Laura543
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Zitat:Wann wird "Helfen wollen" gefährlich? Für dich? Für den, dem geholfen wird?
Für mich, wenn ich dabei über meine Kräfte gehe und wenn ich es nicht schaffe mich, meinen Selbstwert vom Ergebnis "abzugrenzen"- überspitzt gesagt, wenn ich versuchen würde die Welt zu retten und völlig deprimiert wäre, das Gefühl hätte versagt zu haben, wenn doch irgendwie irgendwo was schlimmes passiert.
In Bezug auf die Kinder- ich kann nicht allen Kindern helfen. Und ja Kinder und wenn diese nicht so aufwachsen wie sie es sollten, dass triggert mich. Kindergarten wäre glaub ich kein guter Ort für mich.
Ich kann auch diesen Kindern nicht wirklich helfen, eventuell. Aber vielleicht ein kleines bißchen Und für das vielleicht und für die einfache Tatsache, dass ich ihnen auf jeden Fall für ein paar Stunden eine Auszeit schaffen kann, dafür möchte ich es. Ich habe es angefangen, ich kann mich da nicht einfach davonstehlen. Fühlt sich falsch an.
Für den, dem geholfen wird.. Wenn er dabei nicht lernt es selbst besser/anders zu machen? Wenn er seine Eigenverantwortung abgibt? Jetzt auf Erwachsene bezogen. Man kann Hände reichen und die ersten Schritte begleiten aber Ziel muss sein, dass der Geholfene lernt selbst zu laufen. Wenn man die Krücke ist, hilft man ihm nicht und macht sich selbst kaputt.
Davon nehme ich jetzt mal die Oma aus, der man klassisch über die Straße hilft. Da finde ich es nur wichtig nix überzuhelfen. Fragen, anbieten, Hand reichen, Selbstbestimmung lassen- ist eine Gratwanderung.
Ich habe eine Zeitlang in der Behindertenassistenz gearbeitet und da ist für mich vieles konkret geworden, was sonst so nebulös unter Selbstbestimmung läuft. Es war für mich wahnsinnig schwer sich da soweit zurück zu nehmen, grad wenn man sehr selbstständig arbeiten gewohnt ist, und quasi "nur" den Willen dessen auszuführen, dem man da grade Arme und Beine ersetzt. Eine interessante Erfahrung, wo ich viel mitnehmen konnte.
Zitat:Was macht es mit der Beziehung von Helfendem und Geholfenem, wenn die Rollen so verteilt sind?
Der Helfende steht naturgemäß ein bisschen über dem, dem er hilft. Es entsteht ein Machtgefälle aus diesem moralischen Anspruch auf "Dankbarkeit". Dass irgendwie aufzuweichen ist schwierig.
Zitat:Wie sähe effektive Hilfe überhaupt aus?
Hilfe zur Selbsthilfe so spontan..
Zitat:Wem können wir überhaupt helfen?
Nur denen die uns darum bitten? Die es zulassen?
Zitat:Wo sind die Grenzen des Helfenden und wo sind die Grenzen des Geholfenen, und wie kann man Sorge tragen, dass sie eingehalten werden?
Die Grenzen des Helfenden liegen in seiner Kraft, da wo er anfängt sich selbst aufzugeben für die Hilfestellung, die er anbietet, diese Grenze muss er kennen, spüren und konsequent und liebevoll kommunizieren können.
Die Grenzen des Geholfenen.. sind dort wo er sich nicht mehr mündig fühlt mit der Hilfe. Wo man ihm die Selbstbestimmung nimmt. Dass zu kommunizieren ohne undankbar zu scheinen ist vermutlich schwierig.
Kommunikation ist tatsächlich der Schlüssel, denk ich, immer wieder reden wie sich jeder fühlt dabei, neu abstimmen, Grenzen wahren.
Zitat:Welchen Menschen mit welchen Persönlichkeitsstrukturen und welchen Motiven würdest du davon abraten, in sozialen Berufen zu arbeiten?
Mir. 🤣
Wer dazu neigt- wie ich- seine Grenzen zu überschreiten, nicht wahr zu nehmen? Wer das Wohl anderer über das eigene stellt? Wer im helfen Bestätigung von außen zu erhalten hofft?
Zitat:Welche Kompetenzen müssen Menschen, die gerne Helfen wollen deiner Meinung nach unbedingt mitbringen?
