katwin2
Mitglied
- Beiträge:
- 20
- Themen:
- 1
- Danke erhalten:
- 31
- Mitglied seit:
Zitat von Moody92:Hallo zusammen,
Nun hat es mich also auch hierher verschlagen - hätte ich vor wenigen Monaten auch nicht gedacht.
Ich schreibe meine Geschichte hier nieder, ohne eine bestimmte Absicht zu haben.
Es gibt keinen Rat, außer durchzuhalten; ich habe keine Fragen, die mir irgendjemand, abgesehen von mir selbst oder meiner Ex, beantworten könnte; und es gibt kein Zurück, nur ein Aus-Fehlern-Lernen-Und-Nach-Vorne-Blicken.
Ich schätze, ich will einfach nur schreiben.
Der Weg bis hierhin war steinig, die letzten Wochen waren hart und ich habe keine Ahnung, weshalb ich ausgerechnet heute Abend ein leichtes Hoch verspüre und die Kraft finde, diesen Thread zu starten.
Meine Ex-Partnerin und ich waren 6 Jahre lang ein Paar, von diesen 6 Jahren haben wir 4 1/2 zusammengewohnt.
Die Trennungsgründe liegen wie so oft auf beiden Seiten und könnten vielfältiger nicht sein, jedoch war ich lange Zeit zu blind, meine eigenen Fehler zu sehen uns begreife erst jetzt, wo alles zu spät ist, meinen Anteil an der Misere.
Wieso ich erst den Abstand brauchte und auf die Nase fallen musste, um reflektieren zu können? Keine Ahnung.
Die Trennungsgespräche wurden Anfang des Jahres von ihr initiiert, letzten Endes würde ich die Trennung jedoch als mehr oder weniger einvernehmlich bezeichnen, da auch ich so wie es lief nicht mehr glücklich war.
Zwischen den ersten Gesprächen und der schlussendlichen Trennung vergingen 3 Monate im WG-Modus, in denen wir versuchten zu kitten, was nicht mehr zu kitten war.
Ich versichte mein bestes, konnte von ihr aber keinen wirklichen Invest mehr erkennen und vermutlich hätte ich in Wirklichkeit auch mehr tun können, als ich tat.
Vor 6 Monaten folgte dann der Schlussstrich und 3 Monate später bezog ich meine erste eigene Wohnung als Single nach 5 Jahren.
Ich startete zuversichtlich und voller Elan in mein neues Leben, richtete mich nach meinen Vorstellungen ein und genoss in den ersten Wochen in vollen Zügen die Ruhe und Freiheit des Alleinseins.
Dann, vor ca. 6 Wochen, kam ich - weshalb auch immer - aus dem Tritt. Ich schätze ich musste feststellen, dass mein Freundes- und Bekanntenkreis in den letzten 6 Jahren doch erheblich federn gelassen hat und ich einfach nicht wie mit Mitte 20 Dutzende Leute im gleichen Lebensabschnitt um mich habe, mit denen ich meine Zeit verbringen kann.
Mit der fehlenden Ablenkung kam das Gedankenkarussell in Gang - einerseits bin ich froh darum, da ich erst ab da anfing, die Trennung wirklich zu verarbeiten, andererseits peinigt mich eben jenes Gedankenkarussell seitdem beinahe Tag und Nacht.
Ich erkannte viele meiner Fehler, kam ins Grübeln und bemerkte, dass das, was ich da so achtlos habe ausklingen lassen, eventuell meine große Liebe war oder zumindest eine noch innigere Partnerschaft hätte werden können.
Ob das wirklich so ist oder ob ich nur Panik vor dem Alleinsein habe? Ich weiß es nicht, aber ich wünschte, ich hätte an gewissen Punkten unserer Beziehung anders gehandelt und ich wünschte auch, meine Ex hätte an gewissen Punkten anders gehandelt.
Vielleicht muss ich mir auch einfach eingestehen, dass es nie für die große Liebe gereicht hat und wir einfach irgendwann unseren Zenit erreicht hatten.
Unabhängig davon bekam ich mit, wie sehr meine Ex nach der Trennung aufblühte, während ich mehr und mehr anfing zu hadern und mir kam der Gedanke, dass ich für sie am Ende unserer Beziehung nur noch Ballast war, den sie loswerden musste.
Ich bekam Schuldgefühle und hatte das Verlangen, es noch einmal zu versuchen und es besser zu machen.
Unweigerlich musste ich an die Wochen unmittelbar nach der Trennung zurückdenken.
Es wurden Dinge gesagt wie "vielleicht nur eine Trennung auf Zeit", "ich war mir noch nie so unsicher wie jetzt", "ich habe keinen anderen und will auch keinen anderen" und obwohl ich weiß, dass man solchen Worten keinen Glauben schenken sollte, keimte in mir sowas wie Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einen Weg zurück in mein altes Leben gibt.
Ich wusste zwar auch noch, dass in den Wochen nach diesem Weichgespüle ganz andere Töne angeschlagen wurden und ich plötzlich nicht schnell genug aus der Wohnung ausziehen konnte, aber Hoffnung blieb Hoffnung.
Vor 3 Wochen musste ich dann feststellen, dass meine Ex bereits deutlich weiter in der Trennungsverarbeitung ist, als ich, und einen Neuen in ihr Leben gelassen hat.
