Ich schreibe hier, weil ich versuche zu verstehen, was in meiner Beziehung und vor allem in ihm passiert ist. Nicht, um jemanden schlecht zu machen, sondern weil mich diese Trennung extrem verwirrt zurückgelassen hat. Wir waren insgesamt etwa anderthalb Jahre zusammen, mit einer Trennung an Weihnachten im letzten Jahr und einem Neuanfang danach.
Kennengelernt haben wir uns über die Arbeit in einem Seminar. Von Anfang an haben wir uns extrem gut verstanden. Es war sofort Nähe da, Gespräche haben sich leicht angefühlt, wir haben viel gelacht. Er hat sehr deutlich meine Nähe gesucht: hat sich oft zu mir gesetzt, lief mir hinterher, suchte Gespräche. Es gab auch einen Kuss. In diesem Seminar war auch eine gute Freundin von mir dabei, die das alles bestätigt: Es war nicht nur meine Wahrnehmung, er war sehr auf mich fokussiert. Man hat einfach gemerkt, dass ich ihm gefalle.
Gleichzeitig hat er mir von Anfang an gesagt, dass er im Moment keine Beziehung möchte. Er kam aus einer belastenden vorherigen Beziehung ( zehn Monate mit einer Partnerin mit schweren psychischen Problemen) und hatte danach eine eher unverbindliche Phase. Ich habe im von Beginn an klar gesagt, dass ich eine Beziehung möchte.
Trotzdem suchte er meine Nähe. Nach ein paar Tagen sagte er dann, dass es nicht so weitergehen könne: Er sei im Moment einfach nicht beziehungsfähig, entweder werde er zu kontrollierend oder zu distanziert. Danach wandte er sich einem anderen Mädchen zu, dass ihm die ganze Zeit schon hintergelaufen ist. Das hat mich trotzdem sehr verletzt, ich hab viel geweint, aber da ich ihn sowieso noch nicht so gut und lang kannte, hab ich mich irgendwann emotional distanziert.
Etwa fünf Monate später hat er angefangen meine Instagram-Stories und etwa sieben Monate später hatten wir ungewollt einen gemeinsamen Dienst zusammen, da ich auf seiner Station aushelfen musste. Ich war zunächst ziemlich überrumpelt und innerlich auch abwehrend, weil wir uns sofort wieder extrem gut verstanden haben. Schon auf dem Heimweg war mir klar, dass er sich wieder melden würde.
Und genau so kam es. Er schrieb mir ein Tag später. Ich war jedoch diesmal deutlich zurückhaltender, habe immer wieder Treffen hinausgezögert. Er hingegen blieb sehr dran, wollte sich treffen, wir haben viel geschrieben und auch zusammen gezockt.
Irgendwann hab ich nachgegeben und wir haben uns getroffen. Beim ersten Treffen war er sehr transparent. Er hat mir alles erklärt: die Situation im Seminar, seine Ex-Beziehung, warum er damals keine Beziehung wollte. Er sagte mir diesmal klar, dass er jetzt bereit für eine Beziehung sei.
Ich war anfangs skeptisch, auch weil mich das Verhalten von früher noch verletzt hatte, aber nach dem zweiten Treffen war es dann um mich geschehen.
Beim vierten Treffen sind wir dann zusammengekommen.
Es war meine erste Beziehung (ich war 19, er 22), für ihn war es bereits die dritte.
Am Anfang war ich eher verschlossen, hatte Angst, mich emotional zu öffnen, habe Dinge, die mich gestört haben, oft nicht direkt angesprochen.
Er hingegen war sehr liebevoll, offen, hat zuerst ,,Ich liebe dich" gesagt. Die Beziehung lief grundsätzlich gut bis wir relativ früh gemeinsam in den Urlaub gefahren sind. Dieser erste Urlaub war für uns beide sehr belastend, wir haben viel gestritten. Im Nachhinein denke ich, dass es zu früh war.
