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Nach fast 12 Jahren verlässt Sie mich

ganzallein

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Wir lernten uns vor knapp 12 Jahren (09/2006) kennen. Sie war damals 17 und ich 20 Jahre alt. Es hat knapp drei Monate intensive ICQ- und MSN-Chats benötigt bis zu unserem ersten Date. Wir kamen dann recht schnell zusammen und führten knapp drei Jahre eine glückliche Fernbeziehung, da ich beruflich in Deutschland noch sehr viel unterwegs war. Nahezu jedes Wochenende bin ich zu ihr fahren - egal wie weit der Weg auch war.

Da jetzt ihr Studium anstand und ich vorerst beruflich an einem Ort verbleiben musste, entschieden wir in unsere erste gemeinsame Wohnung zu ziehen. Alles war bestens. Natürlich gab es immer mal ein wenig Streit über die Nichtigkeiten des Lebens oder unterschiedliche Ausrichtungen, aber vielleicht hätte ich damals schon merken müssen, dass es nicht funktionieren kann. Schon früh in unserer Beziehung musste ich erkennen, dass Sie oftmals nur an ihre eigenen Interessen denkt oder mich auf eine Stufe mit (neuen) "Freunden" stellt. Vielleicht habe ich mich so sehr an eine Zukunft mit ihr geklammert, dass es unvorstellbar war nicht mit ihr zusammen leben zu wollen. Sie ist eine wunderschöne Frau, die sehr gut bei Männern ankommt und eigentlich schon immer weit über meiner Liga. Vielleicht kam das auch noch dazu. Ich habe ihr immer Ihren Freiraum gelassen, weil sie den einfach brauchte. Ich habe sie in allem unterstützt die Jahre und gleichzeitig nie wirklich etwas von ihr eingefordert. Aber wie sollte ich auch, wenn sie plötzlich wieder das süße Mädchen ist, das in deinem Arm liegt und einen anstrahlt. Dann sieht man nur die positiven Dinge die man an ihr hat. Ich will auch gar nicht bestreiten, dass ich nicht auch einige Macken habe, die vielleicht auch schließlich zu unserer Trennung führten.

Im Jahr 2013 musste ich nochmal für ein Jahr weg. Wir führten wieder eine Fernbeziehung. Doch als ich wieder kam suchte sie das erste mal ein Gespräch auf: "Ich weiß nicht, ob das Freundschaft oder Liebe ist". Für mich brach eine Welt zusammen, denn ich habe es absolut nicht kommen sehen. Sie wollte zu Ihren Eltern ziehen, aber ich hielt sie auf und wir sprachen darüber.

Ein halbes Jahr später im Frühling 2015 suchte Sie sich nach dem Studium einen Job in der Nähe ihrer alten Heimat. Auch das hatten wir nicht wirklich "gemeinsam" entschieden, aber ich akzeptierte es, denn es war für sie eine große Möglichkeit. Ich richtete meine Zukunft danach aus und wollte im Herbst ein Studium in der Nähe beginnen. Wir führten für einige Monate eine Fernbeziehung und zogen anschließend wieder zusammen. Leider fanden wir keine anständige Wohnung in dem Raum in dem wir eigentlich leben wollten, also haben wir uns notgedrungen für etwas zwischen ihrem Arbeitsort und meiner Hochschule entschieden. Das war der größte Fehler, denn aufgrund des vielen Berufsverkehrs brauchte sie so pro Strecke fast eine Stunde fahrt, was über Monate unsere Beziehung stark belastete. Sie war nur noch schlecht gelaunt nach der Arbeit, ich vertieft in mein Studium. man lebte absolut parallel.

Im Sommer 2016 suchte sie das Gespräch und teilte mir mit, dass sie in die Großstadt ziehen wolle. Alleine. Sie sei unglücklich und habe Angst etwas zu verpassen. Ich war zu diesem Zeitpunkt genauso genervt von Ihr und lies sie gewähren. Schon damals hatte ich starken Trennungsschmerz, aber konnte ich Ihr handeln irgendwie nachvollziehen. Sie ist vorerst zu ihren Eltern gezogen. Meine Semesterferien hatten gerade begonnen und ich hatte einfach nichts zu tun. Ich habe viel Sport gemacht und versucht damit klar zu kommen. Auch ihre Eltern oft besucht und bin darüber auch irgendwie nach einem Monat wieder in Kontakt mit ihr getreten. Sie wollte mich regelmäßig sehen, teilweise drei bis viermal aber die Woche, auch wenn anfangs kalt und freundschaftlich. Teilweise hätte man vielleicht aber auch denken können, dass wir gar nicht richtig auseinander waren oder sie Ihre Entscheidung doch bereut, aber unsicher war. Nach drei Monaten hat sie dann eine Wohnung gefunden. Ich habe ihr (als einziger Freund) beim Umzug geholfen. Später sagte ich ihr aber, dass ich jetzt nicht mehr so für sie da sein kann wie bisher, weil ich damit abschließen müsse. Sie hat mich geküsst und es fühlte sich an wie zehn Jahre zuvor.