Wäre es ein Unbekannter, dem man halt mal so über den Weg gelaufen sein konnte - ok, schlimm genug. Aber nein, es ist jemand aus unserem gemeinsamen erweiterten Bekanntenkreis; jemand, den wir schon seit Jahren kennen.
Diese Endgültigkeit hat mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen und die letzten 3 Wochen war ich in einem richtigen Loch.
Ich kam mir dumm und naiv vor und natürlich stelle ich mir heute die Frage, wie lange das schon so geht.
War er mit ein Grund für die Trennung? War er zumindest der Grund, aus dem ich 3 Wochen nach dem o.g. Gesülze dann doch ganz plötzlich und am besten gestern aus der Wohnung ziehen sollte? Oder fing es doch erst nach meinem Auszug an?
Was hat meine Ex vor einem, zwei oder drei Jahren empfunden, wenn die beiden sich zufällig getroffen und unterhalten haben?
So oder so, dieser warme Wechsel, das regelrechte Ausgetauschtwerden mit jemandem, den man so absolut gar nicht auf dem Zettel für sowas hatte, tut enorm weh und kratzt hart am Selbstwert.
Wir waren nach turbulenten Jahren endlich in der Wohnung unserer Träume angelangt und am Ende hat es doch nicht gereicht und während ich bereitwillig ausgezogen bin, weil ich nicht alleine in unserer gemeinsamen Wohnung bleiben wollte, hat sie kein Problem damit, jemand anderen in das Schlafzimmer zu lassen, in dem sie vor nicht allzu langer Zeit noch mit mir lag.
Gerade denke ich an unsere ersten gemeinsamen Jahre und wie verliebt wir waren. Ich weiß, wie liebevoll, reizend und leidenschaftlich sie sein kann und der Gedanke, dass nun ein anderer diese Seiten an ihr kennengelernt, macht mich krank.
Ich frage mich auch, was das überhaupt für ein Typ ist. Ich kann mich nicht daran erinnern, den jemals mit einer anderen Frau gesehen zu haben. Gefühlt hat der einfach 6 Jahre lang gewartet und stand sofort Spalier, als nach ihm gerufen wurde.
Naja, wie gesagt, ich weiß eigentlich selbst nicht, was ich hier will, aber ich möchte mich trotzdem bei jedem bedanken, der mein Geschreibsel bis hierhin gelesen hat.
Tat gut, einfach mal den Gedanken freien Lauf zu lassen.
Viele Grüße
Hallo,
ich finde es beeindruckend, wie offen und ehrlich du über deine Gefühle und Gedanken schreibst. Es zeigt, dass du den Mut hast, dich mit einer sehr schmerzhaften Situation auseinanderzusetzen. Das ist alles andere als einfach, und allein dafür gebührt dir Respekt.
Trennungen, vor allem nach so langer Zeit, sind oft wie ein emotionales Erdbeben. Sie werfen vieles durcheinander, nicht nur im Außen, sondern vor allem auch im Inneren. Deine Reflexion über deine eigenen Anteile und die Dynamik eurer Beziehung zeigt, dass du dir Mühe gibst, die Erfahrung zu verarbeiten. Das ist ein wichtiger Schritt, auch wenn es gerade schmerzhaft ist.
Was du beschreibst – das Gefühl des Ausgetauschtwerdens, die bohrenden Fragen nach dem "Warum" und der Gedanke, dass du vielleicht mehr hättest tun können – sind Gedanken, die viele Menschen nach einer Trennung kennen. Es ist normal, dass solche Gedanken auftreten, aber sie können auch zu einer Art Gedankenspirale führen, die dich festhält und belastet.
Vielleicht hilft es dir, einen Schritt zurückzutreten und dir bewusst zu machen, dass nicht alles in einer Beziehung in deiner Verantwortung liegt. Beziehungen sind immer ein Zusammenspiel aus zwei Menschen, und es ist selten so, dass ein einzelner Faktor alles bestimmt. Manchmal passen zwei Menschen einfach nicht mehr so zusammen, wie sie es einst taten, egal wie sehr sie sich bemühen.
Dass deine Ex-Partnerin nun einen neuen Partner hat, verstärkt sicherlich das Gefühl der Endgültigkeit. Es ist okay, dass das weh tut. Der Schmerz zeigt, dass dir die Beziehung viel bedeutet hat, aber er muss nicht bedeuten, dass du für immer an diesem Punkt stehen bleibst. Die ersten Schritte nach einer Trennung sind oft die schwersten, vor allem, wenn der Freundeskreis kleiner geworden ist oder man merkt, wie sehr sich das eigene Leben um die Beziehung gedreht hat.
Ein Vorschlag: Versuch, dich in kleinen Schritten auf das zu konzentrieren, was dir Freude bereitet oder was dir früher Kraft gegeben hat. Vielleicht ein altes Hobby, ein Projekt, das dir wichtig ist, oder einfach der Kontakt zu Menschen, mit denen du dich wohlfühlst. Du schreibst, dass du in den ersten Wochen nach dem Auszug einen Elan gespürt hast. Vielleicht kannst du dich daran erinnern, was dir damals Kraft gegeben hat, und versuchen, wieder einen Zugang dazu zu finden.
Es wird nicht von heute auf morgen besser, aber jeder kleine Schritt zählt. Und das Wichtigste ist: Sei geduldig und nachsichtig mit dir selbst. Du machst das gerade so gut, wie es dir möglich ist, und das ist mehr als genug.
Alles Gute dir auf deinem Weg.