zunehmender Bindung massiv an. Es verging kaum ein Tag, wo ich nicht diese Sicherheit suchte, aus Angst, ich würde mich fallen lassen und wenige Tage später wieder fallen gelassen werden.

Das hat ihn natürlich zermürbt und auch wenn ich versuchte, sehr offen und von Anfang an transparent über mich und meine Ängste zu sein, distanzierte er sich zunehmend. Dazu kam, dass ich viel investierte. Oft die weite Strecke auf mich nahm. Selten erlebte, dass trotz körperlicher Nähe und regelmäßiger Präsenz, er wenig echten Einbezug ins eigene Leben gestaltet hatte. Es selten zu wirklich tiefer gehenden Gesprächen kam oder wo ich das Gefühl hatte, hier ist jemand, der mich und mein Wesen wirklich kennenlernen und verstehen will.

Am Ende endete es sehr unschön. Er hat sich getrennt. Ich viel daraufhin in ein massives depressives Loch und lebensmüden Gedanken. Sätze wie von obigem Chat kamen dann auch immer wieder in mein Kopf und ich gab mir die gesamte Schuld für das Ende dieser kurzen Beziehung.

Ich war anschließend in einer Klinik, was der Mann auch wusste, dass ich den Aufenthalt geplant habe. Jedoch hatte es ihn bereits nicht mehr interessiert. Alle meine Kontaktversuche wurden ignoriert oder er wurde sehr genervt. Das alles hat in mir diese ganzen Verlust-Traumata wieder aufgerissen. Dieses Gefühl des Nicht-Gewählt werden. Dass es andere nicht interessiert, ob ich quasi da bin oder nicht. Dass ich ohnehin zu anstrengend bin und mit einer ‚normalen‘ Frau, wie sie in meinem Alter halt sind, nicht mithalten kann.

Ich hatte immer Angst, für meine ruhige, etwas ernste und melancholischere Art sofort verurteilt zu werden, weil das in der Vergangenheit häufig passiert ist.

Ich wurde auch in meiner frühesten Schulzeit gemobbt, teilweise auch von Lehrern, was in mir starke Narben hinterlassen hat. Ich war nie wirklich in der Lage, einen gesunden Selbstwert aufzubauen und als ich mit 20 Jahren das erste Mal anfing zu Daten, war ich auf diese Erfahrungen absolut nicht vorbereitet und was sie psychisch mit mir machen würden.

Diese permanente Ablehnung und Beurteilung hat sehr stark was mit mir gemacht. Dass ich nun letztes Jahr das erste Mal die reale Chance hatte auf ein gelingendes Kennenlernen und es im Endeffekt durch meine ständige Angst, wieder abgelehnt zu werden, selbst sabotiert habe, macht mich extrem fertig.

Auch innerhalb dieses Kennenlernen ist der Mann, als es noch währenddessen manchmal fast zum Kontaktabbruch kam, wieder auf Dating Apps gegangen, obwohl er von Anfang an exklusiv sein wollte.

Er sprach sehr früh von gemeinsamer Zukunftsplanung. Von Kindern. Von einer gemeinsamen Farm. Diese Zukunftsaussichten machten etwas mit mir, auch wenn ich wusste, dass es wahrscheinlich erstmal nur im Moment-Rumgeflirte war.

Als ich mich bezüglich meiner Themen öffnete, kippte die gesamte Dynamik bereits und auch wenn ich mich bemühte, diese im Zaum zu halten, sah er Fortschritte nicht. Ging jedes Mal auf Abwehr und dass ich immer wieder denselben Dreck erzählen würde. Dass ich seine Worte von Anfang an einfach hätte annehmen sollen.

Die ersten paar Dates waren für mich sehr besonders und wunderschön. Es waren Erlebnisse, die ich so nie hatte. Wir waren beim dritten Date zum Beispiel im Kino, wo wir uns das erste Mal annäherten. Danach nahm er meine Hand in der Stadt. Wir mussten zum Auto rennen, weil es so stark geregnet hatte. Er hat mir die Autotür geöffnet und mich ab da an immer ‚mein Engel‘ genannt. Das war für mich etwas sehr Besonderes.

Ich habe einfach Angst, nie wirklich in der Lage zu sein, einem Mann diese Leichtigkeit geben zu können, die es scheinbar für echte Liebe einfach braucht. Ich habe das Gefühl, dass niemand den Wert in mir sieht, zu bleiben. Gemeinsam innerhalb der Beziehung zu wachsen. Mir die Zeit zu geben, gleichzeitig Therapie zu machen und eben Fortschritte zu erzielen, wie es das Tempo erlaubt.

Ich fühle mich einfach sehr alleine und hilflos.

• x 1 #28


Arnika
Naja, unterm Strich machst du Dating-Erfahrungen wie jede andere auch, besonders OD finde ich eher menschenunwürdig. Da muss man schon ein sehr dickes Fell haben. Die Frage ist, ob und wie man damit umgeht bzw. umgehen kann. Und für dich ist das, als ob du dir freiwillig dein Allergen verabreichst.

Mit Verlustangst ist es dasselbe wie mit Eifersucht. Du kennst doch den Spruch: Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Ist jemand sehr eifersüchtig, erreicht er genau das, was er am meisten fürchtet: Er treibt den anderen erst recht in die Arme von jemand anderem. Dasselbe ist mit Verlustangst. Da ist selffulfilling prophecy vorprogrammiert. Und je mehr du das zelebrierst, umso mehr hast du Angst davor.

Wobei Verlustangst nicht die Angst davor ist, jemand anderen zu verlieren - sondern vor den eigenen negativen Gefühlen, die das auslöst - ist also eigentlich sehr ich-zentriert - wie alle diese Ängste. Da sieht man dann die Bedürfnisse des anderen nicht mehr, weil man nur um seine eigenen Befindlichkeiten herumschwirrt - auch wenn man glaubt, man macht eh so viel für den anderen, ist das nicht mal die halbe Wahrheit.

Vermutlich wird dir nur eine Therapie helfen, und das sage ich selten. Und zwar nicht in einer Akut-Situation mit düsteren Gedanken, weil sich dann die Therapie natürlich darauf konzentriert. Sondern nachdem du mal ein Detoxing vom Dating gemacht hast und dann frei bist, an den eigenen Pudels Kern vorzurücken.

Wir alle erfahren Ablehnung, Trennungen, Todesfälle etc., niemanden mag jeder, und schon gar nicht auf ewig. Aber wenn du wegen jedem, der dich kaum kennt, dich schon im Vorfeld fertig machst, wirst du nicht glücklich werden. Und das ist der Sinn des Lebens. Also geh es an. Und die Typen verschiebe auf später. Alles Gute!

• x 2 #29


Stella31
Hast du hier nicht schon unter anderen Namen deine Geschichte geschrieben?

• x 1 #30


A


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