Wir waren wieder zusammen und glücklich, wenn auch wohnlich getrennt. Es war alles bestens. Jeder war zufrieden und konnte seinen Freiraum genießen. Ich brauchte ihn für mein Studium und sie brauchte Ihn, um sich mit Kollegen/innen in der Großstadt zu treffen. Weihnachten 2017 machte ich ihr dann einen Antrag und sie sagte ja. Alles schien perfekt. Wir sind im März zusammengezogen, haben uns im Sommer einen Roller gekauft und waren glücklich. Wirklich glücklich. Wir haben uns Hochzeitslocations ausgesucht, sogar erst vor zwei Wochen noch eine Zusage verschickt. Wir waren gerade am überlegen wie wir unsere "Safe the date" Karten machen sollen. Dann kam es wie es kommen musste vor drei Wochen: Ich war sauer auf Ihr Verhalten, weil sie wieder nur an ihre Interessen gedacht hat und mich quasi wieder in ihrer Wochenendplanung ausgeschlossen hat. Gleichzeitig war sie enttäuscht von meinem Verhalten, dass ich nicht einfach wieder ihr "nachlaufe". Monate lang wollte sie nicht feiern, weggehen oder sich mit mir und mit Freunden treffen, obwohl ich ihr das immer wieder vorgeschlagen habe. Sie hatte es definitiv nicht leicht in den letzten Monaten (Gesundheit, Arbeitsbelastung, Stress etc.). Aber ich kann nicht immer alles auffangen, wenn ich selbst noch mit Problemen zu kämpfen habe (z.B. habe ich fast drei Monate verzweifelt nach einem Thesisthema gesucht in der Zeit, obwohl ich schon längst mit dem Studium bis dahin fertig sein wollte).

Sie hat sich etwas distanziert und ich merkte, dass etwas nicht stimmt. Drei Tage vor der Brautkleidanprobe kam es dann zum Streit und wir haben uns einige Dinge an den Kopf geworfen, weil ich dachte, dass sie damit auch mal mein Verhalten verstehen kann. Das war nun vor genau zwei Wochen. Aber das konnte sie nicht - wie immer. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und vor allem nicht daran, dass es jetzt aus sein könnte, denn wir waren gerade die Hochzeit am planen. Am Tag der Brautkleindanprobe bekam sie wohl dann Panik. Abends hat sie sich mit Arbeitskollegen getroffen, aber komischerweise aus einer anderen Abteilung. Ich wusste hier schon, dass irgendwas absolut nicht stimmen kann. Sie hat sich immer weiter zurückgezogen, aber uns auch keine Chance gegeben darüber zu reden was denn los sei. Jeden Tag wollte sie raus und sich mit ihren Freundinnen treffen oder flüchtete zu einer Freundin die angeblich selbst Probleme hatte. Dann hat sie sich wohl letzte Woche abends heimlich mit einem Arbeitskollegen getroffen, auf den sie schon länger ein Auge geworfen hat. Die Gefühle hatte sie wohl schon länger, aber hat sie immer unterdrückt. Den Kontakt hat sie nach unserem Streit gesucht und fühlte sich scheinbar dann in der Nacht der Brautkleidanprobe bestätigt von ihm. Einen Tag später sucht sie das Gespräch und verlässt mich. Erneut.

Aber dieses mal ist es ganz anders als vor zwei Jahren. Ich kann einfach nicht verstehen was da passiert ist. Wir waren wirklich wieder glücklich bis zu diesem Streit bzw. dem Vorgeplänkel. Diesmal war es kein Prozess der über Monate verlief wie damals. Ich kann verstehen, wenn man sich nach 12 Jahren mal zu einer anderen Person hingezogen fühlt, vor allem in einem Moment in dem wir ein paar ungeklärte Probleme hatten. Sie konnte sich immer frei entfalten und ich habe Sie nie an irgendwas behindert. Sie hatte ein schweres Jahr, aber ich war immer für Sie da. Und dann kommt es zu einem kleinen Streit, sie fühlt sich ungeliebt und hinterfragt erneut alles? Ich verstehe die Welt einfach nicht mehr.

Ich denke dieses mal ist es sinnlos noch einmal um sie kämpfen zu wollen. Vielleicht erkennt sie auch, dass es vielleicht doch nur den Bezug zu der Situation hatte. Sie versucht momentan mit mir in Kontakt zu bleiben und fragt mich ständig wie es mir geht. Ich weiß nur nicht, ob aus Mitleid oder weil sie vielleicht doch selbst darüber nachdenkt, dass es vielleicht ein Fehler war.

26.10.2018 11:08 • #1


unbel Leberwurs.


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Zitat von ganzallein:
Drei Tage vor der Brautkleidanprobe kam es dann zum Streit und wir haben uns einige Dinge an den Kopf geworfen, weil ich dachte, dass sie damit auch mal mein Verhalten verstehen kann.


Was ist denn das für eine Streitkultur?
Wenn man in der Beziehung mit etwas unzufrieden ist, sollte man das doch in einem vernünftigen Ton sagen.

26.10.2018 11:53 • #2


ganzallein


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Ich weiß momentan einfach nicht, wie ich jetzt wieder hochkommen soll. Wir waren wieder glücklich und dann verlässt Sie mich von jetzt auf gleich für ein mögliches Abenteuer? Ich weiß, dass wir in mancher Hinsicht recht verschieden sind, aber dass sie sich nach einem Mann sehnt der quasi das Gegenteil von mir ist?

Sie ist jemand der sehr viel Liebe und Aufmerksamkeit benötigt. Aber fühlt sich dann zu einem Mann hingezogen, der gar keine Beziehung sondern nur ein bisschen Spass will. Wir wollten nächstes Jahr Kinder haben, sie hat mich sogar fast dazu gedrängt, dass wir jetzt damit anfangen, aber im nächsten Moment will sie plötzlich doch eher wieder Karriere machen? Ich verstehe einfach nicht, wie ein Mensch von jetzt auf gleich ständig seine eigenen Lebenspläne verändert, weil man mal einen lustigen Abend mit viel Alk. und Kollegen hatte.

Ich verstehe ja, dass sie unsere Beziehung vielleicht (wieder) als zu langweilig empfand, aber das lag auch daran, dass sie viele Wochen selbst Probleme hatte (Stress, Gesundheit etc.). Und plötzlich sucht sie die Schuld in unserer Beziehung? Wir waren zwei Jahre lang wieder absolut glücklich.

