QueenA
Mentorin
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Zitat von Plague:Allzu oft ist das Overthinking und die Wahrnehmung dieser kleinsten Abweichungen inkl. Überinterpretation von minimalen Details vor allem eine Folge ...
Hi @Plague und @Worrior
icv fand eure Gedanken und die Anderer sehr interessant und knüpf hier gerne an.
Hallo auch an den Themeneröffner,
Ich kann den Grundgedanken grundsätzlich nachvollziehen, dass Overthinking oft aus innerer Unsicherheit entsteht und dass es problematisch ist, diese ungefiltert beim Partner abzuladen. Dem stimme ich zu.
Mit dem Punkt der „mangelnden emotionalen Selbstwahrnehmung“ gehe ich allerdings nicht ganz mit. Nicht jede Irritation oder jedes Nachdenken über Veränderungen im Kontakt ist automatisch ein Zeichen davon. Gerade in einer Fernbeziehung sind Kommunikationsmuster ein zentraler Beziehungsträger. Wenn sich die Frequenz oder der Tonfall von Nachrichten spürbar verändert, zum Beispiel von warmherzig zu eher kühl oder distanziert, auch durch weniger Emojis oder kürzere Antworten, kann das real verunsichern. Dafür muss man weder besonders unsicher noch instabil sein. Das passiert auch reflektierten Menschen, die aufmerksam auf ihre Beziehung schauen.
Aus meiner Sicht ist entscheidend, wie man damit umgeht. Statt zu interpretieren oder Vorwürfe zu machen, halte ich es für sinnvoll, das Gespräch zu suchen, wenn man sich sieht, und die eigenen Bedürfnisse klar und ruhig zu benennen: Was brauche ich, um mich verbunden zu fühlen? Für den einen sind das z.B. ein Guten-Morgen- und Gute-Nacht-Gruß, ein abendlicher Videocall oder generell mehr Verbindlichkeit im Kontakt.
Wenn das Gegenüber sagt, dass es diese Form von Nähe gar nicht braucht und ihm die gemeinsamen Tage pro Woche völlig ausreichen, dann geht es weniger um richtig oder falsch, sondern um unterschiedliche Nähe-Distanz-Bedürfnisse. Dann muss man ehrlich prüfen, ob man damit langfristig umgehen kann oder ob die Bedürfnisse zu weit auseinanderliegen.
Hilfreich kann in Fernbeziehungen auch eine gemeinsame Perspektive sein: Gibt es ein Ziel, z.B. in absehbarer Zeit räumlich näher zusammenzurücken oder zusammenzuziehen? Eine geteilte Zukunftsvorstellung kann viel Unsicherheit herausnehmen.
Netten Gruß