Hallo Holly,
ich lese deinen Thread schon sehr lange mit und möchte dir sagen, was mir der Kindsvater 12 Jahre nach der Trennung gesagt hat. Er hat sich auch fast nicht gekümmert und ich durfte vom Wohnzimmer aus zuschauen, wie er seine neue Freundin seinen Eltern vorgestellt hat. Sie war wichtiger, dachte ich, denn immer öfter hat er die Kindwochenenden abgesagt. Rückblickend betrachtet muss ich reflektiert sagen, dass ich da meine Aktie dran hatte, denn ich habe ihn immer wieder indirekt oder direkt konfrontiert. Wenn der Andere sich trennt, will er Abstand zu den unangenehmen Gefühlen, die mit Schuld etc. verbunden sind. Es ist egal, ob du leidend schaust oder nicht, oder nichts sagst, oder wie ein Häufchen Elend aussiehst- er will es nicht sehen, nicht wissen, sich dem nicht stellen. Das hat er mich viele Jahre später wissen lassen, meine unterschwelligen Vorwürfe, meine Schuldzuweisungen, alles. Ich habe auch gedacht, er kommt schon zurück- er kam aber nicht. Ich war darüber verbittert und habe ihn das ständig unbewusst spüren lassen. Auch ich habe immer auf den Kontakt gedrängt- aber ehrlicherweise in der falschen Hoffnung, er überlegt es sich nochmal.
Das mag feige sein, was er tut, aber das ist menschlich. Er will Abstand und hält unbewusst euer Kind fern, um nicht ständig mit dir konfrontiert zu werden, sei es, weil der Kleine vielleicht Dinge erzählt, oder er ihn immer wieder an seine Taten erinnert.
Du willst ihn zurück und falls nicht, wünschst du ihm alles Schlechte, auch du bist nicht in der Lage, die Paar- von der Elternebene hundertprozentig zu trennen und das weiß er! Er versucht, dem ganzen zu entgehen, denn er will im Moment die Konfrontation mit dir nicht.
Auch wenn das schwer ist, aber lass die Zeit für dich arbeiten. Wenn dein oberstes Interesse tatsächlich der Kontakt zwischen den Beiden ist, dann gib dem Ganzen Zeit. Du bist leider in der unglücklichen Lage, dass du alles vor der Nase miterleben musst und auch er muss das. Er sieht jeden Tag, wo er mal gelebt hat, mit wem, er wird ebenfalls täglich daran erinnert, was schief gelaufen ist, und er versucht, sich dieser Situation zu entziehen. Sei es mit Wohnungssuche oder mit wenig Kontakt zu dir und dem kleinen.
Versteh mich nicht falsch, ich finde es gut, dass du ihm das Kind nicht vor enthältst, trotzdem solltest du ihm jetzt die Zeit geben, von selbst wieder aktiv zu werden. Das wird er erst, wenn du wieder lebst, wenn er merkt, dein Fokus richtet sich von ihm weg- dann kann er auch wieder entspannter mit dir umgehen. Das klingt sicher absurd, er hat sich schließlich getrennt wegen einer anderen Frau, aber das, was du jetzt erreichen möchtest, kannst du nur, wenn du los lässt und den Dingen erstmal ihren Lauf lässt.
Ich würde auch versuchen, den Kleinen dahingehend ein bisschen abzuklären, ihn zu vertrösten, ich habe meinem Kind alles mögliche erzählt, damit er seinem Vater gegenüber nicht wütend wird. Beide haben mir das irgendwann gedankt, insbesondere mein Kind, weil er völlig unvorbelastet irgendwann die Beziehung zu ihm wieder aufnehmen konnte. Es sind Probleme der Erwachsenen und ich glaube ihm, dass er sein Kind vermisst- aber er hat einen Konflikt mit dir und du bist nunmal der heiße Draht zum Kind.
Vielleicht denkst du dir jetzt, so ein Quatsch- aber ich habe das alles selbst durch und mit genug Abstand betrachtet kann ich mir eingestehen, dass immer zwei dazu gehören. Vielleicht hilft dir diese neue Sicht der Dinge auch ein bisschen. Ich wünsche dir alles Gute.