Schon damals lag es in erster Linie an dem Wohnort, dass wir uns getrennt haben, aber sie wollte es anfangs nicht wahr haben. Und auch dieses mal sehe ich die Probleme ganz woanders, aber sie löst ihre Konflikte immer mit Distanz. Ähnlich geht sie auch mit "Freunden" um, dass diese nach einer BFF Phase von jetzt auf gleich auf einmal komplett aus ihrem Leben verschwinden können. Und jetzt bin ich endlich mal dran?

Ich habe immer das Gefühl, dass in meiner Freundin zwei verschiedene Menschen leben. Auf der einen Seite das absolut wunderschöne bezaubernde Mädchen, auf der anderen Seite ein Mensch der sich ständig mit anderen vergleicht und meint "es müsse ja besser gehen". Ich weiss nur einfach nicht wie ich damit umgehen soll.

26.10.2018 12:05 • #3


ganzallein


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Zitat von unbel Leberwurst:
Was ist denn das für eine Streitkultur?
Wenn man in der Beziehung mit etwas unzufrieden ist, sollte man das doch in einem vernünftigen Ton sagen.


Um das zu konkretisieren, da es vielleicht etwas harsch klingt. Grundsätzlich ging es einfach darum, dass wir für den Samstag Abend schon seit Wochen ausgemacht hatten zu einer Veranstaltung die für mich wichtig war zu gehen. Plötzlich hatte sie aber keine Lust darauf, weil sie die Option hatte mit Freundinnen auszugehen. Ich hatte dann auch keine richtige Lust mehr und bin daheim geblieben. Sie fragte mich, ob ich stattdessen mit ihr weggehen wolle, was ich dann dankend abgelehnt habe.

Zwei Tage später ist sie auf einem Kurzlehrgang mit Übernachtung und hatte mich gebeten zu ihr gekommen. Ich war aber einfach weiterhin enttäuscht, dass sie halt an dem Samstag nicht mir zu liebe mal etwas "opfern" könnte und bin nicht hin. Nachts hatte sie wieder gesundheitliche Probleme und ich habe ihr vorgeschlagen sie abzuholen. Aber sie will nicht und legt auf. Am nächsten Morgen muss ich erfahren, dass ihr Vater sie in der Früh abgeholt hat. Auch hier war ich sauer, dass sie mein Angebot nicht angenommen hat. Gleichzeitig war sie enttäuscht, dass ich nicht für sie da war - was so aber einfach nicht stimmt.

An dem Donnerstag haben wir uns dann wegen ein paar Kleinigkeiten gestritten und dann kam es auch zu diesem Thema und sie teilte mir mit, dass sie enttäuscht von mir sei. Und ich habe nur dargestellt, warum ich zu dem Zeitpunkt (vorher) so sauer auf sie war und, dass ich ihr verhalten an dem Samstag einfach wieder sehr selbstsüchtig fand. Sie hat nicht verstanden, warum ich einfach an dem Abend nicht zu ihr kommen wollte (und da hatte sie noch keine Beschwerden) - es ging einfach nur um die Anwesenheit.

Im Nachgang sieht sie halt nur die Dinge die ich falsch gemacht habe, ohne den Gesamtkontext aus der Situation zu sehen, denn ich wär für sie da gewesen. Ich hatte ihr vorgeschlagen, dass ich vorbei komme und ich wäre auch mit ihr feiern gewesen, wenn ich nicht sauer gewesen wäre. Aber sie sieht nur ihre Seite der Medaille.

26.10.2018 12:15 • #4


unbel Leberwurs.


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Zitat von ganzallein:
Sie hat nicht verstanden, warum ich einfach an dem Abend nicht zu ihr kommen wollte (und da hatte sie noch keine Beschwerden) - es ging einfach nur um die Anwesenheit.


Und warum konnte sie nicht zu Dir kommen, wenn Sie Deine Anwesenheit so wichtig fand?

Im übrigen finde ich, dass ihe beide ziemliche Dickköpfe seid...
Was ist denn das für ein Theater?

26.10.2018 12:20 • #5


ganzallein


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Das war halt immer schon ein wenig das Problem in unserer Beziehung: "Anstrengungen" blieben in unserer Beziehung meist bei mir. Nur selten habe ich von ihr auch mal etwas "eingefordert". Ich habe mich irgendwann auch damit in der "Rolle des Mannes" arrangiert, dass es nur nach ihren Wünschen geht. Sie ist eine sehr indirekt dominante und vor allem charmante Frau, die genau weiß wie sie bekommt was sie will. Auch wenn es manchmal eher unbewusst passiert.

Ja wir sind beide ziemliche Dickköpfe, auch immer gewesen. Gleichzeitig aber auch beide recht harmoniebedürftig, weshalb man Probleme gar nicht erst anspricht, bis sie irgendwann mal überlaufen. Aber gut, diese Erkenntnisse helfen mir auch nicht wirklich weiter. Sie ist weg und hat sich in einen anderen verknallt, bzw. ihre Gefühle für ihn in der kurzen Zeit "freigelassen". Ich weiß nicht wirklich wie "nahe" sich die beiden inzwischen nach dem Treffen stehen, da er nach ihrer Aussage wohl eigentlich keine Beziehung will.

