Liebe Meg,
Zitat von meg:Jetzt bin ich im Urlaub mit ihm. Er schaut YouTube im verdunkelten Apartment fast den ganzen Tag. Genauso wie zu Hause. Ich liege auf unserer Terrasse in der Hängematte, lese, schreibe hier, gehe alleine zum Strand und spazieren im Dörfchen.
schau dir das bitte nochmal an, was du da schreibst.
Er ist im verdunkelten Appartement. Du bist draußen allein. Ihr seid beide allein. Wo ist die Beziehung?
Zitat von meg:Er versucht mich sehr häufig zu piesaken und provozieren mit seinen Bemerkungen bis er sich immer wieder mal kurz zusammenrauft und was Nettes sagt. Ich ignoriere sowohl das Piesaken als auch das Nette.
Er versucht dich zu piesacken und zu provozieren? Dann rauft er sich zusammen und sagt zur Abwechslung was Nettes? Dazu muss er sich zusammenraufen?
Du ignorierst beides?
Wo ist die Beziehung?
Zitat von meg:Ich denke die ganze Zeit über Trennung nach und wie ich aus der Beziehung rauskomme, hoffe, dass es nicht zu sehr weh tun wird auf beiden Seiten,
Man kommt aus einer Beziehung raus, indem man eine Entscheidung trifft und bei dieser Entscheidung bleibt. So einfach und doch so schwer.
Und doch: Es wird wehtun.
Aber das, was du im Moment erträgst, das tut noch viel mehr weh. Allerdings spürst du das etwas weniger, weil du dich von den wenigen guten Momenten betäuben lässt, die es immer mal wieder gibt, auch wenn diese Momente immer weniger werden.
Und ich sage absichtlich, dass du dich betäuben lässt. Der Schmerz, den du vermeiden willst, der ist ohnehin da. Immer. Das weißt du doch eigentlich, oder?
Was du mit ihm machst, ist sehr ähnlich wie das, was er mit dem Al ko hol macht: Du weißt, dass da eigentlich schon lange keine Liebe mehr ist (war sie je da?). Du weißt, dass du dir mit dem Konsum (mit ihm) schadest. Dass du dich immer mehr selbst verlierst. Und doch erscheint es dir weniger schmerzvoll, für die immer kürzer werdende Betäubung bei ihm zu bleiben, als den Schmerz des Entzugs von ihm zu fühlen. Und es ist doch so, oder? Die Betäubung wird immer weniger, immer kürzer.
Es gibt kaum noch positive Seiten in dieser Beziehung. Und doch hältst du daran fest.
Ist dir mal aufgefallen, dass dies genau seinem Alk-Konsum gleicht?
Zitat von meg:habe ein schlechtes Gewissen, dass ich nicht mehr mit ihm über meine Gefühle rede (weil ich einfach keinen Stress mehr will und Beleidigungen von ihm, die dann immer zwangsläufig kommen bei schwierigen Gesprächen).
Du redest mit ihm nicht mehr über deine Gefühle? Wo ist die Beziehung?
Und du hast deswegen ein schlechtes Gewissen? Weil du nicht mehr beleidigt werden willst? Wo ist deine Beziehung zu dir selbst geblieben? Du hast ein schlechtes Gewissen, weil sich in dir noch ein minimaler Selbstschutz regt?
Zitat von meg:Ich bin traurig, fühle mich wie eine Verräterin
Wen verrätst du? Du glaubst, ihn zu verraten? Du verrätst vor allem dich selbst und das schon seit sehr langer Zeit.
Zitat von meg:Ich muss aus der Beziehung raus. Und wenn es erstmal Babyschritte sein müssen, um es ertragbarer zu machen.
Bitte, mach dir nicht länger etwas vor. Es gibt keine Babyschritte aus einer Beziehung heraus. Die Babyschritte, die dir vorschweben, führen nur dazu, dass du dich wieder von ihm einfangen (betäuben) lassen willst.
Es gibt ebensowenig Babyschritte heraus aus deiner Beziehung, wie es Babyschritte heraus aus seiner Alk-Abhängigkeit gibt.
Man kann sich nur entscheiden - und dann zunächst den Schmerz ertragen, der unweigerlich kommen wird.
Zitat von meg:Er hat diese innere Zerrissenheit nicht verdient.
Nein. Hat er nicht. Niemand hat das verdient. Du übrigens auch nicht.
Und ich muss dir nicht erklären, wie groß deine innere Zerrissenheit an der Seite eines Alks und Borderliners ist, oder?
Um deine innere Zerrissenheit kannst du dich kümmern. Um seine nicht. Das muss er selbst tun.
Zitat von meg:Ich will da nicht durch und ich möchte ihm das nicht antun.
Du möchtest ihm das nicht antun? Notfalls lieber dir selbst?
Du tust ihm nichts an. Das haben andere vor dir getan.
Und wieder andere haben dir etwas angetan, dass du glaubst, so viel ertragen zu müssen.
Ich habe deine drei Threads gelesen. Du hältst dich daran fest, dass er während eurer Beziehung Schritte nach vorn gemacht hat. Dass es Verbesserungen gab. Dass er weniger trinkt, dich weniger beleidigt.
Ich sehe das völlig anders, nachdem ich deine drei Threads gelesen habe.
Es wird immer schlimmer.
Du rettest ihn nicht mit eurer Beziehung. Und dich selbst rettest du erst recht nicht. Ohne es zu wollen, verstärkst du mit deiner Sorge um ihn die Probleme, die er ohnehin schon hat.
Und die Probleme, die du mit dir selbst hast, die verstärkst du auch.
Du weißt das eigentlich alles, oder?
Ich entnehme deinen Texten und der Art, wie du schreibst, dass du überdurchschnittlich intelligent und hochgebildet bist.
Du weißt das alles.
Zitat von meg:Ich brauche eure Unterstützung:
Was können wir für dich tun? Was brauchst du genau?