Nach dem Urlaub hatte ich selbst Trennungsgedanken, habe diese aber nicht umgesetzt. Er wollte die Beziehung unbedingt weiterführen, war weiterhin sehr liebevoll, aber unsere Streitdynamik wurde schwieriger. Aus kleinen Konflikten wurden oft große, weil ich Dinge sammelte und sie dann im Streit herausbrachte, statt sie vorher ruhig anzusprechen. Er sagte im Konflikt häufiger Sätze wie: ,,Ich weiß nicht, wie das noch so weitergehen soll", ,,Es gibt keine Lösung" oder ,,So kann ich das nicht mehr lange".
Kurz vor Weihnachten (nach etwa sechs Monaten Beziehung) kam es nach einem eigentlich kleinem Streit zur Eskalation. Wir hatten geplant, das ganze Wochenende zusammen zu verbringen. Ich bin nach Hause gefahren, weil er sagte, er wisse nicht, ob er noch Lust hätte. Trotzdem war er noch liebevoll, sagte ,,Ich liebe dich". Am nächsten Tag, als wir uns getroffen hatten um alles zu klären, sagte er plötzlich, er wisse nicht, ob er die Beziehung noch will, und auf die Frage, ob er mich noch liebt, sagte er: ,,Er weiß es nicht." Er war sehr kalt und gleichzeitig emotional überfordert, hat auch geweint. Ich war verletzt und wütend und habe Dinge gesagt, die mir bis heute leid tun.
Zwei Tage später habe ich ihm einen langen Text geschrieben, mich entschuldigt, meine Fehler benannt und gesagt, dass ich die Beziehung möchte und auf ihn warte. Er hat dankbar reagiert, sagte aber, er fühle sich leer, erdrückt und brauche Zeit.
Es folgten zwei Wochen ohne direkten Kontakt. Trotzdem war da ständig indirekte Nähe: er ging ständig in unseren Snapchat-Chat, ohne etwas zu schreiben. Es fühlte sich an, als würde er auf mich im Chat warten. Wir hatten noch Standortfreigaben an. Dieser Kontakt ohne Verantwortung ging mehrere Tage so, bis ich bewusst nicht mehr in den Chat gegangen bin.
In dieser Zeit habe ich extrem gelitten: Schuldgefühle, kaum gegessen, schlecht geschlafen, starke Selbstzweifel.
Ein Tag vor Silvester, also nach etwas zwei Wochen, meldete er sich wieder, wir trafen uns. Und so kamen wir erneut zusammen.
Dieses Jahr war die Beziehung insgesamt stabiler. Besonders die ersten sechs Monate liefen ruhig, auch weil ich stark mit Lernen für einen Aufnahmetest beschäftigt war. Nach dessen Ende begann ich jedoch zunehmend zu zweifeln, nicht daran, ob ich die Beziehung will, sondern ob er mich wirklich liebt. Ich analysierte viel, brauchte mehr Rückversicherung, hatte Verlustängste, wurde unsicher. Er wurde dabei nicht kalt, aber spürbar vorsichtiger, schützte sich mehr. Auffällig war: Wenn ich bei ihm war, fühlte ich mich sicher. Sobald wir getrennt waren oder er gehen musste, bekam ich Panik und begann alles zu hinterfragen.
Wir fuhren dann nochmal gemeinsam in den Urlaub, beide mit Angst, da der erste so schlecht gewesen war. Dieser zweite Urlaub war das komplette Gegenteil: schön, nah, liebevoll. Er fragte oft, ob alles gut sei, sagte mir häufig, dass er mich liebt. Danach hatte ich eher das Gefühl, wir seien uns näher gekommen.
Seit Ende des Tests hatte ich viel freie Zeit, da mein Studium erst später begann. In dieser Phase begann ich strak zu grübeln beziehungsweise sind Dinge hochgekommen, die ich durch das Lernen verdrängt hatte. Ich bin auch schon seit ungefähr zwei Jahren in Therapie, arbeite aktiv an meinen Ängsten, habe mir, auf Rat meiner Therapeutin, bewusst positive Dinge aufgeschrieben, um nicht nur das Negative zu sehen. Vieles hing auch mit alten Verlusten zusammen (Umzug, Kindheitszuhause verloren, Angst vor Studium)
Ich war gegenüber ihm offen mit meinen Themen, auch damit, dass meine Angst viel mit letztem Weihnachten zu tun hat, habe aber auch immer betont, dass ihm keinen Vorwurf machen möchte, sondern ihm einfach erklären möchte, warum ich so viel Rückversicherung brauchte.