Sie sagt, dass sie mich immer noch liebt und wünschte, dass es anders wäre. Sie hätte mich auch gerne noch als "Freund", aber respektiere natürlich meine Entscheidung, wenn es nicht geht. Grundsätzlich würde ich mir gerne einfach mal wünschen, dass sie nach unserer Trennung auch wirklich mal "alleine" und "single" ist. Damals hätte Sie alleine neu anfangen können (vorher bei den Eltern kann man nicht richtig zählen), aber eigentlich hatte Sie keine Gelegenheit dazu wirklich "Single" zu sein.

Vielleicht braucht sie das auch mal und sollte mal ohne mich bzw. einen Partner in Ihrem Leben klarkommen, um zu merken was sie vielleicht vermissen könnte oder was wir am Ende doch hatten. Ich glaube eines der größten Probleme ist, dass für sie auch viele kleine Dinge in unserer Beziehung selbstverständlich wurden (z.B. Fuß/Rückmassagen nahezu jeden Abend, eine vorbereitete Wärmflasche, Kopfkraulen in den Schlaf) und sie aufgehört hat diese auch zu wertschätzen.

Auch wenn ich böse sein müsste, will ich eigentlich nach wie vor nur, dass es ihr gut geht. Egal wie schlecht es mir gerade mit der Trennung geht. Manchmal frage ich mich jedoch, ob das wirklich die richtige Art von Liebe zwischen zwei Partnern ist? Denn es fühlt sich manchmal eher so an als hätte ich ein Kind verloren und nicht meine Partnerin.

Ich denke ich werde mich aber mal wie verlassener42 dazu hinreißen lassen meine Gefühle oder Erlebnisse regelmäßig aufzuschreiben:

Heute morgen bin ich (erneut) schweißgebadet mit einem Schrecken aufgewacht und hoffte, dass das alles nur ein Alptraum sei. Dies war bereits das dritte mal in dieser Woche, obwohl ich immerhin halbwegs gut durchschlafen kann. Da ich derzeit beruflich nicht eingebunden bin als Student (mit passivem Einkommen) ist es natürlich schon etwas schwer den Alltag mit recht wenig Ablenkung zu meistern.

Ich bin derzeit in unserer "gemeinsamen" Wohnung in der Großstadt. Erst vor einem halben Jahr sind wir hier eingezogen, aber ich fühle mich in ihr eigentlich ziemlich wohl. Grundsätzlich weiß ich aber nicht so wirklich wie es weitergehen soll mit meinem Leben. Meine Abschlussarbeit steht derzeit an und ich sollte auch keine großen Probleme haben einen Job zu finden. Bereits für das Pflichtpraktikum wurden mir Stellen bei IBM, PwC und Co. angeboten. Das Großstadtleben hat vermutlich auch Vorteile für mich neu anzufangen, daher würde ich nur ungerne darauf verzichten, obwohl es noch so neu ist. Auf der Gegenseite fehlt es mir hier (noch) an einem sozialen Umfeld. Meine Eltern wohnen recht weit entfernt und auch wenn man sich immer gut versteht zieht es mich nicht unbedingt zurück in meine Heimatstadt. Da ich beruflich in den vergangenen 14 Jahren sehr viel unterwegs war kam ich auch nur wenig dazu einen großen Freundeskreis zu pflegen. Meine besten Freunde leben ebenfalls noch in meiner Heimatstadt, aber haben inzwischen Familie und Kinder. Mein Studium neigt sich ja ebenfalls dem (offiziellen) Ende und damit scheiden sich auch die Wege meiner Kommilitonen deutlich. Und da ich (derzeit) auch keine Arbeit habe ist es auch nicht möglich hier soziale Kontakt aufbauen. Der Großteil meines sozialen Netzwerks hat sich seit meinem Umzug eher um meine Ex gedreht.

Da kommt schon die Frage auf: Willst du wirklich hier bleiben? Aber wohin sonst, wenn man eigentlich keine richtige Heimat mehr hat. Natürlich kann man das auch gleichzeitig als Chance auffassen. Vielleicht in die Beratung gehen und Karriere machen? Vielleicht eine Weltreise nach der Abschlussarbeit bevor es wieder in den Berufsalltag geht? Ersparnisse hätte ich dafür mehr als genug - auch um vielleicht ein paar Jahre nicht arbeiten gehen zu müssen. Gedacht waren die eigentlich für einen Haus- oder Wohnungskauf, aber hier in der Region zu kaufen wäre Wahnsinn. Ich bin auch froh, dass sie nicht für eine übertriebene Hochzeit draufgingen.

Nach dem Aufstehen habe ich erstmal einen Apfel gegessen. Momentan fällt es mir doch irgendwie schwer normal zu essen. Vor allem, wenn man ganz alleine ist. Vielleicht ist das auch nicht so schlecht, denn ein paar Kilos zu viel habe ich schon etwas länger. Seit der Trennung vor einer Woche mache ich zudem überraschend viel Sport (im Fitnessstudio). Leider hilft das auch nur wenig zur Ablenkung, da die Gedanken niemand einfach so ausschalten kann. Auf der Gegenseite fühlt man sich in Zeiten von Tinder und Co. irgendwie auch selbst als unterdurchschnittlich und zur Steigerung des Selbstwertgefühl hat man das Bedürfnis sich erstmal auf Modelmaße bringen.

Den ganzen Tag kreisen meine Gedanken darum, ob sie mich wohl vermisst... ob ich hätte was ändern können... warum ich mich so stur verhalten habe... ob sie uns noch mal eine Chance gibt... Ich weiß, man sollte so nicht denken, aber abschalten lässt sich das nicht. Dann fange ich wieder an zu weinen - erst innerlich, dann äußerlich. Es lässt sich nur schwer kontrollieren. Egal ob in der Wohnung, im Fitnesstudio im Verborgenen oder im Park. Ich wünschte man könne seine Gefühle einfach ausschalten. Klick und alles ist weg, aber das geht nicht. Es wäre auch einfach zu schön.

