Zitat von Spinnewind: Mein Mann ist sehr lieblos aufgewachsen.
Ich dachte die ganzen Jahre, dass ich ihm meine Liebe und Wärme gebe und er es irgendwie mir wenigstens in kleinen Stücken wiedergibt.
Ich litt natürlich darunter, aber ich liebte ihn und hätte für ihn mein Leben gegeben.
Hallo Spinnewind, das tut mir sehr leid, was du jetzt durchmachst. Ich hoffe sehr für dich, das dein Mann zurück kommt aber falls das überhaupt der Fall sein sollte, richte dich auf eine sehr lange Durststrecke ein.
Dein Mann ist sehr lieblos aufgewachsen und du wolltest ihm die fehlende Liebe geben. Das hört sich jetzt hart an aber das war wahrscheinlich schon der erste Denkfehler. Fehlende Liebe vom Elternhaus kann leider kein noch so liebevoller Partner ersetzen. Im Gegenteil. Dein Mann ist derart enge Beziehungen nicht gewöhnt, er kann damit nichts anfangen. Ich kann da aus eigener Erfahrung berichten, denn ich habe ähnliches erlebt. Wird mir eine Bindung zu eng, laufe ich davon.
Tja, dein Mann ist 30 Jahre geblieben. So viel wirst du also nicht falsch gemacht haben. Dass er jetzt ausbricht in der von dir beschriebenen Situation mit Todesfällen, erwachsen werdenden Kindern ist aber recht typisch. Jetzt wo alles andere wegbricht, bleibst ihm nur noch du. Und genau davor graut es ihm. Du mit deinem LIebesüberschuss erscheinst ihm bedürftig und klammernd. In der Reha witterte er Morgenluft bei der anderen Frau und möglicherweise stellt dieser Ausbruch aus eurer Ehe seine Balance wieder her. Er findet mit ihr nämlich seine Autonomie wieder und befriedigt seinen Freiheitsdrang. Gleichzeitig bedeutet diese junge, frische Verliebtheit für ihn Lebendegkeit und Jugend. Ein krasser Gegensatz zum Sterben und Altern, was ihm eben in eurer Familie droht.
Das mag sich alles krass anhören aber genau das treibt ihn wahrscheinlich gerade um. Sein Whatsappkontakt ist seine Draht zum Leben in Freiheit, deshalb hütet er sein Handy wie einen Schatz.
Was du jetzt auf keinen Fall machen darfst, ist Druck ausüben, kontrollieren oder rumzicken. Konfrontiere ihn einfach mit den Konsequenzen seines Handelns. D.h. wende dich ab und leben dein Leben. Äußere vielleicht deinen Trennungswunsch, such dir eine Wohnung uns zeige Stärke. Nur so hast du eventuell eine Chance, ihn zur Vernunft zu bringen. Zeige ihm sehr deutlich, welche finanziellen Auswirkungen seine Entscheidung haben wird. Lass dir deine Unterhaltsansprüche ausrechnen. Nach dieser langen Ehe dürften die erheblich sein und nicht mit der Scheidung enden. Solltest du weniger verdient haben als dein Mann, steht dir ein nachehelicher Unterhalt zu und natürlich die Hälfte seiner Rentenanwartschaften. Außerdem ist er natürlich eurem Sohn zu Unterhalt verpflichtet.
Die Konfrontation mit den finanziellen Belastungen sollte als Schocktherapie ausreichen. Und wenn er dann Anstalten macht, sich dir wieder zuzuwenden, kannst du deine Bedingungen diktieren. Aber eben erst dann und nicht schon im Vorfeld. Das wird nichts bringen denn momentan ist dein Mann hormonvernebelt.
So schwer es dir fallen wird, jetzt musst du Stärke zeigen und knallharte Konsequenz. Liebe, Versöhnung und Bedürftigkeit deinerseits werden deinen Mann weiter fort treiben. Denn genau das braucht er jetzt gerade nicht. Jedenfalls nicht von dir.
Ich hoffe, du kannst das ein bisschen nachvollziehen. Auch wenn es sich sehr hart anhört.
Ich wünsche dir alles gute.