Zitat:Ob sich das in diesem Leben nochmal ändert?
ja, ich denke schon liebe Sonne. Du hast so viel gesundes und konstruktives und auch viel Liebe in Dir und Du bist sehr bewusst.
Ich weiß auch nicht, wie man dieses Beziehungsmuster- diesen Kampf um die Liebe des Vaters, darum gesehen zu werden usw., loslassen kann.
Den negativen Verführungen zu widerstehen, ist schon mal ein guter erster Schritt, der den Raum in einem frei macht, dass Neues wachsen kann, man neue Erfahrungen macht. Das ist ja in einer Beziehung, in der man ständig mit Kämpfen beschäftigt ist, nicht möglich. Man ist vollkommen eingenommen davon.
Auch ich kenne diesen Sog und das Widerstehen aus Vernunftsgründen, habe vor einiger Zeit aber einmal gedacht, dass es verdammt anstrengend ist, über Jahre um der Heilung Willen Dinge NICHT zu tun. Also immer einem inneren Drang widerstehen. Ich übertreibe bewusst: sich nicht auf einen Narz einlassen, keine Dr.ogen nehmen, seine Ängste überwinden- auch wieder ein Handeln gegen etwas im Inneren, nicht alten Mustern verfallen, nicht hysterisch herumschreien, wenn man Angst hat usw. usf.
Also ein permanentes sich im Zaum halten, um gesund zu werden. Ich habe das über Jahre getan und bin erschöpft davon.
Ich habe mich mal gefragt, ob das je ein Psychologe bedacht hat? Was es psychisch bedeutet auf dem Weg zur Heilung ständig zu widerstehen, etwas nicht zu tun.
Wie läuft das bei einem gesunden Menschen? Klar muss der sich auch mal zu etwas überwinden, aber es ist ja nicht ein ständiges wider die eigene gestörte Natur handeln.
Ich habe etwas weit ausgeholt, eigentlich möchte ich sagen, dass sich irgend etwas im Inneren grundlegend verändern muss, damit man nicht ewig einfach nur solchen Narzen widersteht. Ideal wäre es ja, sich zu ganz anderen Männern hingezogen zu fühlen. Sonst muss man immer nur der Sehnsucht widerstehen, auch der Hoffung, die da in einem schlummert uvm.
Ja, diesbezüglich habe ich wohl den kleinen Vorteil, dass ich damals eine ziemlich gute Bruderbindung hatte. Dennoch erinnere ich noch ganz genau, dass ich als junges Huhn in Therapie saß, ich hatte meinen Freund gerade erst kennengelernt, und mir irgend etwas an ihm misshagte. Meine Therapeutin hakte nach und ich sagte, dass es irgendwie langweilig sei weil das Drama fehle. Ich war damals noch recht unbewusst und habe das als Defizit meines Freundes empfunden, nicht als mein eigenes.
Ich habe dann erst im Laufe dieser Beziehung gelernt, was es bedeutet, eine Beziehung zu führen und das Liebe nicht bedeutet, dauernd die alten Wunden anzutriggern.
Das habe ich durch diesen Mann wirklich erfahren, nicht erdacht. Gelesen hatte ich es damals schon in Psychobüchern und habe höhnisch drüber gelacht. Habe mir etwas gedacht wie: was`n das für ne lasche lauwarme Liebe?! Was für langweilige Weicheier!
Vor einiger Zeit schickte mir ein Bekanner eine kurze Videoaufnahme von einem gemeinsamen Ausflug im Grünen. Eine sehr idyllische Szene, Sonnenschein, ein Flüsschen das plätschert, Entenbabies usw. Er filmte es entzückt. Ich habe mich geweigert, mich filmen zu lassen, man hört aber plötzlich meine Stimme dazwischen funken "Oh sag doch mal was Existentielles!"
War zwar witzig gemeint, zeigt aber mein Muster.
Zitat:Meinen Vater habe ich auch immer nur von HINTEN gesehen. Ich weiß noch, wie oft ich als kleines Mädchen zusammengekauert vor seiner Bibliothekstür gesessen habe, hinter der er sich verschanzt hat... in der Hoffnung, dass er aufmacht und mich reinlässt.