Plötzlich schreibt mir meine Ex eine Nachricht: "Gehts dir gut?". Eigentlich sollte ich nicht darauf antworten, vielleicht sogar eine Kontaktsperre einrichten, aber ich kann einfach nicht anders und Antworte Ihr mit einem einfachen "Ja.". Die Gedanken kreisen: Denkt sie an mich? Vermisst sie mich? Oder ist es einfach nur Mitleid? Ich teile ihr mit, dass sie mir nicht aus Mitleid schreiben soll. Sie verneint und versucht es mit "Smalltalk". Ich antworte kurz. Im nächsten Moment reagiert sie verärgert und will den Dialog beenden, doch kann ich sie nicht einfach mit dem "Bis dann" gehen lassen und versuche die Situation zu retten, bleibe aber dennoch verhalten.

Ich verlasse meine Wohnung, gehe etwas in die Stadt und kaufe ein paar Pullover. Allein. Ein paar Kommilitonen wollten am Abend bei mir vorbei kommen, also durfte auch der Alk. und die Snacks nicht fehlen. Es war ein langer und anstrengender Tag mit vielen verschiedenen Gefühlsphasen, doch freute ich mich auf den Abend. Wir tranken, quatschten und lachten einige Stunden. Es tat verdammt gut, endlich mal richtige Ablenkung zu bekommen. Wir haben viel über unsere Zukunft philosophiert und wie es auch bei mir vielleicht weitergehen kann. Eine Perspektive zu haben... das fehlte mir in den vergangenen Tagen... Am Abend erhielt ich dann auch noch einen sehr netten Anruf wegen einer Bewerbung auf eine Stelle bei dem Arbeitgeber meiner Ex, die ich zwei Monate zuvor abgegeben hatte. Die eigentliche Idee dahinter war ursprünglich ein praxisnahes Thema für meine Abschlussarbeit aus der Tätigkeit zu ermitteln. Vor einem Monat hätte ich das Angebot wirklich gerne angenommen, aber auch so brachte es meinem Selbstwertgefühl in diesem Moment einfach einen kleinen Schub. Der Abend ging weiter.

Wieder erhalte ich einen Nachricht von Ihr: "Was macht ihr?". Warum interessiert sie das überhaupt? Ich weiß, dass sie heute mit Kollegen (nicht dem) unterwegs war und vermutlich auch etwas zu viel Getrunken hat. Ich antworte erst nicht, aber nach einer halben Stunde muss ich doch. Sie sagt, dass sie in die falsche Richtung gefahren sei und gleich aber daheim sei. Ich bitte Sie mir mitzuteilen, wenn sie daheim ist. Sie meldet sich erneut und ich wünsche ihr verzögert eine Gute Nacht. Zwei Stunden später antwortet sie erneut. Was hat sie solange gemacht? Vielleicht mit ihm telefoniert? Will ich das wirklich wissen? Wir führen etwas Smalltalk, aber schließlich kann ich nicht mehr und teile ihr mit, dass ich vermutlich eine Kontaktsperre brauche, weil ich es sonst nicht hin bekomme. Sie sagt, dass sie mich als Freund nicht verlieren will und sich auch nichts sehnlicher wünscht, als dass es anders wäre. Mir fällt es wirklich schwer ihr böse zu sein und auch ich möchte meine beste Freundin nur ungerne verlieren. Auch wenn ich sie sehr vermisse und bei mir hätte, weiß ich nicht mal, ob ich wirklich eifersüchtig wäre, wenn ich sie mit dem neuen sehen oder ob es nicht lediglich der generelle Verlust einer idealen Zukunftsvorstellung ist den ich beklagen würde. Klingt das absurd? Ich weiss es nicht. Oder rede ich es mir vielleicht doch nur ein?

Und jetzt? Da bin ich hier und schreibe mir die Seele aus dem Leib, obwohl ich eigentlich schlafen sollte. Gute Nacht.

27.10.2018 04:25 • x 1 #6


Prefontaine

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Zitat von ganzallein:
Auch wenn ich sie sehr vermisse und bei mir hätte, weiß ich nicht mal, ob ich wirklich eifersüchtig wäre, wenn ich sie mit dem neuen sehen oder ob es nicht lediglich der generelle Verlust einer idealen Zukunftsvorstellung ist den ich beklagen würde.


Der Gedanke gefällt mir. Wahrscheinlich ist man meistens nur wegen dem Verlust der gemeinsam Zukunft so traurig.


An deiner Stelle würde ich sehr aufpassen, dass deine Freundin dich nicht evtl. warm halten will, falls es mit dem anderen Kerl nicht funktionieren sollte. Das soll nur eine Warnung zum Nachdenken sein und dass du in dieser Sache aufmerksam bleibst. Vielleicht hat sie aber noch Gefühle für dich und macht sich wirklich Gedanken um dich.

27.10.2018 22:30 • x 3 #7


ganzallein


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Zitat von Prefontaine:
An deiner Stelle würde ich sehr aufpassen, dass deine Freundin dich nicht evtl. warm halten will, falls es mit dem anderen Kerl nicht funktionieren sollte. Das soll nur eine Warnung zum Nachdenken sein und dass du in dieser Sache aufmerksam bleibst. Vielleicht hat sie aber noch Gefühle für dich und macht sich wirklich Gedanken um dich.


Mir fällt es schwer mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass es bei meiner Ex-Verlobten um ein warmhalten geht. Auf der Gegenseite hätte ich aber auch niemals von ihr erwartet derart belogen zu werden (im Bezug auf das heimliche Treffen). Da sie auch die ganze Nacht wachgelegen hat glaube ich auch nicht, dass es dort tatsächlich noch weitere Treffen gab. Ich weiß aber auch nicht, was in ihrem Kopf vorgeht, denn immerhin hat sie ja zwei Wochen lang auf dieses Treffen hingearbeitet.

