Guten Morgen liebe MissGalaxie
Zunächst dir und den anderen Mitlesern, die sich positiv zu meinem Beitrag geäußert haben, ein herzliches Danke für die Anerkennung. Es ist ja der Vorteil eines öffentlichen Beitrages, dass er bei Mitlesern auf Menschen treffen kann, die in ähnlichen Situationen waren oder sind.
Zitat:>>Genau, er hat seine Priorität nicht der Beziehung eingeräumt, sondern den Fokus auf sich selbst gesetzt.
Damit hat er ein Verhalten wiederholt, das er - noch in der Beziehung stehend - sehr oft, fast möchte ich sagen andauernd, gemacht hat. Ein Grund, warum diese Beziehung meiner Ansicht nach Stück für Stück ausgeblutet ist.<<
Ein solches Verhalten entsteht ja nicht von heute auf Morgen, sondern es gehört meist von Anfang an zur Persönlichkeit eines Menschen. Entscheidend ist also der Zeitpunkt, an dem es gekippt ist, an dem es dir zuviel wurde und an dem sofort offen miteinander geredet werden muss.
Wenn das nicht zum Erfolg führt, kommt der andere ins AUSHALTEN. Wir haben alle irgendwo unbewusst gelernt, dass eine Beziehung kein Ponyhof ist und dass ein gewisses Maß ans Aushalten dazu gehört. Das hat uns die Generation der Eltern und Großeltern vorgemacht, bei denen schon das Wort "Scheidung" unaussprechlich war und auf dem Index stand. Da war Aushalten die einzige Möglichkeit. Und aus diesem Kontext stammt auch das unbewusste Gefühl, dass eine Beziehung EIGENTLICH ein Leben lang halten müsste.
Zitat:>>Perfekt. Genauso kann man beschreiben, weshalb ich die letzten Jahre wie am Fliegenfaenger an dieser Beziehung klebte, obwohl mir zunehmend klar wurde, dass meine Bedürfnisse hier eine stetig untergeordnete Rolle spielten und am Ende gar nicht mehr wahrgenommen wurden. <<
Du hast also versucht, die Beziehung trotz dieser Störung gesund zu lieben und dafür darfst du dir mal von ganzem Herzen vor dem Spiegel auf die Schulter klopfen. Du hast nicht gleich aufgegeben, du hast versucht das Gute zu sehen. Du hast es angesprochen und ihr habt es zu ändern versucht. Wir reden bei dieser Trennung also nicht von einer Kurzschlusshandlung, sondern wir reden vom letztlich einzigen Ausweg für beide, sich selber und die eigenen Bedürfnisse nicht völlig aus den Augen zu verlieren oder aufzugeben.
Zitat:>>Und ja, wäre er nicht gegangen, hätte ich gehen müssen. <<
Der entscheidende Satz. Der gehört virtuell übers Bett gehängt, damit du ihn bei deinem persönlichen "Morgengrauen" lesen kannst. Wenn der Schmerz wieder kommen will, dass du verlassen wurdest, stellt dein Verstand also die Tatsache dagegen, dass dir dadurch erspart wurde, selber gehen zu müssen. Du wärest nicht mehr Opfer sondern Täter gewesen. Und da möchte ich nun noch mal einhaken.
Du kommst am Besten aus dem Opfergefühl heraus, wenn du dich nun selber aktiv und sehr bewusst VON IHM TRENNST. Wenn du dir vorstellst, er sitzt auf dem Stuhl vor dir und du sagst ihm: Ich muss mich von dir trennen, es geht nicht mehr!
Deine selbstbestimmte bewusste Trennung von deinem Expartner kann also so etwas wie ein Befreiungsschlag für dich sein. In dem Moment, wo du das aussprichst oder in einem Brief an ihn schreibst, wirst du zum Täter. Du wirst wieder selbstbestimmt handelnde Person und Persönlichkeit. Was du anschließend mit dem Brief machst, ist unwichtig. Abschicken ist meistens überflüssig. Es geht darum, dass du dich bewusst aus dieser Beziehung verabschiedest und damit wieder dich selber in den Mittelpunkt deines Denkens, Handelns und Fühlens stellst. Denn DU bist der wichtigste Mensch in deinem Leben, niemand anderer. DU musst dich schützen und das tust du am besten, indem du dich nun endgültig von ihm trennst, ihn gehen lässt und dich verabschiedest.
Zitat:>>Immerhin muss ich sagen, dass wir uns beide im letzten Jahr sehr darum bemüht haben, das Ruder doch noch herumzureissen. Mit seinem finalen Alleingang haben diese Anstrengungen jedoch ihr Ende gefunden und mich sehr verletzt zurückgelassen. <<
Das ist sehr wichtig. Ihr habt also getan, was in euren Kräften stand. Ihr habt nicht leichtfertig aufgegeben, die Möglichkeiten waren erschöpft und eure Liebe war es auch. Es ist jetzt deine wichtigste Aufgabe, dich davon zu verabschieden, dass du ZURÜCKGELASSEN wurdest. Denn du trennst dich ja selber von ihm. Hätte er es nicht getan, wäre es dein Part gewesen. De Facto hat also jeder den jeweils anderen zurück gelassen.
Es geht nun darum
deine Verletzungen zu heilen. Und dazu brauchst du deinen ehemaligen Partner nicht mehr, das kannst du alleine. Das ist keine Hexerei.
Zitat:>>Mit Blick darauf markieren diese Gedanken hoffentlich einen Weg, der diese Einsichten vom Kopf in mein Herz lenken, aber so recht spüren tue ich es noch nicht. Will sagen, dass das im Endeffekt zwar alles richtig ist, die tatsächliche Umsetzung dürfte aber durchaus noch schwierig werden.<<
Nunja, bisher bist du vermutlich damit noch nicht wirklich angefangen, denn du sahst dich ja noch als verletztes Opfer einer Trennung, an der ein egoistischer Mann Schuld war, der dich nicht für wichtig genug gehalten hat, um deinetwegen sein Leben anders zu gestalten.
Diese Sichtweise verletzt jeden Tag aufs Neue. Wenn du mit dem Heilungsprozess anfangen möchtest, gehört also erstmal diese Sichtweise in die Tonne. Es ist der Mann, den du verlassen wolltest, du bist nur nicht mehr dazu gekommen. Und du wolltest ihn nicht verlassen, weil er SCHULD daran war, dass du unglücklich warst. Sondern du wolltest ihn verlassen, weil ihr es trotz ernsthaften Bemühens nicht geschafft habt, eure Beziehung gesund zu lieben. Ihr habt es nicht geschafft, die individuellen Bedürfnisse des jeweils anderen dergestalt zu akzeptieren und zu integrieren, dass die Liebe bestehen bleiben konnte. Das ist nicht SCHEITERN, das ist EINSICHT. Das hat nicht mit SCHULD zu tun, sondern mit URSACHEN und ERKENNTNIS.
Das Herz ist schnell, der Kopf ist langsam, weil das Herz fühlt und der Kopf denkt. Das kann man abgleichen, man kann die Kommunikation zwischen diesen unterschiedlichen Gehirnregionen optimieren. Der Kopf kann vom herzen lernen und das Herz vom Kopf. Das nimmt etwas Zeit in Anspruch, führt aber dazu, wieder Glück empfinden zu können.
Mach dich auf den Weg. Die Optimierung deines Bewertungsverfahrens war ein erster Schritt. Viel Erfolg dabei.
Herzliche morgendliche Grüße