Zitat:Ich hatte schon ab der Kindheit so oft Zoff mit ihm insofern, als dass ich ja immer sein Blitzableiter war. Ich bin dann immer weinend in mein Zimmer und habe dort sehnsüchtig gewartet, dass er vielleicht mal kommt, sich entschuldigt, erklärt o.ä.
Kam NIE!
Zitat:Dafür musste aber bei dem nächsten Zusammentreffen - meist zu TISCH - immer wieder so getan werden, als sei nix gewesen.
Zitat:So ähnlich fühlte es sich mit meinem Ex.-N. für mich auch lange an.
Ja und das sind ja auch die drei Szenen, die Du dann wahrscheinlich oft mit Deinem Narz erlebt hast, nicht wahr? Werden diese Erlebnisse getriggert, löst das wahrscheinlich starke Gefühle, Liebe in Dir aus.
Und dieses so tun, als ob nichts gewesen wäre, führt dann wohl auch dazu, dass man dann später als Erwachsene so "wunderbar" das, was einem gerade angetan wurde, abspalten kann. Und so kommt es dann zu dem im Forum häufig geschriebenen: er verletzt mich wieder und wieder, ich weiß, er tut mir nicht gut aber ich habe solche Sehnsucht und liebe ihn...
Etwas in einem tut so, als sei nichts passiert, nur mit dem Kopf kommt man da heran, das Innere entzieht sich.
Schafft man es dann aber tatsächlich, auf Distanz zu gehen, oder sich gar zu trennen, dann funkt einem das andere alte Muster rein: sehnsüchtiges Warten, dass der Partner Einsicht zeigt, sich entschuldigt und dann vielleicht alles endlich gut wird. Das spielt sicherlich in diese auch nach der Trennung ewig anhaltende Sehnsucht nach dem Ex-Narz mit hinein. Man kann nicht aufhören zu warten und zu hoffen.
Wirklich schwierig.
Bei mir sind es etwas andere Verletzungen und Muster als bei Dir, aber der nicht nur gedachte, sondern auch empfundene Irrtum ist der gleiche: zu glauben, dass Liebe mit diesen oben genannten Themen, Wiederholungen, Empfindungen nur irgend etwas zu tun habe. Ich habe es so lange geglaubt! Ah, dieses intensive Gefühl, Ah! dieses Thema...Das ist Liebe! Man wühlt tatsächlich nur in alten Wunden und beschränkt sich maßlos im Erleben.... Es fühlt sich intensiv an, ist aber doch irgendwie ein kleiner Käfig mit zwei kranken Tieren drin, die sich ständig beißen. Völliger Irrsinn und sooo eng diese Welt.
Heute empfinde ich Gott sei Dank gegenüber solchen "Kinder-Schmerz-Reizen" die Männer auslösen keine, wenig oder nur ganz kurzfristige Verführbarkeit. Eher wird mir langweilig, wenn in einer Liebesbeziehung wieder zu viel Kampf steckt.
Das Ringen miteinander ist dann doch eigentlich das hauptsächliche Beziehungsthema, Inhalt der Beziehung.
Man denkt immer: wenn es nur endlich aufhören würde, er sich ändern würde, dann wären wir ein glückliches Paar!
Ich vermute aber, dass solch eine Beziehung gar nichts anderes hält, als eben das Drama und der Kampf.
Ich liebe es, wenn ein Mann mich ganz ohne Ansage dazu verführt, mich mit allen möglichen Themen zu befassen, was auch immer es sei, mag man auch eine gemeinsame Pilzsammelleidenschaft entwickeln

....Darauf kannst Du ja mal ein bisschen achten Sonne. Ich schrieb es ja heute schon- achte genau darauf, womit Du Dich gedanklich befasst, sobald ein neuer Mensch in Deinem Leben ist. Er sollte doch eine Bereicherung sein, positives bewirken....
Ich habe in einer Beziehung z.B. festgestellt, dass ich begann ständig über meine Optik nachzudenken und das immer mehr oder weniger sorgen- oder schmerzvoll. Das war zuvor nie zentral bei mir. Mein Freund war extrem auf mein Äußeres fixiert und wie auch immer man das bewerten will, ich habe einfach nur gemerkt: sehr viel Energie und Zeit geht in das Kreisen um Müll! Ich musste mich trennen. Nur um mal ein Beispiel zu nennen.