Eigene Stabilität. Sich und die eigenen Grenzen schützen können. Anerkennen und akzeptieren, dass man oft nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein ist.
Es gibt doch diese berührende Geschichte mit den Seesternen und die hilft mir immer wieder bei zb Tierleid weggucken zu können. Ich kann nicht alle retten, aber für die, für die ich da sein kann in meinem kleinen Rahmen, für die macht es einen Unterschied, für die ändert sich ihr Leben grundlegend. Und bereichert meins, weil jeder einfach einzigartig ist und ich viel lernen kann und wahnsinnig viel zurück kommt.
Zitat:Wie müssen die Rahmenbedingungen (In sozialen Berufen, in einer Gesellschaft...) sein, dass Helfen den Helfenden nicht auslaugt? Ich denke jetzt z.B. an Leute, die sich für Geflüchtete engagieren.
Wie kann man Risiken für den Helfenden und für den Gehlolfenen minimieren?
Eine schwierige Frage.. in sozialen Berufen sehe ich eine Pflicht des Arbeitgebers die individuellen Grenzen des Arbeitnehmers, die je nach Lebenssituation auch unterschiedlich sein können, genau im Auge zu haben und unbedingt zu akzeptieren. In der Praxis wird dass aufgrund Personalmangel wohl eher selten passieren. Da wird moralischer Druck aufgebaut und im Zweifel auch einfach die gesetzten Grenzen schlichtweg übergangen. Hinterlässt ein ganz blödes Gefühl der Hilflosigkeit.
In der Gesellschaft auch.. Die Grenzen des Individums akzeptieren, im Dialog sein. Wenn jemand zb sagt er kann sich nicht Vollzeit/Teilzeit um die pflegebedürftige Mutter kümmern weil.., dann dort nicht bewerten, abwerten. Manch einer kann es wirklich nicht. Und dann ist es so. Vielleicht kann man im Dialog Veränderungen der Perspektive erreichen, vielleicht neue Denkanstöße geben, vielleicht Angst nehmen aber dieser Dialog muss ergebnisoffen geführt werden. Wenn man in das Gespräch rein geht um zu missionieren, zu überzeugen- dann geht's in die Richtung, dass der Gesprächspartner sich überfahren und in seiner Grenze nicht respektiert fühlt.
In der Gesellschaft bzgl Flüchtlinge, Naturkatastrophen usw.. mmhh.. Ich denke tatsächlich dass geht in die Richtung, in die ich gestern schon geschrieben habe. Jeder immer wieder bei sich schauen wo er vielleicht seinen kleinen Beitrag leisten kann, den Fokus immer wieder von mir und meinem Universum auf die Welt ausserhalb des Tellerrandes richten und kurz dort verweilen.. und nicht bewerten dass Herr Maier ja mehr tut als Frau Müller und deswegen besser. Jeder der einen Seestern aufhebt hat zum gemeinsamen Erfolg beigetragen und wer im Rollstuhl sitzt zb und nur zeigen kann wo Sterne liegen, auch der hat seinen Beitrag geleistet. Wegkommen von die Politik/Gesellschaft müsste zu ich kann.. ich kann darüber sinnieren, dass es sinnlos ist und die "Verantwortung" auf höhere Institutionen schieben, weg von mir aber ich kann auch einfach kurz in mich horchen und beim Strandspaziergang ein paar Sterne zurück ins Meer legen.
Aber auch als Gesellschaft muss man akzeptieren, dass man nicht alle Seesterne retten kann. Auch die Grenzen des Systems, der Individuen darin und der Finanzen müssen gewahrt bleiben. Harte Realität und ich möchte diese Entscheidungen nicht treffen müssen. Dass war ja zb so eine kontroverse Diskussion in der Flüchtlingskrise und bei allem Verständnis für die Not der Menschen die einen sicheren Hafen suchten, hat man oft von oben herab vergessen, Verständnis für die Menschen vor Ort zu haben. Ein 300Seelennest, wo in einer Halle plötzlich 500 und mehr Geflüchtete untergebracht werden- dass schafft soviel Unsicherheiten, dass stellt für die Betroffenen ein überhelfen dar. Sehr schwierig da immer Balancen zu wahren, alles zu berücksichtigen. Ich beneide da keinen Verantwortlichen, ich bin froh hier drei kleine Sterne zu haben, deren Welt ich heller gemacht habe und die jeden Tag meine Welt ein bisschen heller machen. 💖