Thomi
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vielen Dank für deinen Thread. Ich habe hier in dem Forum noch nie so eine Ehrlichkeit und schonungslose Mitteilung der eigenen Gefühle gelesen. Das ist sehr beachtlich und verdient Respekt. Damit machst du dich natürlich hier im Forum auch sehr verletzlich. Beachtlich auch das sensible und respektvolle Verhalten der anderen Forumsteilnehmer. (Habe allerdings den Mittelteil nicht gelesen.)
Du schilderst deine Emotionen so eindringlich, dass man unweigerlich den Schmerz nachempfinden kann. (Zum Glück klingst du auf den letzten Seiten schon wesentlich besser, als am Anfang des Threads.) Ich glaube, dass es auch sehr wertvoll für Affärenführer ist, die Sicht der AF zu lesen. Das kann einen nicht kalt lassen.
Es kamen ja schon sehr viel gute und gutgemeinte Ratschläge. Ich möchte dir trotzdem noch ein paar Sichtweisen mitgeben, vielleicht kannst du ja damit etwas anfangen.
Du beschreibst sehr richtig, dass Affärenfrauen stigmatisiert werden und Mitgefühl nicht vorhanden ist.
Zitat von Valerieee:Aber das meine ich: für die allzu menschlichen Reaktionen des betrogenen Ehepartners gibt es überbordenes Mitgefühl. Für den Schmerz, den eine verliebte Affärenfrau erleidet, gibt es praktisch null, dabei steht - in meinem Fall nicht- da genauso die Gesundheit und manchmal sogar das Leben eines Menschen und dessen Angehörigen auf dem Spiel.
Es klingt durch, dass die Menschen ja sogar die Welt deswegen ungerecht ist. Das ist wohl tatsächlich der Fall. Man kann sich oft sein Schicksal nicht aussuchen. Oft leiden Menschen an den Fehlern der anderen. Allerdings bist du in diesem Vergleich noch ziemlich gut weggekommen, denn
a) es sind "nur Gefühle", die verletzt wurden. Du kannst es als Lehrgeld verbuchen und in Zukunft vorsichtiger sein. Und
b) hattest du deutlich mehr Kontrolle über die Prozesse, als andere, die Empathielosigkeit und Ungerechtigkeit von Menschen bzw. dem Leben an sich erfahren haben.
Vielleicht kannst du so eine andere Perspektive auf deine Gefühle zu bekommen, auch wenn es ist nicht schön ist. Hast du denn das selbe Mitgefühl mit Menschen, denen es ungerechter Weise deutlich schlimmer geht?
Zum Thema Gerechtigkeit würde ich gerne wissen, wie eine gerechte Welt denn deiner Meinung aussehen sollte?
Welches Maß an Empathie sollten Affärenführer denn gerechterweise bekommen? Letztlich ist doch eigentlich alles außer der Hauptpreis, eine feste Beziehung mit dem Affärenpartner irgendwann unbefriedigend. Was nützt dir denn Mitgefühl, wenn du den Mann nicht haben kannst?
Zitat von Valerieee:Ich als Affärendame darf mir nie, niemals, sowas erlauben.
Ich darf nicht zweifeln - dann ist er weg, bei dir. Ich darf nicht schimpfen, dann ist er weg, bei dir. Ich darf mich nicht mies fühlen mit dieser Konstellation, dann ist er weg, zurück bei dir.
Diese Feststellung ist so schonungslos ehrlich wie erschütternd. Mir stellt sich die Frage, wie sich ein Mensch in so eine Situation bringen kann. Das merkt man doch nicht erst nach einem Jahr, oder? Man sieht doch wenn man sich auf dünnes Eis begibt, man eine Beziehung eingeht in der man nicht zu seinen Gefühlen stehen darf. Warum lässt man sich trotzdem darauf ein und rutscht immer tiefer in den Sumpf. Wieso hast du die Gefühle wie "Zweifeln, Schimpfen, mies Fühlen", etc. von Anfang an verleugnet? Ist es nur Bedürftigkeit oder auch fehlender Selbstwert? Hättest du diese Gefühle von Anfang an zugelassen, wäre die Affäre schnell vorbei. Du wärst gar nicht erst soweit gegangen, weil du die Verleugnung deiner essentiellen Gefühle bereits antizipiert hättest.
Abschließend möchte ich dir auf den Weg geben, dass das Leben (wie du jetzt weißt) kein Wunschkonzert ist. Intimität und Sexualität erzeugen so starke Gefühle, wie Geburt und Tod. Dass sich da Regeln und gesellschaftliche Normen ausgebildet haben ist mehr als verständlich. Affäre ist einfach kein geeigneter Rahmen für solche starken Gefühle. Das ist wie mit einem Ferrari fahren. Macht unglaublich Spaß, man sollte sich aber an die Regeln halten, Autobahn und Straßenschilder und nicht querfeldein.
Alle Gute!