Hallo Gunter H,
Zitat von Gunter H:Habt ihr "Vereinbarungen" getroffen? ...ist deine Frau in der Lage ihre Bedürfnisse zu formulieren und hast du das Gefühl das sie dich wirklich liebt...oder eher was "Gutmachen" möchte?
Woran machst du das fest?
Die Vereinbarung lautet: Nicht mit anderen Menschen schlafen!
Nein, Spaß beiseite... da hast Du mir jetzt eine ziemlich schwierige Frage gestellt, wenn ich ehrlich bin. Vielleicht fange ich mal von hinten an.
Ob sie mich wirklich liebt? Sagen wir's mal so: ich glaube nicht, dass sie mich jemals
nicht geliebt hat. Mit dem Abstand von einem Jahr, nach vielen Gesprächen (auch mit anderen Menschen) glaube ich inzwischen, dass die Liebe nicht zwangsläufig aufgehört haben muss, damit soetwas passieren kann. Vielmehr bedarf es einer Lücke im Leben, die dann irgendwann einfach gefüllt werden muss.
Der „Beinahe-wieder-Seitensprung“ letztes Jahr war wohl eine Folge der Lücke, die in den Jahren davor zwischen uns entstanden ist. Hausbau, Kinder, immer weniger Aktivitäten als Paar, dafür mehr Aktivitäten jeder für sich. Oder als Familie. Hinzu kam die finanzielle und berufliche Situation, die Unfähigkeit über all das wirklich offen zu sprechen und wohl leider auch eine gewisse Sturheit auf beiden Seiten, so nach dem Motto: „Der andere muss den ersten Schritt machen! Nicht ich!“. Das war unsere Lücke und meine Frau hat halt versucht, sie für sich zu füllen.
Der Seitensprung von vor 13 Jahren... tja, für den habe ich bis heute keinen Grund bekommen. Inzwischen glaube ich aber, dass diese Lücke damals nichts mit mir zu tun hatte. Da war es eher ihre ganz persönliche Lebenslücke. Ende der Ausbildung, nicht wissen wo man beruflich unterkommt, mit dem Freund (also mir) zusammen gezogen... vielleicht ein Anflug von „war das jetzt schon alles?“... ich weiß es nicht.
Gemeinsam ist beiden Vorfällen jedoch, dass meine Frau diese Lücken nicht kommuniziert hat, mich an ihren Sorgen und Ängsten nicht hat Teil haben lassen. Und damit spannt sich dann auch der Bogen zu Deiner Frage nach Vereinbarungen:
Nein, eine Vereinbarung in dem Sinne gibt es nicht. Eher einen Wunsch, den ich vor einigen Tagen noch einmal ganz klar in einem Brief formuliert habe. Geschrieben, nachdem ich den „Jahrestag“ zum Anlass genommen habe, meine Frau um ein Update zu bitten. Sie sollte mir sagen, wie sie sich inzwischen mit all dem fühlt. Ob sie zufrieden ist mit dem, was wir im letzten Jahr geschafft haben. Oder ob der Schuh irgendwo drückt.
Ihr Antwort war, dass sie sehr glücklich ist, dass sie sich wohl fühlt, dass sie ihre Mitte gefunden zu haben glaubt und dankbar dafür ist, dass ich noch immer an ihrer Seite bin. Aber, dass sie manchmal einfach sehr unsicher ist, weil sie oft nicht weiß, was ich in bestimmten Situationen erwarte.
Also schrieb ich ihr am Tag darauf folgendes:
„Ich habe noch einmal über gestern Abend nachgedacht und es tut mir leid, wenn ich Dich mit meinem Verhalten so sehr unter Druck gesetzt habe. Ich erwarte gar keine großen Gesten oder wahnsinnige Taten von Dir. Vor allem dann nicht, wenn Du sie nur mir zur Liebe, aus einem Gefühl der Schuld heraus machst.
Das einzige was ich mir wünsche ist Ehrlichkeit. Und den Mut, auch unangenehme Dinge ansprechen zu können. Ich will einfach wissen, wie es Dir geht. Was Dich bedrückt. Von was Du träumst. Was Dich antreibt und wie Du Dich fühlst. Denn nur dann habe ich auch das Gefühl, bei Dir zu sein.
Was mich an der ganzen Sache am meisten getroffen hat war, dass ich mich um die Realität betrogen gefühlt habe. Das Gefühl zu haben, dass alles an was man sich erinnert, nicht real sondern eine Scheinwelt war. Etwas, dass von jemand anderem erschaffen worden ist, ohne dass man es gemerkt hat oder gar die Chance gehabt hätte, selbst Einfluss darauf zu nehmen.
Dieses Gefühl möchte ich einfach nie wieder haben. Ich möchte unser gemeinsames Leben mit allen Fakten kennen. Denn nur dann, so glaube ich, kann man auch die Zukunft gemeinsam so gestalten, dass beide sich in ihr wohl fühlen und sich entfalten können.
Das ist alles, was ich mir wünsche. Vertrauen zu können in Deinen Mut. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“
Ob das nun klappt? Damit sind wir dann wieder beim Vertrauen, oder? Ich weiß es nicht. Ich hoffe einfach. Ich denke, wir sind auf einem sehr guten Weg. Einem Weg, auf dem wir bereits viele Chancen genutzt haben. Einem Weg, der uns zu einem guten Ziel führt. Aber dieser Weg ist noch nicht zu Ende.