Ich will dir nicht mehr den Kopf waschen, das habe ich un alle anderen genüge getan. Bringt nicht wirklich viel, weil du auf die kritischen Fragen nicht eingehen magst.
Aber ich habe das Gefühl, dass Du sehr merkwürdiges Recht-Unrecht Empfinden hast.
Deswegen mag ich dir eine Geschichte erzählen.
Ich kenne eine Frau, sie ist seit knapp 2 Jahren eine Geliebte verheirateten Mannes. Außerdem eine gute Freundin von mir.
Wenn ich nicht wüßte, dass er zuhause eine Frau hat, würde ich meinen, dass ist die schönste Beziehung, die ich je gesehen habe. Ich habe die Beiden oft zusammen erlebt und dieses liebevolle Miteinander lässt einen durchaus neidisch sein! Außerdem ist das nicht so eine typische "Stunden für das Bett" Beziehung sondern eine sehr intensive. Er ist oft in der Woche bei ihr, am Wochenende ist er auch meist da, die Urlaube werden auch nur zusammen gemacht. Und alles, was man in jeder normalen Beziehung ebenso findet.
Eines Tages im Gespräch meinte ich zu ihr, er wird wohl bald für immer kommen?
Sie schaute mich traurig an, das erste Mal so richtig traurig! Erzählte wie sehr sie diesen Mann liebt, wie schön die Beiden haben und dass sie in knapp 2 Jahren noch nicht mal einen kleinen Streit hatten.
Aber dann sagte sie folgendes :
"ich will ihn nicht ganz! Heute nicht mehr! Er hat den Zeitpunkt verpasst! Heute sind die Verletzungen so groß und so viele, dass ich sie nie mehr heilen könnte und unsere Beziehung danach dadurch belastet wäre. Es reicht im Moment nur für das was wir jetzt haben. Zeitlich begrenzt und es ist gut so!"
Ich war zuerst sehr verwundert, musste nachhaken, wie das nun zusammenpasst. Liebevolle Beziehung, keine Streitigkeiten, woher dann die Verletzungen?
Das was sie mir danach erzählt hat, hat mir so bißchen das Hintertürchen eines Geliebtendaseins geöffnet.Und ich denke, dass selbst die nicht so gefühlsintelligenten Geliebten, die alle haben diese Last zu tragen. Die einen verstehen das, die anderen nicht, aber es sitzt so oder so tief drinne!
Wie sehen nun die Verletzungen aus, die in so einer Nebenbeziehung entstehen? In einer, in der Liebe großgeschreiben wird und keine Streitigkeiten vorhanden sind?
Wie hat er sie verletzt, habe ich gefragt.
Und sie sagte : "Jedesmal, in dem er mir sagte, ich seie die Frau, die er liebt. Und es gibt keine andere für ihn. Jedesmal, wo er nach diesen Worten mit Tränen in den Augen nach Hause zu ihr musste. Jedesmal, wo die Spontanität nicht leben konnte, weil ich an jenem Abend mich sehr einsam fühlte oder krank war und wo er mir herzzerreisende Mails geschickt hat, in denen er so gerne bei mir wäre und doch sich nicht so einfach ins Auto setzen konnte und zu mir fahren konnte.
Jedesmal wo er mir über seine Familie erzählte, die ich mittlere Weile alle vom Erzählen bestens kenne. Von den lieben Eltern, von den außergewöhnlichen Geschwistern, von den Familienfesten. So ob ich dabei war. Und doch bin ich eine Schattenfrau. Während er in meinem Kreis überall liebevoll aufgenommen wird, werde ich überall versteckt! Ich habe eine Identitätskrise, auch das ist eine Verletzung.
Und sogar solche, auf ersten Blick Kleinigkeiten, wie die Äpfel im Garten, die er ernten und danach selbst in Apfelmus verwerten muss, weil die zuhause sitzende Frau sich für nichts mehr interessiert, auch das ist eine Verletzung!
Ich erkenne meinen Anteil an diese Verletzungen, ich habe es zugelassen, aber nicht desto trotz, sind sie da und nur er konnte sie abwehren. Hat er nicht geschafft und jetzt kann nur der Tag kommen, wo ich gehen werde. Schon heute ist es für alles andere zu spät, und wenn ich gehe, dann heißt es, diese Verletzungen schnürren mir den Hals zu und sind so viele geworden, dass sie jede Liebe töten können.
Ich werde wohl vorher gehen müssen, damit mir diese schöne Zeit einigermaßen schön bleibt."
Ich habe sie verstanden, verstehst du es, Hope+Ful?
Vielleicht wäre es für dich leichter und vielleicht auch verständlicher, wenn du es verstehen versuchen würdest!
Ich wünsche es dir!
LG Gästin