@Florentine
Zitat:(...) Ich lerne zunehmend, das zu zeigen und auch zu sagen - auch wenn ich merke, dass ich da Hemmungen habe, mich so zu öffnen und verletzlich zu machen.
"Was könnten die Anderen denken, sagen, wenn ich mich so verhalte, wonach mir gerade
in Zeiten von Trauer/Schmerz/Verlust gerade ist!"
Gerade SO zu sein, DAS zu zeigen, DAS zu sagen, wonach einem gerade ist, macht doch niemand bewusst! Sich zusammenzureißen - das geschieht bewusst. Sich nicht gehen zu lassen - kann das immer vermieden werden?
Wir sind alle Menschen mit Gefühlen, Emotionen, gehen introvertiert oder auch extrovertiert mit schwierigen Situationen um, versuchen zumindest, einen Umgang damit zu finden. Es gibt da kein "richtig", kein "falsch" - es klappt oder es klappt nicht gibt es sehr wohl.
Gegenüber eigenen Kindern, engsten Angehörigen....da fällt es mir jetzt schwer, Worte zu finden.
Du schreibst "Ich lerne zunehmend, das zu zeigen und auch zu sagen"....das ist schon ein großer Fortschritt, um auch "zunehmend" evtl. Hemmungen abzulegen, offener zu werden.
Ich habe lernen müssen, dass ein sich "mehr und mehr öffnen" anfangs zwar verletzlich machen kann.... zumindest hatte ich den Eindruck von mir. Mit der Zeit schwand das allerdings, je offener ich mit mir selbst umging, was NICHT heißt, mich Anderen gegenüber in gleicher Weise geöffnet zu haben.
In Zeiten der Trauer, des Schmerzes ist es oft schwierig, Gefühle, Emotionen zu kanalisieren. Muss dann ständig "kanalisiert" werden? Geht das überhaupt? Was tun wir uns selbst an, wenn ständig "kanalisiert" wird, um Contenance gerungen wird. Natürlich geht es auch darum, die Fassung zu wahren. Aber können/wollen wir das alles immer
mit uns selbst ausmachen?
Ich fuhr mit meiner Schwester aus einer Klinik heim, in der ihr Mann (und sie) gerade erfahren hatten, dass ihr Mann (sehr zeitnah) sterben wird - mit 52! Auf der Autobahn plötzlich ein Schrei im Auto. Ich bekam einen Schrecken, suchte eine Haltemöglichkeit,
fuhr rechts ran. Sie schrie und schrie und schrie. Wie sollte es mir in dem Moment gelingen, sie ....!" Wir saßen dann minutenlang schweigsam im Auto. 16 Tage später verstarb ihr Mann, der für mich wie ein Bruder war, ganz anders, als mein leiblicher Bruder.
Was ich damit sagen möchte - es gibt kein "falsch", kein "richtig" in den Reaktionen, im Umgang mit Sterben, Tod, Trauer. Aus meiner Sicht - es passiert, was passiert. Und das ist okay so.
Gleich gehe ich erneut ans Grab der Eltern....Kerzchen anzünden, mit ihnen reden....