UlkigerVogel
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Nein, nicht immer. Wie hoch wird heute das Thema Selbstverwirklichung gehängt? Wie stark hängen Menschen der Idee an, ein wie auch immmer geartetes Maximum aus ihrem Leben zu holen? Welche religiösen und gesellschaftlichen Schranken gibt es denn noch für Scheidung? Ich erinnere mich an Alfred Herrhausen, der als Vorstandssprecher der Deutschen Bank sein Amt zur Verfügung stellte, weil er sich hat scheiden lassen. Gibt es das heute noch? Nein. Wer verlassen wird, hat einfach oft den Fehler, jeden Tag derselbe zu sein. Dann sitzt man bei Wurstbrot und Pfefferminztee am Abendbrottisch - und das ist gegenüber einer heißen Nacht im Hotel mit der Affäre ja sterbenslangweilig, nicht wahr?
Und damit kommt ein zweiter Punkt ins Spiel: Diese heute so weit verbreitete Anspruchshaltung einer Ehe gegenüber. Was da nicht alles sein soll! Einfach nur da zu sein als Partner, reicht nicht aus. Es wird ständig beurteilt. Die so denken, stellen sich selten die Frage, ob sie denn selber auch so beurteilt werden möchten. Ja, und dann gibt es noch den Aspekt des Älterwerdens. Manche ertragen das nicht und sehen darin den Verlust von Attraktivität. Genau das kann man aber mit einer Affäre prima wegbügeln: Man wird ja begehrt! Viel mehr als vom langjährigen, langweiligen Partner. Man kann eine langjährige Partnerschaft als Hafen und Heimat ansehen. Aber auch ganz anders, nämlich als das Ende. Da kommt nichts (anderes) mehr. Kein anderes Haus, keine andere Frau. Das kann Angst machen. Und kann zu Ausbrüchen führen. Mit Affäre und Chaos usw.
Mit hat es für die Verarbeitung der Scheidung total geholfen, mir diese komplexe Gesamtlage vor Augen zu führen. Das alles sacken zu lassen, dauert. Es immer wieder gute Phasen, die mit schlechten abwechseln. Nach 5 Jahren merkte ich dann plötzlich, dass die Löcher, in die ich immer wieder fiel, nicht mehr da waren. Weihnachten allein - war in Ordnung! Hochzeitstag - in Ordnung. Sein Geburtstag - fast vergessen. Das Leben alleine in unserem ehemaligen gemeinsamen Zuhause - auch okay. Man muss nachsichtig mit sich sein. Es sind 1000 kleine Schritte. Ganz kleine Schritte.