Was schwierig war: Wenn es mir emotional schlecht ging, konnte er mich nicht wirklich halten. Wenn es mir schlecht ging (wegen Umzug, Studium, Angst), reagierte er meist mit Lösungsansätzen oder ,,sieh es doch positiv". Dadurch habe ich Gefühle oft runtergeschluckt. Gleichzeitig sagte er mir, dass es in Ihm Gefühle auslöst, die ihn an seine Ex erinnern,(nicht, dass ich wie sie sei, sondern dieses innere Gefühl der Überforderung) wenn er merkt, dass es mir nicht gut geht beziehungsweise wenn ich zeige, dass es mir nicht gut geht, ich aber nicht darüber rede.
Das hat mich zusätzlich verunsichert: Redete ich über meine Gefühle, fühlte er sich überfordert; verdrängte ich sie, merkte er trotzdem, dass etwas nicht stimmt.
Es kam also immer zu kleinen Konflikten, aber nichts Dramatisches. Kein ,,Ich kann das bald nicht mehr", keine großen Warnsignale wie im Jahr davor.
Wenn wir gestritten haben, habe meist ich geweint und sofort Angst bekommen, dass er sich trennen will (letztes Jahr war es andersherum).
Er hat mich oft beruhigt, manchmal gesagt, dass er mir gerade nicht die Sicherheit geben kann, aber nie so, dass ich dachte, eine Trennung steht bevor.
Der Wendepunkt war ein Sonntag. Am Tag davor schrieb er mir noch, dass er sich freue, mich zu sehen. Am Sonntag musste er arbeiten beziehungsweise hatte seinen letzten Dienst und wir wollten danach was unternehmen. Er sagte er fahre erst nach Hause und dann würden wir alles andere abklären. Nach Dienstende schrieb er mir sofort und meinte dass er noch ein wenig quatschen würde. Er schrieb mir dann irgendwann, dass ihn jemand an den Bahnhof fahren würde, dort war er dann auch noch mal so für eine halbe Stunde offline. Da wurde ich jedoch ziemlich nervös und ängstlich. Er hat als er wieder online war direkt gefragt, wie es mir gehen würde und was ich mache, also er hat sich interessiert und war lieb wie immer. Als ich dann erwiderte, dass ich nicht das Gefühl habe, dass er wirklich zu mir kommen möchte, versicherte er mir, dass es ihm zwar nicht gut gehen würde, das aber nichts damit zu tun habe, dass er die Beziehung nicht mehr möchte. Auch das Gespräch mit der Schülerin, die ihn gefahren hatte, habe nichts zu bedeuten, ich müsse mir keine Sorgen machen.
Trotzdem rief ich ihn aus Angst an. Ich machte ihm Vorwürfe, sagte, ich fühle mich nicht mehr geliebt, nicht priorisiert. Er sagte, ich sei seine Priorität, aber er habe das Gefühl, egal wie sehr er sich bemühe, es reiche nicht aus. Ich entschuldigte mich sofort, da ich gemerkt habe, dass er sich in letzter Zeit Mühe gegeben hatte. Ich sagte ihm erneut, dass ich momentan sehr sensibel bin und dass ich einfach Angst hätte ihn zu verlieren. Doch er sagte, dass er diese Entschuldigungen nicht mehr aushalten würde, weil er sich dann wie der Schuldige fühlen würde. Trotzdem hat er mir versichert, dass wir am nächsten Tag was machen würden.
Nach diesem Telefonat habe ich den ganzen Abend nur noch geweint, weil ich gedacht habe, dass ich übertrieben hätte und habe mich sogar nochmals bei ihm entschuldigt. Daraufhin meinte er, dass er mich verstehen könne und ich mich nicht entschuldigen müsse.