Ich werde jetzt aber erst einmal mein Gedankentagebuch von heute verfassen. Heute ist wirklich ein ganz komischer Tag und vermutlich werdet ihr auch sagen, dass ich bescheuert bin.

28.10.2018 01:54 • #8


Prefontaine

Prefontaine


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Ganz ehrlich. Deine Ex weiß selber nicht genau was sie will. Sie kann ihre eigenen Gefühle und Emotionen nicht ordnen. Mach dich rar und versuche eine Woche lang keinen Kontakt mehr mit ihr zu haben, vielleicht merkt sie dann was sie alles verliert.

28.10.2018 06:15 • #9


ganzallein


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Ich denke, dass das vielleicht wirklich schon sinnvoll wäre. Allerdings weiss ich nicht, ob es die richtige Wirkung hätte.

Ich hatte vor gestern in meine Heimatstadt zu fahren und Sie hatte gefragt, ob sie dann mittags in unsere Wohnung könne. Ich habe es ihr natürlich nicht verwehrt und wollte eigentlich auch schon weg sein bis sie kommt, aber ich konnte es einfach nicht. Also bin ich erstmal zum Sport gegangen und als ich wieder kam saß sie mit Tempo auf der Couch.

Wir haben nochmal geredet. Ich hatte ihr ja in der Nacht zuvor mehr oder minder gesagt, dass ich ein Kontaktverbot in Betracht ziehe und es mir auch nicht gut tun würde, wenn wir versuchen in der Situation Freunde zu bleiben. Zum ersten mal hat sie aber auch richtig über Dinge geredet, die sie belasten und die ich einfach so überhaupt nicht empfunden habe. Keine Probleme mit unserer Beziehung, sondern im Bezug auf ihre Erkrankung. Sie hat schon seit vielen Jahren hier Probleme, aber eher ausgelöst durch Stress. Mal kommt es und mal geht es wieder, aber dass sie sich momentan Gedanken über einen plötzlichen Tod macht - das habe ich einfach nicht gemerkt. Sie hat es nie kommuniziert. Entsprechend kamen wir eben wieder auf die Einzelsituation zurück, in der ich nicht für sie da war und alles dreht sich irgendwie darum.

Sie war gestern mental wirklich sehr angeschlagen und ich wollte nichts als sie trösten. Ich habe sie gestreichelt, ihr auf die Stirn geküsst oder sie umarmt. Sie sagt selber, dass sie nicht weiß was sie will. Aber die Ungewissheit warum sie jetzt so traurig war macht mich einfach nur fertig, denn es gibt nur drei Optionen:

1) Der Typ hat ihr klar gemacht, dass er keine Beziehung will
2) Sie denkt darüber nach mit ihm "all-in" zu gehen und mich damit aus ihrem Leben zu streichen
3) Sie denkt darüber nach mit mir wieder etwas anzufangen, aber kann momentan ihre Gefühle nicht sortieren

Dann kam auch der Abend. Ich war bei einem Freund auf dem Geburtstag. Wir hatten kurz ein bisschen hin und her geschrieben ("Bist du gut angekommen?" etc.). Und dann fragt sie mich, wie lange ich denn schon auf Tinder sei, denn ich wurde schon von ihrer Freundin gefunden mit der sie gerade zusammen in unser in der Wohnung war. Warum jetzt auf einmal eifersüchtig? Ich hatte Sie ja bereits am Vorabend ein wenig damit provozieren wollen und ihr gesagt, dass meine Kumpels das mal kennenlernen wollten. Dem war auch so, denn die sind schon seit einigen Jahren in einer Beziehung und fanden es als aufmuntern mir auch die "Töchter anderer schöner Mütter" zu zeigen. Von ihr kam dann nur ein "mach was du für richtig hälst" und "du kannst ja sowieso machen was du willst".

Wir schreiben noch ein wenig und sie erzählt mir, dass sie mit einer Freundin auf eine Halloweenparty will. Ich sehe im Whatsapp-Status ihrer Freundin ein Foto von den zwei und mache ihr ein Kompliment Von ihr kommt ein "Haha. Dachte es gefällt dir". Ich sage es sieht super aus und sie schickt mir einen Kuss-Smiley. Der hat gesessen und ich haue raus, dass sie doch eher "ihm" gefallen will. Es kommt nur ein "Quatsch". Später schreibt sie mir noch mal, dass sie auf dem Heimweg sei bzw. zu Hause angekommen ist. Ich hatte sie am frühen Abend darum gebeten.

Jetzt bin ich immer noch bei meinen Eltern in der früh und kann an nichts anderes Denken als mit ihr reden zu wollen. Es macht mich wahnsinnig. Ich will doch einfach nur zu ihr und unser Gespräch von gestern fortsetzen. Ich weiß, dass ich sie eigentlich von mir stoßen müsste. Vielleicht ist sie wirklich der Meinung, dass dies eine "Freundschaft" sein könne. Aber ich kann es nicht. Damals hat es auch etwas gedauert, aber ich konnte sie so zurückgewinnen.

28.10.2018 08:54 • #10


Gracia


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Mal ne kurze Zwischenfrage ---- habt ihr beide den aktuellen Mietvertrag unterschrieben ?

Zitat:
ich,will doch einfach nur zu ihr und unser Gespräch von gestern fortsetzen


Über Gefühle kann man übrigens nicht verhandeln.
Bei all deinen Postings fällt mir auf, dass es immer nur um sie und ihre Bedürfnisse geht, nie um deine. Fühlst du dich wohl in dieser Rolle des Rundumversorgers ?

