Also ich habe das gemacht. Ich bin Ende 2006 gegangen.
Eine Re-bound Beziehung war gerade zu Ende gegangen, um das Ende einer anderen Beziehung trauerte ich noch sehr. Alles, was ich studiumsmäßig zu erreichen gehabt hätte, hatte ich, wenn auch nicht glamourös aber geschafft und die Perspektiven, die ich mir beruflich aufgebaut hatte, fielen eine nach der anderen in sich zusammen.
Selbst die WG, in der ich damals wohnte, löste sich auf.
Alle um mich herum erwarteten Lösungen und einen neuen Plan, der natürlich am besten mit dem übereinsprechend sollte, was die so für ein Bild von mir hatten oder deren Idee von mir.
Zudem Zeitpunkt hatte ich nicht nur ein gutes Abi hingelegt, war selbstverständlich im Ausland gewesen und hatte ein Studium absolviert, was recht anspruchsvoll und für mich ziemlich hart war und mir fiel auf, daß das nie aufhört. In der Schule heißt es, du brauchst dieses oder jenes Abi, dann was macht man vor dem Studium, dann was studiert man und schließlich, tja ne warum promovierst du nicht...
Und bei der Frage und auch der Geschichte, jetzt brauchst du nen Job, war bei mir irgendwie Schluß. Ich glaube, daß ich damals zum ersten Mal wirklich das Konstrukt von Regelkonformität hinterfragt habe.
In dem Haushalt, in dem ich groß geworden bin, galt die Vorstellung, daß es einen "richtigen" Weg gibt. Schlägt man den ein, stellt sich der gewünschte Erfolg ein. Und wenn dieser sich nicht einstellt, hat man selbst halt nicht hart genug gearbeitet.
Ich war 27/28 Jahre hatte mich durch zwei Staatsexamina gequält und mich an ebenfalls zwei sehr ernsthaften Beziehungen versucht und die Staatsexamina habe ich hinbekommen, die Beziehungen gingen schief. Ich war ausgebrannt.
Ich hatte das Gefühl, daß ich weder wußte, was ich will, noch in irgendeiner Form etwas beizutragen hätte.
Zeit für einen Plottwist:
ich bin nicht ausgewandert mit der Idee, ich wandere aus, sondern ich bin ursprünglich für 3-5 Monate in eine andere Stadt gegangen, weil ich einen Tapetenwechsel brauchte. All das, was danach kam, hat sich mit der Zeit entwickelt.
Du arbeitest schon so lange in dem Unternehmen, gehe doch mal hin und frag, ob die sich vorstellen könnten, mit Dir ein Sabbatical zu vereinbaren. 3-4 Monate reichen ja schon, dann mietest Du Dir ein Mini-Apartment in Paris, Berlin, Stockholm oder machst eine Südostasienreise durch ein paar Länder.
Zitat von Fragende85:Mir ist aufgefallen, dass ich Menschen bewundere, die weit von ihrer Heimat weggezogen sind, um woanders ganz neu anzufangen. (...)
Manchmal wünschte ich, ich könnte das auch.
Es birgt einerseits Vorteile, andererseits weiß ich nicht ob es gut ist in einer Gegend neu anzufangen, zu der man keinerlei Bezug hat.
Andererseits, wie wichtig kann das sein, wenn man ja aus genau diesen Gründen (negative Erinnerungen etc) weg will, weil man ja schon sein ganzes Leben fast am gleichen Ort ist.
Du übersiehst eins, wenn Du mal woanders hingehst, weißt (!) Du hinterher, ob du jemand bist, der sehr, sehr gerne in der ursprünglichen Region bleibt. Du vergißt auch, wenn man mal etwas anderes macht, dann kostet das zwar Mut, aber man lernt so viel neues kennen.
Ich habe erst durchs weggehen, den Job gefunden, den ich wirklich machen will.
Weißt Du, ich kenne einige, die haben hinterher gesagt, es war nicht die richtige Entscheidung (vielleicht auch würde ich nicht noch mal machen) und ich kenne auch einige, die sagen, es war die beste Entscheidung meines Lebens, ich allerdings kenne niemanden, der den Weggang und das damit verbundene Ausprobieren bereut hätte.
Viel Glück