Lieber Mindtricks,
ich habe mir den Eingangspost durchgelesen und mal alles danach übersprungen weil ich dir gerne ein paar Gedanken mitgeben will von jemandem der genauso gepeinigt wird/wurde wie du.
Zitat von Mindtricks: Erkennt ihr euch hier wieder?
zu 100%. Mittlerweile habe ich Wege gefunden um teilweise auszusteigen aber es klappt nicht immer.
Zitat von Mindtricks: Was hilft euch in solchen Situationen bzw. habt ihr das "Overthinken" generell in den Griff bekommen können?
Das ist das größte Problem. Der Versuch eine Situation zu bereinigen anstatt danach zu schauen woher es kommt. Aber der Reihe nach... zu der Frage. Overthinking äussert sich bei mir in einer Kaskade warum's... um bei beinem Beispiel zu bleiben... warum kein Herz? Liebt sie mich nicht mehr? Warum ist das so? Ah... ich hab da und da was dummers gemacht. Warum hab ich das gemacht? usw.... ich drifte also immer tiefer in das "Rabbithole" ab und je tiefer ich komme desto näher kommen irgendwelche Gefühle an die Oberfläche... (Trauer, Angst, Scham, Ärger etc.).
Ich habe gelernt anstelle des "Warum" ein "Was brauche ich um da jetzt rauszukommen?" zu setzen. Nun kommt aber das Problem bei der Sache und der Grund warum ich glaube das man auf die Ursachen schauen muss. Logische Antwort (für uns Overthinker in diesem Moment) auf die Frage ist "ich brauche jetzt das sie mir sagt das sie mich liebt". Das mag vom Gefühl her richtig sein aber es verschleiert die darunter liegende Emotion nur denn die Frage sollte doch eher sein "Warum bin ich gerade so verunsichert das sie mich liebt? Liegt das nicht viel eher bei mir selbst?"
Hier wird es etwas komplizierter und ich möchte dir absolut nicht zu nahe treten, daher erzähle ich dir wie es bei mir ist und du kannst schauen ob davon vielleicht irgendwas auch bei dir passen könnte.
Jeder von uns hat ein Schattenkind das negative Glaubenssätze aus Kindheitserlebnissen behalten hat und uns damit ab und an peinigt. Es gibt Menschen die haben ein "kleines" Schattenkind und kommen gut damit klar und dann gibt es Menschen die haben ein Schattenkind vom Typ "Schulhofpeiniger" und nicht genügen Resilienz um dem entgegen zu treten bzw. "gesund" damit umzugehen. Ich gehöre zu letzteren.
Mein Schattenkind sagt mir ständig das ich nicht genug sei, das ich falsch sei, das ich nur geliebt werde wenn ich Leistung zeige und all so ein Kram. All das hat dazu geführt das ich ein ängstlicher bindungstyp in Beziehungen wurde. Bloß den Partner nicht verärgern sonst werde ich verlassen und ich bin ja ohnehin nicht "liebenswert" etc.
Meine Ex war recht, nun, nennen wir es Dominant und das was heute als Gaslighting benannt wird "Das war nicht so, das denkst du nur, das hab ich nie gesagt" etc. war meine Realität. Wann immer das kam, habe ich mich selbst hinterfragt bis ich wieder zu dem Schluss gekommen bin das meine Gefühle falsch seien worauf hin ich dann große Scham empfunden habe. Das ganze ging bei mir soweit das ALLES in mir selbst hinterfragt habe. Meine Gefühle, meine Bedürfnisse und selbst meine Ideen. (Anmerkung: Im Beziehungskontext. Im Arbeitskontext klappte alles noch recht gut und obwohl ich da auch viel von mir hinterfragt habe, passierte das eher auf einer guten bzw. erfolgreichen Art).
Das alles sind Erkenntnisse der letzten Monate und manche davon tun immer noch verdammt weh. Außerdem bin ich nach wie vor damit beschäftigt daran zu arbeiten, also kann ich dir keine finale Lösung geben.
Was ich dir jedoch geben kann ist die Empfehlung zu schauen warum du die Bestätigung von außen brauchst. Du scheinst reflektiert zu sein und dein Leidensdruck ist da, sonst hättest du hier nicht geschrieben.
Nutze diese Energie um an die Wurzel zu gehen und die Herkunft der Herausforderungen anzupacken. Und wenn du Zuspruch brauchst... wir sind hier!