Zitat von Gemini:Zitat:Allerdings geht es gerade in der narzisstischen Beziehung nicht um Schuld, schon gar nicht um eigenes Verschulden
Nein, selbstverschuldet ist das alles natürlich nicht. Es geht aber um eigene Entscheidungen. Und da kann man schon auch mal bei sich kucken, warum man sich dazu entschieden hat zu bleiben. Es hat einen ja niemand gezwungen. Wir sind keine kleinen Kinder, die abhängig sind vom missbräuchlichen Elternteil und eine Frau die im finsteren Park einem Triebtäter begegnet entscheidet sich auch nicht dazu bei ihm zu bleiben. Man kann natürlich sagen, wir waren verliebt und am Anfang war doch alles so schön, aber normalerweise bleibt ein Mensch auch dann nicht mehr so lange bei einem Partner, wenn der einen nur noch mit Füßen tritt und die Lügen so offensichtlich sind. Also warum haben wir uns entschieden zu bleiben? Stockholmsyndrom? Ich sehe einen Unterschied zwischen körperlicher und seelischer Gewalt.
Ach, Gemini, ich versuch's nochmal. Irgendwie hab ich ja die Hoffnung, dass du den Weg noch findest. Es geht hier GAR nicht um Schuld, nie, weder Fremdschuld noch Selbstschuld. Der Narzisst ist nicht Schuld, dass er so ist wie er ist, dafür gibt es Gründe, die mit seiner Person nichts zu tun haben. Wir haben aber auch keine Schuld, dass wir so sind wie wir sind. Auch wir haben Gründe, warum wir so wurden und wieso wir den Narzissten und anderen Menschen im Leben auf unsere Art begegnen. ABER: es geht um Verantwortung! Das ist etwas anderes und wird gern mit der Schuld verwechselt.
Wir haben nämlich die Verantwortung, für uns selbst gut zu sorgen und gut mit anderen umzugehen. Diese Verantwortung nimmt der Narzisst uns gegenüber nicht wahr, deshalb entstehen die bekannten Schwierigkeiten im Umgang mit ihm.
Dir ist schon klar, dass der Narzisst dich abhängig macht? Du hast meinen vollen Respekt und auch meine Bewunderung, wenn es dir gelingt, dich bewusst gegen das zu entscheiden, was du fühlst. Ich kann meine Emotionen nicht an- und abschalten. Und sich WILLENTLICH, also als rein bewusste Entscheidung, gegen eine Sucht zu stellen, ist bisher weltweit niemandem gelungen. Da könnte ja jeder A.lkoholiker bewusst beschließen, mit dem Trinken aufzuhören und alles wäre gut. Kann er aber nicht. Und mit den Narzissten geht es den meisten hier genauso. Schau dir alle Berichte an, in denen das Verlangen nach dem schädlichen Narzissten für die Betroffenen ins Unerträgliche steigt. Das beschissene für uns ist, dass wir einen kalten Entzug machen müssen, das erfordert zwar zunächst einen Willen, der allein wie gesagt jedoch nicht ausreicht, aber zusätzlich auch Kraft, Energie, Disziplin, Durchhaltevermögen und Unterstützung von außen. Bei anderen Süchten gibt es wenigstens zeitweise Ersatzmedikamente, die den Entzug etwas ausgleichen.
Worin besteht für dich der Unterschied zwischen körperlicher und seelischer Gewalt?