Und ja, warmhalten isses. Du rennst ihr schon wieder hinterher -->> für sie da sein.

28.10.2018 10:14 • #11


ganzallein


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Ich weiß was du meinst. Ich denke schon, dass sie ziemlich unsicher ist. Sie sagt ja selbst, dsss sie mich nicht verlieren will. Das muss sie zwangsläufig, wenn sie mit diesem anderen Typen zusammenkommen möchte. Aber ich denke nicht, dass sie das von seiner Haltung jetzt abhängig macht, ob wir nochmal eine Chance haben.

Wir haben intensiv geredet gestern. Und auch da kam es erneut zu Erkenntnissen bei ihr und bei mir. Vielleicht merkt sie sie auch langsam, dass sie die ganze Situation falsch eingeschätzt hat. Ich weiß es nicht.

Sie ist immer noch in der Wohnung und ich werde gleich zu ihr fahren. Vielleicht koennne wir nochmal reden. Aber ich denke ich werde ihr ein Ultimatum setzen müssen. Sie muss sich entscheiden, denn so kann es für mich nicht weitergehen.

28.10.2018 10:41 • #12


Gracia


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Ganz falscher Ansatz.
MANN setzt kein Ultimatum
MANN handelt.
Wieso muss SIE entscheiden, wie es bei DIR weitergeht ? Du lässt dich von ihr durch die Manege ziehen.

Reden bringt nix, nur Taten zählen.

Wie war das jetzt mit der Mietwohnung ?

28.10.2018 13:09 • #13


ganzallein


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Irgendwie habt ihr schon wirklich recht. Das Gespräch verlief heute auch ganz anders als erwartet. Vermutlich habe ich mir schon wieder unnötige Hoffnungen gemacht, weil sie "auf mich gewartet" hat.

Während ich sie am Vortag noch mit meinen Worten erreicht habe, hat sie heute wieder die absolut taffe Frau rausgelassen. Es ging bei dem Gespräch dieses mal auch nicht darum sie zurückgewinnen zu wollen. Sie war sauer, dass ich ihre gesundheitlichen Probleme anspreche und hat erbost angefangen ihre Sachen zu packen. Während sie am Vortag noch so einsichtig schien, dass Sie hier etwas verändern muss, war sie jetzt wieder komplett anders. Ich mache mir halt immer noch Sorgen um sie, da sie alles versucht wieder zu ignorieren oder aufzuschieben. Am liebsten wär sie direkt abgehauen, hat sich dann aber doch erstmal beruhigt und auf der Couch verkrümelt. Ich habe derweil ein paar Nachrichten mit Freunden ausgetauscht.

Wir halten noch etwas Smalltalk und bestellen etwas zu essen. Die harte Schale ist aufgeplatzt und wir redeten erneut. Eine Nachricht von ihrer Schwester erreicht uns, dass Ihre Mutter einen Nervenzusammenbruch hat. Sie sackt zusammen und fängt an sich Vorwürfe zu machen. Ich nehme sie in den Arm und versuche Sie zu beruhigen. Sie fährt zu Ihren Eltern.

Kurze Zeit später taucht eine von ihr Freundin (aus dem selben Haus) auf und wollte ihre Jacke abholen. Wir reden kurz über meine Ex. Ich bekomme eine Nachricht von ihr, dass ich nicht über Sie mit ihren Freunden reden solle und dass sie mir gar nichts mehr erzählen werde. Sie blockiert mich bei Whatsapp. Ich dachte mir: Vielleicht ist das besser so, denn mir fällt es einfach zu schwer.

Eine halbe Stunde später schreibt sie mir erneut und versucht sich zu erklären. Ich reagiere nicht. Sie ruft an und wir reden erneut - es war wieder wie am Vortag. Und wieder kommen wir zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich alles mit dem einen Auslöser begonnen hat: In jener Nacht auf dem Kurzlehrgang hat sie jegliches Vertrauen in mich und unsere Partnerschaft verloren. Sie hat sich im Stich gelassen gefühlt mit ihren gesundheitlichen Problemen, weil ich nicht bei ihr war, obwohl sie mich brauchte. Ab dem Zeitpunkt hat sie sich distanziert von mir.

Es ist nicht so, dass ich mir Vorwürfe mache. Hätte sie einfach nur darüber geredet und mir gesagt, dass sie mich da haben will. Hätte sie einfach vorher über die eigentlichen mentalen Probleme geredet die sie derzeit quälen. Aber ich habe es einfach nicht gemerkt. Wäre ich in der Nacht einfach bei ihr gewesen, dann wäre vermutlich alles anders geworden. Diese Enttäuschung hat sich so sehr manifestiert in ihrem Kopf, dass sie angefangen hat Kontakt zu dem anderen Typen aufzubauen. Sie sagt zwar selber, dass das vermutlich eh nichts wird und sie inzwischen gar nicht mehr weiß, ob sie das überhaupt will. Aber sie kann sich halt einfach nicht erklären, warum sie so gehandelt hat und muss sich daher trennen.

Natürlich weiß ich nicht was in ihrem Kopf vorgeht, aber für mich ist das alles eine Kurzschlussreaktion gewesen. Eben auf ihre Enttäuschung aus jener Nacht. Es entschuldigt natürlich nicht ihr verhalten, aber ich kann es aus ihrer Sicht vielleicht verstehen, warum das ganze so ausgelöst wurde. Auch mit anderen Paaren habe ich mich unterhalten und die waren schonmal in ähnlichen Situationen. Bei dem einen Paar war es auch so, dass sie sich gestritten haben und plötzlich jemand auf der Arbeit für ihn attraktiv wurde. Sie haben aber ihre Probleme noch rechtzeitig lösen können. Bei dem anderen Paar war es sogar so, dass man nach zwei Monaten feststellte, dass es eigentlich nur das Bedürfnis nach einer intensiven Freundschaft war. Jemand mit dem man gleiche Interessen hat und sich gut austauschen kann.