Am Montag planten wir konkret, welchen Zug er zu mir nehmen würde. Ich freute mich sehr, räumte auf. Irgendwann fragte er mich, warum ich auf Snaps so traurig schaue. Ich erwiderte, dass er selbst auch traurig schaue. Daraufhin schrieb er, dass es ihm nicht gut gehe und ihn der Sonntag ganz schön mitgenommen hätte. Er meinte, dass er nicht denkt, dass er kommen könne.
Trotzdem fuhr ich dann später zu ihm, aber er wollte schon nicht mehr, dass ich bei ihm schlafe. Und war generell sehr komisch. Er hatte so einen leeren Blick und wirkte distanziert. Kurz bevor ich gefahren bin fragte er mich, ob ich am Dienstag auch kommen möchte, das hatte mich in diesem Moment sehr gefreut und mir Hoffnung gegeben. Er schrieb mir später wie gewohnt ,,Ich liebe dich, schlaf gut".
Am Dienstag (unser anderthalbjähriges Jubiläum) schrieb er mir ganz normal, fragte nach meiner Uni und zeigte Interesse. Am Nachmittag fragte er von sich aus, ob ich abends kommen wolle, da wir ja unser Jubiläum hätten. Ich hatte schon lange ein kleines Geschenk für ihn vorbereitet. Als ich bei ihm ankam, hatte er ebenfalls ein Geschenk für mich, das er am selben Tag gekauft hatte. Das hat mir erneut Hoffnung gemacht.
Gleichzeitig war er auch an diesem Abend emotional distanziert, wirkte leer und nicht richtig anwesend. Als er merkte, dass ich müde war, sagte er relativ schnell, ich solle doch lieber nach Hause fahren, anstatt vorzuschlagen, dass ich bei ihm schlafen könnte. Das hat mich sehr verletzt, doch ich hab es runtergeschluckt. Bei Abschied sagte er wieder ,,Ich liebe dich".
Die ganze weiter Woche schrieb er mir täglich, zeigte Interessen an meinem Alltag, schickte mir sogar seinen kompletten Dezember Dienstplan und sagte jeden Tag ,,Ich liebe dich". Er hatte nur auf den Snaps, die er mich schickte, so einen leeren Blick.
Bei stand gleichzeitig ein Umzug an. Ich informierte ihn Samstag darüber, dass wir ein paar Möbel in die neue Wohnung räumen werden. Fragte ihn aber bewusst nicht nach Hilfe, da es ihm ohnehin nicht gut ging und ich ihn nicht unnötig unter Druck setzen wollte. Während des Umräumen schrieb er viel, fragte interessiert nach und informierte mich stets was er machte.
Als ich wieder zuhause war, fragte er mich erneut wie alles verlaufen ist und informierte sich darüber, wann ich in der neuen Wohnung das erste Mal schlafen möchte. Was mir alles wieder erneut Hoffnung machte.
Doch plötzlich warf er mir vor, dass ich ihn nicht gefragt hätte zu helfen. Ich erklärte, dass ich ihn aus Rücksicht bewusst nicht einbezogen hätte. Er reagierte sehr ambivalent: Einerseits deeskalierend (,,alles gut") andererseits kühl (,,jo"), was mich zusätzlich verunsicherte, da kurze Antworten ihn sonst selbst oft getriggerte hatten.
Es entwickelte sich daraufhin ein längeres Gespräch. Er schrieb, dass er mit ,,so kleinen kommunikative Sachen" im Moment nicht klarkomme, sich ohnmächtig, erdrückt und schlecht fühle. Ich antwortete deeskalierend, sagte, dass ich für ihn da bin und dass ich ihn liebe. Er antwortete mit ,,Ich dich auch".
Trotzdem eskalierte das Gespräch weiter, weil er immer wieder schrieb, dass ihm dass alles nichts bringe. Aus Angst forderte ich Klarheit und sagte, dass ich so nicht weitermachen könne und das Gefühl habe, dass er die Beziehung nicht mehr wolle. Er antwortete, ähnlich wie letztes Jahr, immer wieder, es habe nichts mit Wollen zu tun, er könne einfach nicht mehr im Moment.
