Stahlseide
Gast
Hallo D.,
ich habe nun viel Zeit zum Nachdenken gehabt und ein interessantes Buch gelesen, viel mit Freunden geredet und war in einem Trennungsforum aktiv. Um mit „uns“ abzuschließen schicke ich dir das hier.
Momentan bin ich noch ziemlich wütend auf dich. Das ist gut, denn es bedeutet, dass ich dich nicht mehr auf ein Podest stelle und nicht sehen will, was du falsch bzw. schlichtweg gar nicht getan hast und es bedeutet auch, dass ich einen wichtigen Schritt weitergegangen bin. Es gibt ein chinesisches Sprichwort, dass sehr gut dazu passt, wie ich diese Beziehung erlebt habe: Zwischen Worten und Taten liegt ein Meer. Ich glaube dir gern, dass du gewollt hast, dass es passt. Und ich werfe dir nicht vor, dass du weniger Gefühle für mich hattest als ich für dich. Was ich dir aber vorwerfen kann und tue ist, dass du nicht mit mir geredet hast. Du hast dich gern mit meinen „Fehlern“ auseinandergesetzt, Dingen, die dich an mir stören. Aber du hast nicht darüber geredet wie du dich wirklich fühlst.
Während ich immer größere Anstrengungen unternommen habe dir nah zu sein bist du immer weiter zurückgewichen. Statt mit mir ehrlich zu sein, dass dich das genervt hat oder was auch immer, hast du dich immer weiter von mir entfernt und ich habe mich am Ende gefühlt, als würde ich mir das nur einbilden und damit wieder mich infrage gestellt. Das war nicht in Ordnung. Nebenbei, die Probleme, die du aufgezeigt hast, insbesondere die Tage, an denen es mir nicht gut ging und ich dir tatsächlich mal Vorwürfe gemacht habe, sind für viele Frauen normal. Genauso sind Org**musprobleme. Dass du dich damit nicht auseinandersetzen wolltest ist schade. Das solltest du aber in Zukunft tun, falls du nochmal eine Beziehung mit jemandem führen möchtest. Beides hat mich verdammt nochmal sehr verletzt. Aber ich sehe es jetzt als das, was es ist – deine nicht vorhandene Erfahrung und vielleicht auch mangels Zuneigung einfaches Desinteresse.
Ich habe dir mal gesagt, dass es anders ist, wenn man jemanden liebt. Dass man dann soviel Zeit wie möglich mit der Person verbringen will, kleine Aufmerksamkeiten macht und auch machen möchte. Und das alles nicht aus langen Überlegungen heraus, sondern weil es einem selbst ein tiefes Bedürfnis ist. Das alles war bei mir da, wahrscheinlich zu sehr. Ich wünsche dir, dass du dich einmal richtig verliebst und das dann auch erwidert wird.
Mir geht es gut. Ich habe mittlerweile 12 kg verloren, laufe jeden Tag zur Arbeit und zurück, immerhin insgesamt 90 Minuten und esse und trinke sehr viel vernünftiger. Momentan arbeite ich an der Bewerbung für die Erzieherschule. Das ewige Geheule hat endlich aufgehört, auch wenn es noch ab und an wehtut, das wird wohl leider auch noch eine Weile so bleiben. Zum Zocken habe ich eine merkwürdige aber auch liebenswerte Truppe gefunden – sind bisher alles nur Jungs und junge Männer, aber ich wurde direkt aufgenommen und habe viel Spaß und Ablenkung.
Ich wünsche dir alles Gute für das Studium. Eine Freundschaft zwischen uns kann ich mir nicht vorstellen. Es wird lange dauern bis ich dir verzeihen kann, dass du mich im Stich gelassen hast, als es mir wirklich schlecht ging. Wären die Rollen getauscht gewesen hätte ich zumindest versucht dir zu helfen. Das war mit das Härteste für mich. Also nein, ich möchte nicht mit dir befreundet sein. Nachdem diese Nachricht abgeschickt ist werde ich dich bei FB wieder blocken, bei Whatsapp habe ich das auch schon getan. Es geht mir besser damit und nur darum geht es, deswegen auch dieser lange Text. Ich kümmere mich wieder um mich selbst. Lebwohl

Alles Gute, Kraft & Liebe.