Ich weiß, dass ich mich eigentlich von ihr lösen müsste. Für meine eigene Heilung. Aber es fällt mir einfach so schwer.

PS: Was soll mit der Wohnung sein? Die Wohnung gehört uns, aber sie überlässt sie mir. Wobei ich selbst nicht weiß, ob ich wirklich langfristig hier leben werde. An sich bin ich ja jetzt ungebunden, auf der Gegenseite gefällt mir das Großstadt leben und wir wohnen wirklich in einer Top-Lage zu einem unschlagbaren Preis.

29.10.2018 12:24 • #14


ganzallein


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Gestern war irgendwie auch wieder ein ziemlich bescheidener Tag. Hätte ich nur mal auf die vielen Ratschläge hier im Forum gehört.

Die letzten zwei Wochen habe ich meine Ex irgendwie immer mal wieder angetroffen. Zuletzt gestern, weil ich den Tag mit ihren Eltern verbrachte. Die ganze Zeit dachte ich, dass unsere Beziehung zu Ende sei, weil sie sich an dem einen Tag ungeliebt und verlassen gefühlt hat. Wir waren vorher glücklich und genau ab dem Zeitpunkt hat sie sich von mir distanziert. Alles andere sah ich dann als Kettenreaktion.

Aber gestern Abend kam es dann unerwartet anders: Wir saßen im Auto und sie wollte mich zum Bahnhof fahren. Dort angekommen streichelt sie mir durch die Haare und schaut mich mit traurigem Blick an. Ich dachte in dem Moment nur: Ich will kein Mitleid von dir. Dann kommt aber von ihr, dass der Typ sie wohl abserviert habe bzw. kein Interesse hätte und sich nicht mehr meldet. Vielleicht wusste er, dass sie verlobt war und sie hat ihm gesagt, dass sie sich für ihn getrennt hat. Am Ende wollte er vielleicht eher eine Affaire oder ein kleines Intermezzo als eine Beziehung. Aber selbst in diesem Moment viel es mir schwer sauer zu sein. Es ändert auch nichts daran, dass sie nicht mehr mit mir zusammen sein will oder kann.

Erst auf dem Heimweg wurde mir dann so langsam einiges klar. Warum sie die vergangenen Tage so niedergeschlagen war lag nicht an "uns" sondern an "ihm". Dass ich sie versucht habe aufzumuntern, weil ihr Neuer sie nicht (mehr) will? Dass sie alles geopfert hat, um mit jemanden zusammen sein zu wollen, den sie gar nicht kennt und der sie auch eigentlich gar nicht will? Bin ich eigentlich bescheuert?

Und dann wurde es noch schlimmer. Sie hat mir Sprachnachrichten geschickt über Dinge die sie gestört haben zwischen uns. Dinge über die sie die ganzen Monate nicht geredet hat und die meiner Meinung nach auch eher auf die letzten drei Wochen zutreffen. Sie sagt nach wie vor, dass wir die ganze Zeit glücklich gewesen sind. Aber die Dinge von denen sie dann sprach waren derart oberflächliche Kleinigkeiten. Vieles davon hing sogar lediglich mit ihrem Verhalten in den letzten Wochen zusammen, weil sie durch die Arbeit so ausgelastet war.

Auf der einen Seite redet sie davon auch gerne mal "allein" sein zu wollen (wie in dem Zeitraum in dem wir getrennt gewohnt haben), aber auf der anderen Seite will sie Kinder? Sie war sauer darüber, dass ich den Beginn meiner Thesis jetzt 1 1/2 Monate habe schleifen lassen während sie "hart" arbeitet? Sie arbeitet seit knapp 3 1/2 Jahren, während ich fast ununterbrochen seit meinem 18 Lebensjahr beschäftigt war. Und nur weil es gerade nicht ganz so geklappt hat fühlt sie sich auf einmal zu einem Karrieretypen hingezogen? Ich habe sie knapp 7 Jahre lang durchfinanziert während sie sich austoben konnte und nun missgönnt sie mir eine kurze Pause?

Ich weiß einfach nicht mehr wer dieser Mensch ist, den sie da auf einmal spielt. Für sowas unsere 12 Jahre hinwerfen und sich aufgrund von einigen oberflächlichen Bedürfnissen einem anderen Mann hingeben zu wollen. Mir vorzuwerfen ich sei scheinbar nicht zielstrebig genug für sie, dabei ist ihr Job kaum anspruchsvoller als das was ich schon jahrelang gemacht habe. Natürlich hätte ich mein Studium schon in diesem Monat beenden können, aber sieht sie nicht, dass ich auch darunter gelitten habe. Ich habe mir selbst den Druck gemacht, damit ich meinen Schnitt von 1,2 halten kann und wollte über ein anständiges Thema schreiben. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie sich auf einmal für was besseres hält und mehr verdient hätte.

Ich weiß momentan nicht, ob ich mit dieser Person überhaupt noch etwas zu tun haben will. Denn irgendwie ist sie einfach gar nicht der Mensch den ich so lange geliebt habe. Ich wusste schon immer, dass es bei ihr mehr nehmen als geben war, aber ich denke, dass ich wirklich etwas besseres verdient habe als jemanden der immer nur seine eigenen Probleme sieht.

31.10.2018 09:38 • #15




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