Anschließend rief ich ihn an und fragte ihn direkt, ob er die Trennung möchte und er erwiderte mit ,,ja". In diesem Gespräch sagte er Sätze wie, ich verdiene jemanden Besseren, er bereue die eineinhalb Jahre nicht und er hasse mich nicht.
Auf meine Frage, ob es ihm nichts ausmachen würde, wenn ich jemand anderen hätte oder wir nie wieder zusammen aufwachen würde, antwortete er, ich wolle mich damit nur selbst verletzen.
Nach der Trennung lief vieles für mich sehr verwirrend und emotional belastend ab. Der Bruch selbst war bereits unsauber und von Widersprüchen geprägt, aber das, was danach folgte, hat mich noch mehr aus dem Gleichgewicht gebracht.
Nach dem Gespräch ließ er viele Verbindungen offen. Wir teilten weiterhin unsere Standorte, er ging wieder regelmäßig in den Chat, ohne zu schreiben, also ähnlich wie letztes Jahr.
Der Unterschied war diesmal jedoch, dass ich bewusst nicht mehr in dieses ,,Kontakt-ohne-Verantwortung"-Spiel eingestiegen bin. Ich wollte mich schützen.
Was mich stark verunsicherte:
Im Gegensatz zu letztem Jahr, in dem er sich nach der Trennung ausschließlich zurückgezogen und viel zu Hause gezockt hat, war er diesmal nach etwa einer Woche häufiger unterwegs, mehrere Stunden offline auf Snapchat, was für ihn untypisch war.
Da er seinen Standort für mich angelassen hatte und ich somit sehen konnte wo er sich befand, entstand bei mir ein starker Verdacht, dass er sich mit dieser Schülerin trifft. Dieser Verdacht bestätigte sich indirekt durch mehrere Hinweise aus meinem Umfeld, die mir sagten, wo diese wohnte und er sich genau dort befand. Auch wenn ich es nicht zu 100% beweisen kann, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch.
In diesem Moment wurde meine größte Angst Realität: ersetzt zu werden. Aus Selbstschutz habe ich ihn daraufhin überall entfernt (Snapchat, Instagram, TikTok, Playstation) und hab alle Standorte deaktiviert. Nicht aus Trotz, sondern weil ich wusste, dass es mich zerstören würde, weiter zuzusehen.
Trotzdem hatte ich, nach der Dynamik aus dem letzten Jahr, noch Hoffnung, dass er sich irgendwann meldet, ehrlich zu reden. Er hörte traurige Musik, repostete melancholische Inhalte, sogar Dinge, die er mit mir verbinden musste. Das hielt mich emotional in der Schwebe.
Nach etwas mehr als vier Wochen meldete er sich tatsächlich.
Allerdings nicht um Verantwortung zu übernehmen oder wirklich klären zu wollen, sondern einem nüchternen Text. Er schrieb, dass es ihm leid tue, wie es geendet sei, dass ich es nicht verdient hätte und dass ein richtiges Gespräch fairer gewesen wäre. Gleichzeitig schrieb er aber auch, dass die Entscheidung für ihn nicht plötzlich gekommen sei (obwohl er während des Trennungsgespräches betont hatte, dass es sich nicht angebahnt hätte), sondern dass Zeit und Abstand ihm gezeigt hätten, dass seine Gefühle ,,weggegangen" seien. Er schrieb plötzlich in der Vergangenheitsform: dass ich ihm viel bedeutet habe. Er betonte, dass niemand, den er kennengelernt habe, damit zu tun habe. Am Ende bot er ein Gespräch für ein ,,faires und klares Ende" an.
Dieser Text hat mich mehr verletzt als getröstet.
Zum einen, weil er Wochen nach der Trennung kam. Zum anderen, weil er im starken Widerspruch zu seinem Verhalten vor der Trennung stand: Er hat mir bis zuletzt Nähe gegeben, ,,Ich lieb dich" gesagt, Geschenke gemacht, gesagt, dass ich nicht zu viel sei, dass Liebe ist, wenn man in schweren Zeiten beieinander bleibt, dass er mich liebt so wie ich bin, dass er niemandem einfacheren möchte. Nie angesprochen hat, dass die Beziehung, so wie sie ist nicht für ihn funktioniert.
