Katy83
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Als ich 20 war, lernte ich einen Mann (damals 29 heute 53) kennen. Wir verbrachten Zeit miteinander, küssten uns und zwischen uns war eine spürbare Anziehung, das ging ca 2 Jahre so. Trotzdem wurde nie eine Beziehung daraus. Irgendwann verloren wir den Kontakt.
Was mich allerdings all die Jahre begleitet hat, war das Gefühl, dass zwischen uns etwas Besonderes gewesen ist. Ich kann das bis heute nicht wirklich erklären. Es war kein großes Drama, keine lange Beziehung und trotzdem blieb immer die Frage, was diese Begegnung eigentlich für ihn bedeutet hat.
Über die Jahre habe ich mich immer wieder gefragt: Was macht er heute? Wo lebt er? Wie ist sein Leben verlaufen?
Vor einigen Monaten habe ich ihn zufällig auf einer Plattform wiedergefunden und angeschrieben. Er hat sich darüber gefreut und wir wechselten anschließend zu WhatsApp.
Ich wusste relativ schnell, dass er verheiratet ist, nicht in meiner Nähe lebt und beruflich sehr eingespannt ist. Deshalb ging es mir gar nicht darum, eine Affäre oder Beziehung anzubahnen. Ich wollte vor allem den Menschen kennenlernen, der aus dem jungen Mann von damals geworden ist.
Der Kontakt war von Anfang an freundlich.
Wir schrieben immer wieder, erinnerten uns an gemeinsame Erlebnisse und tauschten uns über unser heutiges Leben aus. Er reagierte regelmäßig auf meine WhatsApp-Status und ich auf seine. Wir haben mal über ein gemeinsames Treffen mit weiteren Leuten von damals gesprochen, aber es hat sich nicht ergeben.
Gleichzeitig hatte ich immer öfter das Gefühl, dass ich den Kontakt stärker trage als er.
Er antwortete freundlich, aber eher kurz. Richtige Gespräche entstanden selten und meistens musste der Impuls von mir kommen.
Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass ich ihm völlig egal bin. Gerade deshalb konnte ich die Dynamik nie richtig einordnen.
Vor ein paar Tagen passierte dann etwas, das mich völlig aus der Bahn geworfen hat.
Auf der Plattform, über die wir uns ursprünglich wiedergefunden hatten und auf der wir seit Monaten überhaupt nicht mehr geschrieben hatten, bekam ich plötzlich aus dem Nichts folgende Nachricht:
"Weiterhin alles Gute, Kathrin."
Das war alles.
Ich war völlig irritiert, weil wir doch längst über WhatsApp Kontakt hatten und er dort erst wenige Tage zuvor noch ganz normal auf einen meiner Status reagiert hatte.
Ich antwortete auf der Plattform und fragte höflich, ob es einen bestimmten Grund habe, dass er mir ausgerechnet dort schreibe.
Darauf bekam ich keine Antwort.
Kurz darauf reagierte er jedoch auf WhatsApp wieder ganz normal auf meinen Status, likte ihn und schrieb sogar noch ein "u2 😇".
Ich fragte darauf locker:
"Wie geht's dir eigentlich?"
Seitdem herrscht Funkstille.
Genau dieses widersprüchliche Verhalten verstehe ich nicht.
Warum schreibt jemand auf einer alten Plattform einen Satz, der wie ein Abschiedsgruß wirkt, reagiert gleichzeitig freundlich auf WhatsApp und geht dann auf keine meiner Fragen mehr ein?
Diese Situation hat mich emotional stärker getroffen, als ich gedacht hätte.
Dabei ist das Verrückte:
Mein Leben ist eigentlich gut. Ich bin glücklich, habe einen erfüllten Alltag und grundsätzlich geht es mir wirklich gut.
Und trotzdem schafft es ausgerechnet dieser Mensch nach 20 Jahren noch immer, etwas in mir auszulösen.
In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, dass ich eigentlich zwei große Fragen hatte.
Die erste habe ich beantwortet bekommen.
Ich weiß heute, wie sein Leben verlaufen ist, wo er lebt und was aus ihm geworden ist.
Die zweite Frage ist aber bis heute offen geblieben:
Was war ich eigentlich für ihn?
Nicht heute, sondern damals.
War diese Verbindung für ihn ebenfalls etwas Besonderes oder habe ich all die Jahre etwas gespürt, das nur in mir existierte?
Ich merke, dass ich für mich einen Abschluss brauche.
Nicht unbedingt auf jede Frage eine Antwort.
Aber ich möchte nicht noch einmal Jahrzehnte mit unausgesprochenen Gedanken verbringen.
Deshalb überlege ich, ihm – falls von ihm weiterhin nichts kommt – in ein oder zwei Wochen noch einmal zu schreiben.
Nicht, um ihn zu überreden oder unter Druck zu setzen.
Sondern weil ich heute anders leben möchte als früher.
Ich habe in meinem Leben zu oft Dinge nicht ausgesprochen und möchte mir dieses Mal selbst treu bleiben.
Mich interessiert deshalb eure Sicht von außen.
Wie würdet ihr sein Verhalten einordnen?
Und würdet ihr an meiner Stelle irgendwann noch einmal ehrlich schreiben oder die Geschichte einfach ruhen lassen?