cicada
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ich les' jetzt schon eine ganze Weile mit bei euch, hab' mich aber vor meinem eigenen Thema gedrückt.
Ich habe viel darüber nachgedacht, was ich mir davon verspreche oder erhoffe eines zu eröffnen, weiß es aber immer noch nicht genau. Einfach mal runterschreiben? Offenes Ohr? Ratschläge? Erfahrungsberichte?
Was es auch sein mag, alles ist willkommen; weil:
Mir geht's ziemlich mies und ich hab' keine Ahnung, wie ich mein Problem angehen soll.
Vor ein paar Jahren ist mein Mann schwer erkrankt- mittlerweile ist es überstanden, er hat's gerockt, wie ein Champ!
Die Zeit war hart und schmerzhaft, unsere Partnerschaft ist daran sehr gewachsen und wir haben ein top Teamwork entwickelt. Probleme aus der Vergangenheit waren auf einmal irgendwie trivial und alles in allem hat sich eine gewisse Gelassenheit auf viele Bereiche unseres Lebens gelegt, was ja durchaus positiv ist.
Jetzt drucks ich schon wieder rum.
Ich möchte nicht, dass sich jemand angegriffen oder verletzt fühlt, das Thema an sich ist ja schon sehr sensibel und ich weiß nicht, wie ich's ausdrücken soll, ohne dass es diskriminierend klingt. Also schick' ich eine Entschuldigung vorweg und sag es, wie es ist:
Er fühlt sich vor mir nicht mehr wie ein Mann.
Und ich weiß absolut nicht, wie ich das wieder richten kann, weil ich nicht den Eindruck habe, dass ich es angerichtet hab'.
Er ist und war immer stolz, ein Macher, souverän, immer im Zentrum des Geschehens, sehr selbstbewusst. Für mich hat sich daran nichts geändert, für mich ist er der selbe Mann, nur beeindruckender- ich war ja dabei und habe gesehen, wie er gekämpft hat.
Aber genau das ist das Problem.
Er weiß, dass ich alles gesehen und mitgemacht habe, das ihn in seinen Augen schwach gemacht hat, dass ich ihm helfen 'musste' und er über einen langen Zeitraum nicht mehr der sein konnte, der er gerne ist.
Seitdem kann er es nicht mehr annehmen, wenn ich ihm Komplimente mache, Lob für was auch immer kommt nicht an und wenn er Sorgen hat, spricht er zwar nach wie vor mit mir, aber er sieht mir dabei nicht mehr in die Augen.
Bestätigung holt er sich lieber außerhalb. Das hat mich anfangs extrem getroffen, aber irgendwo versteh' ich's auch, zumindest denke ich das.
Er ist seitdem auch recht eifersüchtig geworden.
Mir setzt es richtig zu, dass ich ihm anscheinend nicht mehr das Gefühl geben kann, toll zu sein und ich weiß einfach nicht, warum.
In unserer Beziehung läuft so gesehen alles tutti, wie haben stinknormale Streits über stinknormale dämliche Sachen, Alltag macht Spaß, wir lachen viel, Zärtlichkeit ist da. Körperlich ist es eigentlich auch sehr erfüllend, da kommt bei ihm nur leider auch oft der Kopf und er denkt, seit der Chemo ist es nicht mehr gut für mich- was überhaupt nicht stimmt! Er glaubt mir nur nicht.
In der Zwischenzeit haben wir noch ein paar mehr Krisenzeiten ganz gut weggesteckt und alles in allem liest sich das irgendwie, als hätte ich hier nichts verloren.
Mich belastet das nur wirklich sehr und auch wenn ich das Suchen nach Bestätigung draußen verstehe, wäre es gelogen, wenn ich behaupten würde, das wäre komplett cool für mich und eine Dauerlösung, mit der ich gut leben kann.
Dass viele auf ihn fliegen wusste ich ja von Anfang an und ich kann verkraften, dass er das seither gerne zulässt und für sich nutzt, aber ICH will auch noch was abhaben und kann das Gefühl nicht ertragen, dass ich nicht mehr ausreiche.
Aber steht mir das zu? Ich war nicht krank. Ich kann nicht wissen, wie das ist und was das mit jemandem macht.
Was hab' ich falsch gemacht, dass echt nichts mehr ankommt? Und wie bieg' ich das wieder hin?
Wir haben eine recht gute Kommunikation und er kommt mit allem, was war, soweit gut klar. Er hat auch bei niemandem sonst das Gefühl, in irgendeiner Weise weniger wert zu sein, nur bei mir.
Das macht mich fertig.
Danke an alle, die es bis hierher geschafft haben!
Vielen Dank, dass ihr euch meine Sorgen durchgelesen habt.
Liebe Grüße
cicada