Für mich fühlt sich dieser Text für eine nachträgliche Rationalisierung an, nicht wie echte Verantwortung. Ein faires Ende hätte bedeutet, ehrlich zu sein, als es noch möglich war oder zumindest zeitnah. Wochen später zu erklären, dass Gefühle ,,weggegangen" seien, ohne je darüber gesprochen zu haben, hat mich emotional wieder um Wochen zurückgeworfen.
Ich habe bis heute nicht geantwortet. Nicht, weil er mir nichts mehr bedeutet, sondern weil ich nicht weiß, was ich auf einen Text antworten soll, der für ihn vielleicht Gewissenserleichterung ist, für mich aber erneut Unsicherheit, Schmerz und das Gefühl hinterlässt, dass alles gelogen war.
Es ist alles so surreal an. Ich hab ihn echt tief geliebt beziehungsweise liebe ihn immer noch. Aber dieser Text hat mich nochmals echt richtig verletzt.
Noch zur Info:
In den letzte Monaten ging es ihm selbst nicht gut. Er war unzufrieden mit seiner Ausbildung, fühlte sich oft überfordert und erschöpft. Er hat aber mehrfach betont, dass es nichts mit mir oder der Beziehung zu tun hat und dass ich nicht zu viel war. Er hatte leichte Züge einer Depression.
In der Beziehung hatte er generell viele weibliche Freunde und auch lockeren Kontakt zu Kolleginnen. Das war nichts Neues, und ich hab ihm darin grundsätzlich vertraut. Wenn ich unsicher war, hat er mir meist versichert, dass ich mir keine Sorge machen müsse. Er hat oft betont, dass er ja in festen Händen und glücklich vergeben sei.
Und diese Schülerin muss er seit Ende Oktober gekannt haben und da war alles noch normal.
Was mich so fassungslos macht ist der krasse Widerspruch zu den letzten Wochen. Ich hatte das Gefühl, dass wir uns eigentlich wieder mehr geöffnet haben und uns nochmals näher gekommen sind. Zudem hatte ich das Gefühl, dass er momentan eher Angst hatte, dass ich gehe.
Des Weitern kämpfe ich schon seit Juli gegen diese Verlustangst. Sie kam immer in heftigen Wellen über mich. Er wusste das, er kannte meine Instabilität und genau deshalb fühlen sich seine jetzigen Worte und sein plötzliches Verschwinden zu einer anderen Frau wie absoluter Verrat an meinem Vertrauen an.
Als hätte er meine größte Angst über Monaten beruhigt, nur um sie jetzt absichtlich wahr werden zu lassen.
Er hat den einfachen Weg gewählt und das tut echt weh, da er mir immer vermittelt hat, dass ich wichtig bin und, dass man schwierige Phasen gemeinsam trägt.
Wie kann ein Mensch erst so tiefe Worte schwingen, mir Sicherheit versprechen und mich dann nach eineinhalb Jahren so fallen lassen (ich liebe alles an dir; so schnell wirst du mich nicht los; du weißt gar nicht, wie sehr ich dich liebe; immer gefragt, ob wir was machen wollen).
Ich kann nicht glauben, dass das leere Worte waren, hatte eher das Gefühl, dass er mir immer wieder Sicherheit geben wollte (er hat mit tiefen Liebesbekundungen nicht einfach um sich geworfen!)
Ich dachte immer, er würde mich sehr tief lieben. .
Wie kam man so schnell von ,,Ich liebe dich tief" zu ,,Gefühle sind weg" umschalten?
Und ich weiß, dass ich die letzten Monate sehr anstrengend war, aber er hat nie ein Gespräch gesucht und ich hab aktiv versucht an mir zu arbeiten und mich zu reflektieren.
Ich hatte seit Weihnachten das Gefühl, dass wir beide diesselbe Angst hatten und zwar dass der andere geht, aber diese Angst hat sich bei uns unterschiedlich geäußert: Bei ihm durch Abstand und bei mir durch Nähe.
Ich hoffe, einige haben bis hierher durchgehalten und sagen mir ihre neutrale Meinung dazu. Das wäre nett und ich sage im Voraus danke.